1915

 

 

1. Januar

Das Warenhaus Cohen schaltet eine Anzeige im „Vorwärts“.

Quelle: Vorwärts, 01.01.1915, S. 8

 

1. Januar

Matuschek, Marktstraße 5, ist Spediteur des „Vorwärts“ in Zossen.

Quelle: Vorwärts, 01.01.1915, S. 10

 

Januar

„Baracken für kriegsgefangene Mohammedaner. In Wünsdorf bei Zossen, wo sich der große Truppenübungsplatz befindet, auf dem zurzeit Kriegsgefangene aller feindlichen Völker untergebracht sind, werden jetzt neue Baracken erbaut, die zum Aufenthalt von Gefangenen mohammedanischen Bekenntnisses dienen sollen. Sobald die Baracken fertig sind, sollen die Mohammedaner aus anderen Lagern nach Wünsdorf gebracht und hier vereinigt werden.“

Quelle: Vorwärts, 05.01.1915, S. 5

 

Januar

Die Kunst- und Reklamedruckerei Robert Schulze in Storkow wird in das Verzeichnis der tariftreuen Druckereien aufgenommen. Robert Schulze, SPD-Mitglied, war bevor er die Storkower Druckerei erwarb in der Berliner Buch- und Kunstdruckerei in Zossen beschäftigt.

Quelle: Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 12.01.1915, S. 4

 

24. Januar

„Bezirk Zossen. (Vierteljahresbericht.) In der am 24. Januar abgehaltenen Generalversammlung gedachte der Vorsitzende K. Grobe zunächst der auf den Schlachtfeldern gefallenen Kollegen Richter und May. Kollege Möller erstattete den Kassenbericht; es wurde ihm für die musterhafte Kassenführung einstimmig Entlastung erteilt. Aus dem Jahresberichte des Vorsitzenden und des Kassierers sei besonders aus den Kriegsmonaten einiges erwähnt: Bis Ende Dezember standen 32 Kollegen des Bezirks unter den Fahnen, davon haben leider schon vier den Tod auf den Schlachtfeldern im Osten und Westen erlitten. Der Mitgliederstand des Bezirks ist von 118 am Schlusse des zweiten Quartals 1914 auf 49 Ende des vierten Quartals gesunken. Die Arbeitslosenziffer hatte im Monat November mit 57 Konditionslosen den höchsten Stand erreicht. Daß der seit Anfang des Krieges an die Frauen der Kriegsteilnehmer geleistete Mietzuschuß von monatlich 6 Mk. heute noch gewährt werden kann, ist der Opferwilligkeit der Kollegen durch Leistung eines besonders hohen Bezirksbeitrags zu danken. Auch der Vorstand verzichtete auf einen erheblichen Teil der Remineration, und die sämtlichen Sitzungsgebühren wurden vollständig aufgehoben. In besonderen Notfällen hat auch der Gauvorstand helfend eingegriffen. Da schon im Laufe des Kriegshalbjahres ein Wechsel im Vorstande vorgenommen werden mußte, wurde der gegenwärtig amtierende Vorstand durch Zuruf und ein Beisitzer neu hinzugewählt. Vom Gewerkschaftskartelle wurde durch Sammellisten ein ganz ansehnlicher Betrag für eine Weihnachtskinderbescherung aufgebracht. Nachdem noch für gesandte Liebesgaben die eingegangenen Feldpostkarten verlesen waren, schloß der Vorsitzende mit einem Hoch auf den Verband und mit dem Wunsch, auch unsre „Feldgrauen“ bald wieder in unsrer Mitte begrüßen zu können, die Versammlung. - Die Februarversammlung fiel aus. - Die Märzversammlung hatte sich außer örtlichen Angelegenheiten in der Hauptsache mit der Regelung der Mietsunterstützung und des Extrabeitrags zu befassen. Nach dem Berichte des Kassierers erforderte der Mietszuschuß für die Frauen bis einschließlich Februar die Summe von 950 Mk., der Zuschuß für Konditionslose 590 Mk., so daß unser Kassenbestand trotz des hohen Extrabeitrags von 1288 Mk. am 1. August auf 230 Mk. Ende Februar zurückging. Infolge immer weiterer Einberufungen läßt sich leider die Gewährung des Zuschusses nicht mehr aufrechterhalten, und so beschloß die Versammlung, daß die laufende Unterstützung mit dem Bezuge des siebenten Monats erlischt. Es können nur noch besondere Notfälle berücksichtigt werden. Der Beitrag für die Bezirkskasse wurde auf 75 Pf. erniedrigt. Auch für den Bezug des Konditionslosenzuschusses wurde eine Karenz festgesetzt."

Quelle: Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 10.04.1915, S. 2f.

 

Februar

„Im Zossener Gefangenenlager.

Das Zossener Gefangenenlager hat in der Stockholmer Zeitung „Aftonbladet“ eine ebenso unbefangene, wie anschaulich und anziehende Schilderung gefunden, die auch deutschen Lesern mancherlei neue und interessante Züge bringt. Der Erzähler berichtet zunächst über seinen Besuch in den Baracken der Franzosen. Hier ist die deutsche Ordnung und Disziplin durch den französischen Geschmack ergänzt worden, und man hat den Franzosen keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt, um sich ihren Zustand durch allerlei Einrichtungen zu erleichtern, die darauf abzielen, das Leben behaglicher und angenehmer zu gestalten. Obgleich es Winter war, konnte man deutliche Spuren künstlerischer Gartenanlagen wahrnehmen, die unter der Leitung eines französischen Gartenkünstlers hergestellt waren. Wie bekannt, dienen die französischen Geistlichen als Gemeine im Heere, und auch unter den Gefangenen in Zossen befinden sich sechs oder sieben französische Priester. Diese liegen nun im Lager der Seelsorge ob und finden auch dankbare Zuhörer. Der Schwede sah eine französische Kapelle, wo gerade mehrere Andächtige versammelt waren. Ein hübscher Altar ist dort aufgebaut und reich ausgeschmückt worden, und schon ist ein zweiter Altar im Entstehen, so daß zwei Priester gleichzeitig die Messe werden lesen können. Die Gottesdienste sind zahlreich besucht; besonders war dies während der Weihnachtszeit der Fall. Es scheint, als ob der Krieg auch bei den Franzosen das religiöse Gefühl neu belebt hat. „Aber die meisten Franzosen sind wohl keine gläubigen Katholiken?“ fragte der Besucher den ihn begleitenden Hauptmann. „Jedenfalls gehen sie fast alle zu Kirche,“ war die Antwort.
Im Zossener Lager hat auch ein französischer Bildhauer seine Werkstatt aufgeschlagen. Es ist kein gewöhnlicher Handwerker, sondern ein wirklicher Künstler, der den Rompreis davongetragen und bereits Ruf gewonnen hat. Die aus seiner Hand hervorgegangenen Werke waren sehr stimmungsvoll; zumeist waren es Soldatengestalten von einem ernsten, um nicht zu sagen düsteren Gepräge. Einige seiner Schöpfungen waren auf den Gräbern in Zossen gestorbener Krieger aufgestellt. Eine andere Kunst, die im Zossener Lager fleißige Pflege findet, ist die des Gesangs. Der schwedische Besucher wurde zu seiner Überraschung Zeuge eines ergreifenden Konzertes in einem der Säle. Es war ein französischer Kapellmeister, der da einen Chor von etwa 70 Personen leitete, unter dem ein prächtiger Tenor, der auch Solo-Vorträge leistete, besonders auffiel. Zur Aufführung gelangte eine ergreifende Tonschöpfung des Leiters, die sich „Sonnenaufgang“ nannte. Vom Konzertsaal ging der Weg zur Küche, wo das Essen gekostet wurde. Die Tagesmahlzeit bestand aus vortrefflich schmeckendem Reis. 5 Tage in der Woche gibt es Fleisch, und an den zwei Tagen, wo die Fleischkost ausfällt, wird ein besonderer Zuschuß an Brot gewährt. Das regelmäßige Brotmaß beträgt auf den Kopf und Tag ein halbes Kilo. Alle Gefangenen sahen wohlgenährt aus, und die frische Luft sowie die schöne Umgebung trugen dazu bei, ihnen den Druck des Gefangenenlebens zu erleichtern.
Ein sehr schwieriges Problem bildet die Arbeitsgelegenheit für diese 15000 Gefangenen. Vorläufig kann man am Tage durchschnittlich nur etwa 3000 von ihnen zur Arbeit anstellen; kommt aber erst die warme Jahreszeit, so wird sich in Wald und Feld mehr Arbeitsgelegenheit für sie finden. Die Winterbaracken haben die Gefangenen sich größtenteils selbst erbaut. Verschiedene Werkstätten, zum Beispiel eine Tischlerwerkstatt mit einer ganzen Anzahl Hobelbänken, sind im Betriebe. Im allgemeinen ist man mit dem Fleiß und dem Betragen der französischen Gefangenen deutscherseits sehr zufrieden. Sie stehen unter dem Befehl ihrer eigenen Unteroffiziere, sind in Kompagnien von 300 Mann eingeteilt und strenge militärische Disziplin wird unter deutscher Leitung beobachtet.
Ganz anders ist das Verhalten der Halbwilden, die in Zossen gefangen sind. Es stellte sich die Unmöglichkeit heraus, sie zusammen mit anderen Gefangenen zu halten, und man mußte sie daher in einer eigenen Abteilung unterbringen, die von einem hohen Holzzaun umschlossen und besonders streng bewacht ist. Die verbündeten Feinde der Deutschen haben, wie der Schwede bemerkt, von ihren exotischen Bundesgenossen wenig Ehre. Oft geraten sie miteinander in Streit, und dann spielen die Tischmesser eine Rolle. Die Deutschen nehmen auf die Verschiedenheit der Sitten und Religionen dieser Halbwilden soviel Rücksicht wie möglich. Die Indier z.B. essen kein Schweinefleisch, die Brahmanen auch kein Rindfleisch und so erhalten diese Hammel- und Ziegenfleisch, das sie sich nach ihrem eigenen Ritus allein schlachten. Von den indischen Soldaten zeigen viele Mongolentypus; andere dagegen gehören zur reinen Rasse und unter ihnen finden sich wahre Prachtexemplare von Schönheit. Es geht aus den Erzählungen der indischen Soldaten mit Bestimmtheit hervor, daß sie nicht wußten, wohin oder gar wofür sie in den Krieg ziehen sollten. Erst hieß es, sie sollten nur nach Kalkutta, und auch nach ihrer Ankunft in Europa erfuhren sie nicht, gegen welchen Feind sie kämpfen sollten. Die französischen exotischen Truppen sind schlechter diszipliniert als die englischen und besonders sind die nordafrikanischen Mohammedaner durch Wildheit ausgezeichnet. Mohammedanische Geistliche haben Zutritt zu diesen Gefangenen erhalten, um sie nach der Lehre des Propheten zu erbauen und um sie über die Lage der Dinge aufzuklären. Die französischen Hilfstruppen zeigen außerordentlich verschiedene Typen bis zur reinen Negerrasse. Man kann noch sehen, daß ihre Uniformen sehr glänzend gewesen sein müssen, und die Neger in ihren roten Turbanen und blaugelben Uniformen mögen einmal gar prächtig ausgesehen haben. „Wenn man diese Halbwilden sieht und die Berichte von ihren „Heldentaten“ hört, so muß man doch sagen, es ist ein Weltskandal erster Ordnung, daß diese Horden auf Europa losgelassen werden, um gegen Christenvölker zu kämpfen. Aber vielleicht bestätigt sich wieder einmal das Wort: Welkrieg ist Weltgericht“. Mit diesem Hinweis beschließt der Berichterstatter von „Aftonbladet“ seine fesselnde Schilderung des Zossener Lagers.“

Quelle: Vorwärts, 14.02.1915, S. 11

 

 März

Die Zossener Druckerei Paul Koch wird in das Verzeichnis der tariftreuen Druckereien aufgenommen.

Quelle: Korrespondent für Deutschlands Drucker und Schriftgießer, 18.03.1915, S. 6

 

18. April

„Bezirk Zossen. Sein 50jähriges Berufsjubiläum beging am 18. April bei bester Gesundheit der in der hiesigen Berliner Buch- und Kunstdruckerei beschäftigte Kollege Karl Eichorn. Der Jubilar lernte in Mühlhausen (Thüringen) und war Mitbegründer des am 1. Juni 1890 ins Leben gerufenen dortigen Ortsvereins. Er dürfte daher noch vielen Kollegen in guter Erinnerung sein.“

Quelle: Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 24.04.1915, S. 3

 

24. Mai (Pfingstmontag)

„Wünsdorf.

Das kleine, hinter Zossen belegene Örtchen Wünsdorf ist in neuerer Zeit zu einer ungeahnten Bedeutung gelangt. Zu dieser Bedeutung hat ihm die Militärverwaltung verholfen. Sie hat vor einigen Jahren als Ersatz für das Tempelhofer Feld zwischen Zossen und Wünsdorf große Flächen angekauft, was seinerzeit in der Öffentlichkeit lebhaft besprochen wurde. Seit mehr denn Jahresfrist ist das Gelände seinen Zwecken zugeführt. Bei Wünsdorf reiht sich Baracke an Baracke und eine Reihe Regimenter haben hier ihre Unterkunft gefunden und weitere werden sie noch finden. Große Übungsplätze ermöglichen die Ausbildung der Truppen. Nach Zossen hin sind die Gefangenenlager sichtbar, in denen zum Teil Russen und Franzosen untergebracht sind. Die in den Baracken liegenden Soldaten übersteigen die Einwohnerzahl von Wünsdorf um das Mehrfache.
Tagtäglich ziehen die Truppen in langen Kolonnen durch den Ort nach dem Exerzierplatz, mächtige Staubwolken um sich her aufwirbelnd. An den Sonntagen ist Wünsdorf das Ziel Tausender von Zivilpersonen. Eine große Zahl der in den Baracken liegenden Soldaten haben in Berlin Angehörige. Wer nicht auf Urlaub fahren kann, erwartet Besuch. Von dieser Besuchserlaubnis wird in der jetzigen Zeit besonders reichlich Gebrauch gemacht. Das ist auch ganz verständlich; ist es doch nur eine Frage der Zeit, wann dieser oder jener Truppenteil seinem Stammregiment zugeführt und somit ein Wiedersehen erschwert wird.
Auch wir lösten uns am zweiten Feiertage am Potsdamer Ringbahnhof ein Billett 3. Klasse für 95 Pf. nach Wünsdorf. Der Zug war knüppeldick voll. In Zossen, einer Station vor Wünsdorf, stieg eine große Zahl Mitfahrender aus, um den in der Hitze besonders unangenehmen Weg von über einer Stunde nach Wünsdorf zu Fuß zurückzulegen. Eine große Zahl der Fahrgäste zieht die Bahnfahrt bis ans Ziel einer anstrengenden Fußwanderung vor. Am Bahnhof Wünsdorf großer Empfang. Da standen sie rechts und links, Spalier bildend, alle die Besuch erhofften, und musterten erwartungsvoll die Ankommenden. Groß war die Freude, wenn der Sohn den Vater, die Mutter oder die Braut, oder Frau und Kind den Mann und Vater erblickten. Kaum ein Besucher kam, der nicht wenigstens ein kleines Paketchen mitgebracht hätte, um den Angehörigen im bunten Rock die Lage etwas erleichtern zu helfen. Viele machen einen ersten Besuch in den Baracken und mehr als einer mag Vergleiche ziehen zwischen seinem weichen Bett zu Hause und der Lagerstatt des Soldaten. Dann geht’s wieder zurück in den einen guten Eindruck machenden, mit prächtigen Bäumen geschmückten Ort Wünsdorf.
Bald sind die Restaurationen so stark besetzt, daß es schwer fällt, ein Unterkommen zu finden, aber schließlich findet sich dann noch irgendwo ein Fleckchen; man wird ja so bescheiden, wenns sein muß. Da gibt es so viel zu erzählen, Familienfragen und die Erlebnisse der letzten Zeit werden besprochen, manches Wort wird gewechselt über die Zukunft. Und dann beginnt eine kleine Wanderung durch den Ort und in dessen Umgebung, auf Schritt und Tritt Soldaten begegnend. Immer näher rückt die Scheidestunde. Der Rekrut, der erst kürzlich eingetreten ist, muß ½ 10 Uhr in seiner „Kaserne“ sein. Da gilt es wieder Abschied zu nehmen und die Besucher sind auf sich allein gestellt, denn die Rückfahrt von Wünsdorf nach Berlin ist eine recht ungenügende. Entweder muß man ½ 7 Uhr abends zurückkehren oder wenn man das nicht will, muß man bis nach 11 Uhr abends warten. Um ½ 7 Uhr ist es vielen zur Rückfahrt noch zu früh und nach 11 Uhr ist es reichlich spät. Und so ist man auf die Kneipe angewiesen und muß dort die Zeit abwarten. Dann aber nach ½ 11 Uhr sammeln sich am Bahnhof die Menschenmassen, vorzugsweise weibliche Personen, zur Rückfahrt. Das Drängen und Stoßen vor dem Eingang, durch den die ankommenden Urlauber aus Berlin, fast jeder mit einem Paket von Muttern bepackt, zurückkehren, ist wenig erfreulich. Hat man sich glücklich durch die Sperre durchgezwungen, beginnt der Sturm auf den ankommenden Zug, um einen Platz zu ergattern. Schließlich muß man froh sein, einen Stehplatz erwischt zu haben, auch wenn man auf Grund der Fahrkarte auf einen Sitzplatz Anspruch hätte. Obendrein darf man für die Rückfahrt mit dem Fernzuge in dritter Klasse noch 30 Pf. mehr bezahlen als für die Hinfahrt.
Eine bessere Verkehrsmöglichkeit in den Abendstunden zu schaffen, ist der einmütige Wunsch aller Besucher von Wünsdorf.“

Quelle: Vorwärts, 28.05.1915, S. 9

 

Juni

„Die Kreiskonferenz des Wahlkreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg nahm nach einem Referate des Genossen Molkenbuhr und einem Korreferat des Genossen Ströbel Stellung zu den Friedensbemühungen des Parteivorstandes. Nach Erledigung der sehr ausgedehnten Debatte wurde eine Resolution angenommen, worin die Bestrebungen des Parteivorstandes zur Kenntnis genommen und die auf das gleiche Ziel gerichteten Wünsche ausländischer Bruderparteien begrüßt wurden. Parteivorstand und Fraktion werden aufgefordert, diese Bestrebungen energisch zu unterstützen, dagegen Absichten bürgerlicher Annektionspolitiker energisch zu bekämpfen. Dieselben Körperschaften sollen sich auch gegen die das politische Leben einengenden Bestimmungen und die Lebensmittelteuerung wenden.
Eine von [Ortsverein.- K.L.] Friedenau eingebrachte Resolution, wonach sich die Versammlung einverstanden erklären sollte mit der von vielen Parteigenossen an den Parteivorstand gerichteten Kundgebung, wurde durch die Annahme der ersten Resolution als erledigt betrachtet.
Sodann entwickelte sich eine umfangreiche Debatte über die Sonderbestrebungen in der Partei. Das Referat hatte der Kreisvorsitzende, Genosse Thurow, das Korreferat Genosse Dr. Duncker übernommen. Mit großer Mehrheit wurde folgender Beschluß gefaßt:
„Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Teltow-Beeskow usw. kann das Verhalten derjenigen Parteimitglieder, die in besonderen Zusammenkünften außerhalb des gegebenen Organisationsrahmens in parteitaktischen und Organisationsfragen auf eigene Faust Aktionen unternehmen, nicht billigen. Diese Zusammenkünfte bergen die Gefahr in sich, die Einheit der Partei zu untergraben. Wie auch immer die Genossen in der Beurteilung von Parteifragen stehen mögen, so kann und darf nicht geduldet werden, daß Mitglieder Bestrebungen fördern, die geeignet sind, das gegenseitige Verstehen der Parteigenossen untereinander zu erschweren. Die Kreiskonferenz gibt zu, daß der aus dem Kriegszwang sich ergebende unbefriedigte Betätigungsdrang der Genossen erklärlich ist. Sie richtet darum an Parteivorstand und Reichstagfraktion von neuem das Ersuchen, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, ohne den Wünschen der Volksteile Rechnung zu tragen, die …....... und mit der Lebensmittelteuerung unzufrieden sind, sowie eine freiere Gestaltung der politischen Zustände im Innern fordern. Die Kreiskonferenz fordert die Parteimitglieder des Kreises auf, ohne Unterlaß für die Entfaltung eines möglichst regen Vereinslebens Sorge zu tragen, damit allen Genossen die Gelegenheit gegeben ist, im Rahmen der Parteiorganisationen ihre Anschauungen zu vertreten. (Reger Besuch der Zahlabende, lebhafter Meinungsaustausch, Agitation für die Partei usw.) Die Kreiskonferenz verurteilt die Benutzung des Namens der Arbeiterbildungsschule oder anderer Parteiinstitutionen für Zusammenkünfte, die außerhalb der Organisation veranstaltet werden.““

Quelle: Vorwärts, 23.06.1915, S. 7

 

Juli

Zugunsten erblindeter Krieger. Das Gardesturmbataillon Zossen plant die Errichtung eines sogenannten Eisernen Kreuzes, das seine Aufstellung in den Anlagen des Zossener Truppenübungsplatzes finden soll. Eine Reihe Gemeinden sind auf diesem Gebiete schon vorangegangen. Das Eiserne Kreuz ist zunächst ein einfaches Holzkreuz, in das Nägel eingeschlagen werden. Jeder Nagel kostet einen bestimmten Preis. Der Erlös wird wohltätigen Zwecken zugewendet, im vorliegenden Falle erblindeten Kriegern. In Zossen kostet der Nagel 10 Pf. Einweihung und Anfang der Nagelung findet am Sonnabend, den 10. Juli, nachmittags 5 Uhr, statt.“

Quelle: Vorwärts, 08.07.1915, S. 8

 

August

„Indische Gefangene in Deutschland. Die in englischen Zeitungen erscheinenden Berichte über die durch neutrale Vermittler geprüften Zustände in den deutschen Gefangenenlagern sind in ihrer knappen Tatsächlichkeit die beste Antwort gegen unsere Barbarei. Der letzte dieser Berichte enthält die Schilderung eines Angehörigen der amerikanischen Botschaft in Berlin, der das Konzentrationslager in Wünsdorf bei Zossen besuchte, in dem indische Kriegsgefangene untergebracht sind: „Gegenwärtig sind 400 indische Soldaten und 4 Offiziere im Lager von Wünsdorf interniert. Ich sprach mit jedem der Offiziere, und sie sagten, daß sie freiwillig bei ihren Mannschaften blieben und keinerlei Anlaß hätten, ihre Überführung in ein Offizierslager zu beantragen. Jeder Offizier erhält monatlich 60 M. Die Inder werden zu keinerlei Arbeit außerhalb des Lagers verwendet. Sie befinden sich unter dem Kommando ihrer eigenen Offiziere und spielen täglich Fußball. Die gut angelegten Bäder in dem benachbarten mohammedanischen Lager stehen zu ihrer Verfügung. Die Moschee in dem genannten Lager wird bald fertiggestellt sein und soll auch den Indern als Bethaus dienen. Die deutschen Wachmannschaften nehmen jede Rücksicht auf die religiösen Empfindungen der Inder; sie betreten weder die indische Küche noch die Orte religiöser Übungen. Der deutsche Offizier, in dessen Händen das Kommando liegt, war lange in Ostafrika; er scheint durchaus das persönliche Vertrauen der ihm unterstellten Gefangenen zu genießen.““

Quelle: Vorwärts, 12.08.1915, Beilage S.1

 

Oktober

Ewald Wiedemann ist Kontaktperson und Vorsitzender des Bezirksvereins Zossen des Vereins der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands, Gau Oder.

Quelle: Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 02.10.11915, S. 5

 

Oktober

In der Firma Internationale Schlafwagengesellschaft in Zossen wird der Stundenlohn um 2 Pfennig erhöht.

Quelle: Holzarbeiter-Zeitung, 08.10.1915, S. 162

 

31. Dezember

Im Bericht des Gaues Brandenburg des Deutschen Zimmererverbandes für das Jahr 1915 wird festgestellt: „Größere Aufträge von transportablen Baracken gelangten in Berlin, aber auch in verschiedenen Provinzorten zur Ausführung. Ferner kamen die Erweiterungsbauten der Gefangenenlager hinzu. Auch sind zu den im vorigen Bericht aufgeführten acht Gefangenenlagern noch weitere zwei hinzugekommen... Vor allem brachten aber die großen Fabrikanlagen bei Plaue an der Havel, Döberitz bei Pritzerbe und Premnitz gute Beschäftigungsgelegenheit. Es konnten nicht nur die arbeitslosen Kameraden aus der Provinz, sondern auch aus andern Landesteilen, besonders aus Sachsen, dort untergebracht werden. In Plaue sind allein, als der Betrieb vollauf im Gange war, gegen 5000 Arbeiter, ohne die Gefangenen, beschäftigt gewesen. … Mit Ausnahme der einzelnen Garnisonstädte war für die übergroße Zahl der Provinzorte die Arbeitsgelegenheit nicht günstig. … Waren die Preise für Lebensmittel schon vor Ausbruch des Krieges fortgesetzt gestiegen, so verlief keine Versammlung, in welcher nicht Klagen über die verteuerten Lebensbedürfnisse laut wurden. … Zu Anfang des Berichtsjahres trat eine starke Gleichgültigkeit dem Organisationsleben gegenüber zutage. Nicht nur in unserem Verband, sondern auch bei den übrigen Gewerkschaften. Es wurden daraufhin gemeinsame Versammlungen arrangiert, die für uns und auch für die übrigen Verbände nicht von Nachteil waren. Unsere Kameraden haben in 42 Orten an diesen Versammlungen teilgenommen. … Besondere Schwierigkeiten bereitete es, Kameraden zu finden, die die Kassierergeschäfte zu übernehmen hatten. Dankbar müssen wir hierbei erwähnen und anerkennen, daß in sechs Zahlstellen die Frauen der eingezogenen Kassierer die Geschäfte übernahmen und zu unserer Zufriedenheit weiterführen.“

Quelle: Der Zimmerer, 01.04.1916, S. 4f.

 

31. Dezember

Ende 1915 hatte der Ortsverband der Metallarbeiter in Zossen 32 Mitglieder. Die Zahl der im Ortsgewerkschaftskartell organisierten Gewerkschaften sank von 12 auf 8, die der Mitglieder von 187 auf 133 (Vergleich 31. Dezember 1914/31. Dezember 1915).

Quelle: Metallarbeiter-Zeitung, 15.04.1916, S. 67; Statistische Beilage des Correspondenz-Blatt, Nr. 2, 5. August 1916, S. 43.

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