1903

 

Datum Ereignis Quelle
  Nach einer Zusammenstellung der im Regierungsbezirk Potsdam erscheinenden politischen Zeitungen vom Januar 1903 gibt es in Zossen:
1) den regierungsfreundlichen Zossener Stadt- und Landboten (seit 1869). Er gehört Paul Fromm, der gleichzeitig Verleger, Drucker und Chefredakteur ist. Die Zeitung hat eine Auflage von 500 Exemplaren. Sie erscheint dreimal wöchentlich und kostet 5 Mark jährlich.
2) den regierungsfreundlichen Zossener Allgemeinen Anzeiger (seit 1901). Eigentümer, Herausgeber, Drucker und Verleger ist Paul Koch. Die Zeitung erscheint in einer Auflage von 250 Exemplaren dreimal wöchentlich und kostet 4 Mark.
Die sozialen und politischen Verhältnisse in der Provinz Brandenburg von 1871-1917, Beiheft, S. 48f.
  Vier Drucker und Schriftsetzer in Zossen erhalten Unterstützung vom Verband. Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 03.01.1903 S. 6
 28. Januar  Gründung einer Zahlstelle des Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands. Ihr gehören zur Zeit 26 Mitglieder an. Vorsitzender ist Johann Engler, Dabendorf. Kassierer ist Karl Regenberg, Chauseestraße 28.  Solidarität, 14.02.1903, S. 1
 8. Februar  

Gründung des Ortsvereins Zossen der SPD

„Zossen. Nach jahrelangem vergeblichen Bemühen war es den Socialdemokraten endlich gelungen, hier eine Versammlung abhalten zu können. Dieselbe fand am 8. Februar im Restaurant Weinberge statt und entschädigte die früheren fruchtlosen Versuche reichlich, denn sie war als eine geradezu imposante zu bezeichnen, erwies sich doch das Lokal als zu klein, um die zahlreich herbeigekommenen Besucher fassen zu können. An 300 Personen lauschten im Saal und in den Nebenräumen den Worten Zubeils, der in zweieinhalbstündiger Rede über die politische Lage Deutschlands sprach. Die Flottenpolitik, welche angeblich den deutschen Welthandel schützen soll, bezeichnete er als das Bestreben, auf dem Weltmeere die erste Geige zu spielen. Er nannte diese Politik, für welche das Volk Millionen über Millionen aufbringen muß, eine dem deutschen Handel gefährliche, da sie zu allerlei Verwicklungen führt und das Ansehen Deutschlands und somit den deutschen Handel schädigt. Sodann ging Redner auf die sogenannte Heimatpolitik ein, behandelte hierbei den Zolltarif und die Essener und Breslauer Kaiserreden. Unter dem Beifall der Versammlung wies er die gegen die Socialdemokratie gerichteten Angriffe mit gebührender Schärfe zurück. Den Lockungen, die Arbeiter sollten das Tischtuch zwischen sich und der Socialdemokratie zerschneiden, folgte man hier so wenig wie anderwärts, denn die Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher sie sich verpflichtete, für die Ausbreitung der socialistischen Ideen zu wirken und beschloß zu diesem Zweck die Gründung eines socialdemokratischen Wahlvereins. 74 Personen erklärten sogleich ihren Beitritt zu diesem Verein.“

 Vorwärts, 13.02.1903, S. 4
   Laut einer Anzeige existiert in Zossen ein Arbeiter-Gesangsverein für den ein Dirigent gesucht wird.  Vorwärts, 18.02.1903, S. 8
 16. Februar  „Zahlstelle Zossen. Am 16. Februar fand hier die erste Mitgliederversammlung der neuerrichteten Zahlstelle statt. Nachdem der Vorsitzende Kollege Engler bekannt gegeben, daß sich zur Zeit 19. Mitglieder angemeldet haben, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Dieselbe lautete: 1. Statutenberatung. 2. Verlesung der eingegangenen Schriften. 3. Verschiedenes. Das vom Vorsitzenden vorgelegte Ortsstatur wurde nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Ein vom Verbandsvorstand eingegangenes Schreiben fand die Zustimmung der Versammlung. Unter verschiedenem entstand eine lebhafte Debatte über die örtliche Bewegung, wobei ausgeführt wurde, wie notwendig es war, eine Zahlstelle zu errichte, da hier ein gutes Feld für
Organisationsbestrebungen vorhanden ist und der Anschluß an eine andere Zahlstelle trotz gemachter Versuche nicht möglich war. Nachdem noch verschiedene örtliche Angelegenheiten erledigt waren, schloß der Vorsitzende mit der Aufforderung an die Kollegen und Kolleginnen, rege zu agitieren, um uns würdig den anderen Zahlstellen anreihen zu können, die gutbesuchte Versammlung.“
 Solidarität, 28.03.1903, S. 2
 18. März  Öffentliche Wahlversammlung des SPD Ortsvereins mit 250 Teilnehmern. Thema: „Die Forderungen der Sozialdemokratie“. Der Ortsverein hat 85 Mitglieder.  Vorwärts, 20.03.1903, S 2
 25. März  Der Ortsverein hat mittlerweile ein Versammlungslokal, C. Rüffer, Baruther Straße. Eine außerordentliche General-Versammlung des Ortsvereins der SPD berät Satzungs- und Mitgliederfragen.  Vorwärts, 24.03.1903, S. 10
 20. April  Im Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg wird ein Frauenwahlverein zur Unterstützung der Wahl von Zubeil gegründet. Vorsitzende ist Frau Thiel-Tempelhof. 450 Mitglieder. Vertreten in: Rixdorf, Schöneberg, Charlottenburg, Tempelhof, Mariendorf, Wilmersdorf, Steglitz, Friedenau, Baumschulenweg, Johannisthal, Nieder-Schöneweide, Köpenick, Adlershof, Britz, Zossen.  Vorwärts, 12.07. 1903, 3. Beilage, S. 13
Die Gleichheit, 29.07.1903, S. 6
 22. April  Versammlung des Ortsvereins der SPD. Thema u.a. Vorbereitung der Maifeier.  Vorwärts, 22.04.1903, S. 9
 1. Mai  „Zossen. Die Maifeier, die erste, die überhaupt in Zossen abgehalten wurde, verlief in großartiger Weise. Mittags Spaziergang nach Mellen, an dem hauptsächlich die hiesigen Buchdrucker teilnahmen, abends große Feier im Rüfferschen Saale, an der sich gegen 300 Personen beteiligten und die in Bester Weise verlief, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß durch das „freundliche Entgegenkommen“ unsrer Polizei die Stimmung wesentlich erhöht wurde.“  Vorwärts, 03.05.1903, S. 2
 10. Mai  Erste Wahlversammlung der Zossener SPD bei Rüffer. Es spricht der Reichstagsabgeordnete Fritz Zubeil über die bevorstehenden Reichstagswahlen. Er ruft dazu auf die Frauen und Mädchen stärker in die Parteiarbeit einzubeziehen. Bei den Parteimitgliedern Hermann Schwitzky, Hermann Kotte und Franz Stakemann können die Wählerlisten eingesehen werden.  Vorwärts, 13.05.1903, S. 4
 13. Mai  Öffentliche Wahlversammlung zur Vorstellung des Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien, Hammer aus Steglitz. 400 Teilnehmer. Gegenreden u.a. von Rönisch (Zossen/SPD). Nur die Hälfte der Teilnehmer unterstützt Hammer.  Vorwärts, 17.05.1903, S. 14
 

20. Mai

  
 Reguläre Mitgliederversammlung des Ortsvereins. Tagesordnung: Verlesung des Protokolls, Vereinsangelegenheiten, Aufnahme neuer Mitglieder, praktische Vorführung des neuen Wahlreglements, Verschiedenes.  Vorwärts, 20.05.1903, S. 5
 24. Mai  Gut besuchte öffentliche Wahlversammlung der SPD bei Rüffer. Das Referat von Dr. Alberty gegen die Positionen des Kandidaten Hammer fand jubelnde Zustimmung. In der nachfolgenden sehr angeregten Diskussion stellte sich heraus, daß ein Gendarm sich des völlig ungesetzlichen Abreißens von Plakaten, die nichts als eine Einladung zur Wählerversammlung enthielten, schuldig gemacht habe. Nach Schluss der Versammlung kam eine Reihe von Wählern zum Referenten und klagte über die am Ort herrschenden Hungerlöhne und über einige brutale Misshandlungen, die in der Schule vorgekommen waren. Der Ortsverein zählt 130 Mitglieder.  Vorwärts, 27.05.1903, S. 5
 24. Mai  Ausschusssitzung des Arbeiter-Sängerbundes in der Brauerei Friedrichshain. Der Verein „Freie Sänger“ aus Zossen wird aufgenommen.  Vorwärts, 28.05.1903, S. 4
 31. Mai  19. Ordentlicher Gautag des Gaues Odergau des Deutschen Buchdrucker- und Schriftgießer-Verbandes. Aus Zossen sind die Delegierten Schelz, Hoffmann und Bonin anwesend. Die Delegierten aus der Provinz Brandenburg sprechen sich für eine Teilung des Gaues aus, die aber von der Mehrheit, insbesondere den delegierten aus Pommern abgelehnt wird.  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 11.06.1903, S. 4
 4. Juni  Die Deutsche Buch- und Kunstdruckerei zählt zu den Betrieben, die bis 30. April 1903 den Deutschen Buchdruckertarif anerkannt haben. Die Zossener Druckereien Otte und Koch fehlen im Verzeichnis der Tariftreuen.  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 04.06.1903, S. 17 Verzeichnis der Tariftreuen, S. 6
 

14. Juni

  
 Morgens in Zossen Flugblattverteilung zur Wahl. Nachmittags öffentliche Wählerversammlung Genosse Breslauer spricht über die Bedeutung der Reichstagswahlen. Die Vorsitzende des Frauenwahlvereins, Frau Thiele, nimmt teil.  Vorwärts, 13.06.1903, S. 10
 16. Juni

Reichstagswahlen

In der Hauptwahl erhalten die Konservativen in Zossen 533 Stimmen, die Sozialdemokraten 225 Stimmen, die Nationalliberalen 12 und die Freisinnigen (Linksliberalen) 38. Im Wahlkreis findet keine Stichwahl statt, weil Zubeil (SPD) die absolute Mehrheit der im Wahlkreis abgegebenen Stimmen erhalten hat.

 Paul Hirsch: Die Sozialdemokratie im Wahlkreise Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, Charlottenburg 1908, S. 9
 18. Juni  Am 18. Juni wurde Auflösung des Frauenwahlvereins bekanntgegeben, da der Zweck erfüllt war. Nach Auflösung des Vereins wurde Frau Thiel, der Vorsitzenden, mitgeteilt, dass die Gründung unzulässig war, weil nur Wahlberechtigte einen Verein gründen dürften und Frauen ja nicht wahlberechtigt wären.  Vorwärts, 12.07.1903, 3. Beilage, S. 13
   Mit roter Farbe wurde in Zossen am Tage vor der Wahl die Aufforderung „Wählt Zubeil!“ an Bürgersteigen, Wänden und Bauzäunen aufgebracht. Die Polizei lobt 20 Mark für Hinweise auf die Täter aus.  Vorwärts, 20.06.1903, S. 3
 29. August  „Nachdem eine größere Berliner Druckerei nach hier verlegt wurde, welche ca. 150 Personen beschäftigt, worunter ca. 30 Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, ergab sich die Notwendigkeit, eine Zahlstelle zu gründen. Wir gingen hierbei von dem Gesichtspunkte aus, daß die hiesige Zahlstelle eine Zwischenstation der süddeutschen Orte mit Berlin werden sollte. Wie schwer es ist, gewerkschaftlich noch nicht organisierte Arbeiter in eine Organisation zu bringen, davon können wohl die größeren Druckorte sprechen: denn es ist leider damit zu rechnen, daß je größer der Druckort, umso mehr Gelegenheit vorhanden ist, durch Anfragen usw. Arbeit in Druckereien zu erhalten, in welchen eine Organisation noch nicht besteht. Daß unsere Gesichtspunkte die richtigen waren, ist uns durch die Folge bestätigt. Die hiesige Druckerei rechnete bei ihrem Umzuge damit, daß die auswärtigen Verhältnisse derartige sind, ein billigeres Arbeitsmaterial zu erhalten; wobei gerade der Zuzug aus süddeutschen Orten, in welchen im Verhältnis ein geringerer Lohn gezahlt wird in Betracht kam. Um den regelrechten Betrieb aufrecht zu erhalten, war die Druckerei gezwungen, sich von Berlin, welches ca. 35 Kilometer von Berlin entfernt ist, Hilfspersonal zu beschaffen, welches jedoch nur zu dem in Berlin festgesetzten Minimallohn arbeitete. Die Geschäftsleitung versuchte nun, sich ein billigeres und willigeres Personal zu beschaffen, was ihr auch für den Augenblick gelang. Nachdem jedoch die von Leipzig kommenden unorganisierten Kolleginnen durch die hiesige Zahlstelle die nötige Aufklärung über die hier am Orte bestehenden teuren Lebensverhältnisse, welche sogar die Großstadt noch übertreffen, erhalten und sich selbst davon überzeugt hatten, sahen dieselben, daß mit einem Lohn, wie derselbe in Leipzig gezahlt wird, hier in Zossen nicht auszukommen ist. Daß es uns hier an Kämpfen nicht gefehlt hat, mag folgende Tatsache (abgesehen von kleineren Chikanen) beweisen. Eine Anlegerin, welche 8,50 Mk. Lohn pro Woche erhält, wurde unter Berufung auf die Verhältnisse in Süddeutschland aufgefordert, die Walzen zu waschen, was dieselbe nach Rücksprache mit dem Vertrauensmann ablehnte. Die Folge war sofortige Entlassung durch den Obermeister, dessen rigoroses Vorgehen wohl schon vielfach bekannt ist. In einer darauf folgenden Druckereiversammlung wurde beschlossen, die Wiedereinstellung der betreffenden Kollegin zu verlangen. Nach langem Verhandeln und nachdem das gesamte Hilfspersonal erklärte, bei Nichteinstellung in den Ausstand zu treten, wurde die Entlassung der Kollegin nach anderthalbtägigem Feiern zurückgenommen, dafür sollte nun das männliche Hilfspersonal, welches bei dieser Angelegenheit den Hauptausschlag gab, durch Entziehung der Kündigungsfrist gestraft werden. Wir aber empfinden das indeß durchaus nicht als Strafe, werden aber stets über die örtlichen Verhältnisse wachen und Sorge tragen, daß auch hier zeitgemäße Fortschritte gemacht werden.“  Solidarität, 29.08.1903, S. 4
   Zahlstelle Zossen des Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands:: Johann Engler, Dabendorf bei Zossen; Karl Regenberg, Dabendorf 1 bei Zossen  Solidarität, 29.08.1903, S. 4
   In Zossen weigert sich der Direktor der DBK mit den Buchbindern über deren Forderungen zu verhandeln: Gehilfen 22,50 Mark, Spezialarbeiter 24 Mark, geübte Arbeiterinnen 14,50 Mark, Lehrmädchen 6 Mark, für Maschinenarbeiterinnen 16 bis 18 Mark Minimallohn. Arbeiter und Arbeiterinnen, die schon längere Zeit Minimallohn erhalten sollen einen Zuschlag von 5 Prozent erhalten. Es kommen 6 Arbeiter und 5 Arbeiterinnen in Frage, die schön länger Verbandsmitglieder sind.
Der Verband versucht die Streikenden zu unterstützen:
„Achtung! Buchbinder und Buchbinderei-Arbeiterinnen. In der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei in Zossen sind sämmtliche Kollegen und Kolleginnen heute wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Zuzug ist streng fernzuhalten! Streikarbeit ersuchen wir streng zurückzuweisen!
Ortsverwaltung des Buchbinder-Verbandes“
 

Vorwärts, 18.08.1903, 3. Beilage, S. 10

Buchbinder-Zeitung, 26.09.1903, S. 1

  
 27. September  Bezirksversammlung Brandenburg des Verbandes Deutscher Buchdrucker und Schriftgießer diskutiert u.a. die Lage im Ortsverein Zossen, der häufig das Schiedsgericht des Bezirks bemüht. Es wird vorgeschlagen, dass sich der Gauvorstand damit beschäftigt.  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 10.10.1903, S. 3
   „Die Parteigenossen von Zossen und Umgegend werden darauf hingewiesen, daß die Urwählerlisten vom 5. bis 7. Oktober öffentlich ausliegen. Jeder Wähler hat sich zu vergewissern, daß er in die Liste eingetragen ist: wer keine Zeit hat, wende sich an die Unterzeichneten. Namentlich werden die Parteigenossen, welche in der D.B.K. beschäftigt sind, gebeten, alle ihnen bekannten Arbeiter auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen oder deren Namen und Wohnung den Unterzeichneten mitzuteilen, damit diese die Listen nachsehen. Kotte, Kietzstr. 10; Schwitzky, Chausseestr. 38.“  Vorwärts, 01.10.1903, S. 10
 3. Oktober  Der Buchbinder Bergmann schreibt über die Arbeits- und Lohnbedingungen in der DBK sowie den Verlauf des Streiks:
„Eine Zahlstelle besteht hier nicht. Die in der „Deutschen Buch- und Kunstdruckerei“ beschäftigten Kollegen und Kolleginnen gehören als Einzelmitglieder dem ersten Gaue an. Dieselben sind zum Teil ältere Verbandsmitglieder. Zurzeit sind in der Buchbinderei elf Personen beschäftigt; es sind aber in der guten Geschäftszeit mehr im Betriebe tätig. Die Arbeitszeit beträgt schon seit längerer Zeit 8 ¾ Stunden. Die Lohnverhältnisse dagegen waren nicht sehr günstige. Es war deshalb schon seit längerer Zeit der Wunsch unserer Kollegen und Kolleginnen, eine Verbesserung der Löhne herbeizuführen. Die Forderungen, welche an die Firma eingereicht wurden, sind in der vorigen Nummer der „Buchbinder-Zeitung“ bekannt gegeben. Seitens des Gauvorstandes wurden die Forderungen der Direktion unterbreitet und derselben fünf Tage Bedenkzeit gegeben. Am fünften Tage ging das Antwortschreiben ein, in dem mitgeteilt wurde, daß die Direktion am Sonnabend bzw. Sonntag wegen der aufgestellten Forderungen bereit sei zu unterhandeln. Das war am Mittwoch. Am selben Tage fand eine Besprechung mit den Kollegen und Kolleginnen der Firma statt, wo dieselben ihrer Meinung dahin Ausdruck gaben, daß die Firma schon seit einigen Tagen Arbeiten, ja sogar angefangene Arbeiten, nach Berlin schicke, um sie dort fertigstellen zu lassen. Die Firma sichere sich schon vorher, um bei einem ausbrechenden Streik nicht in die Verlegenheit zu kommen. Man vermute weiter, daß auf diese Weise die dringensten Arbeiten bis Sonntag fertig seien und die Verhandlungen am Sonntag resultatlos verlaufen würden. Die Kollegen erklärten deshalb, am nächsten Tage (Donnerstag) nochmals bei der Firma vorstellig zu werden. Sollte dieselbe nicht sofort unterhandeln wollen, so müsse die Arbeit niedergelegt werden. Die Versammlung beschloß dieses einstimmig und am Donnerstag früh wurde die Direktion befragt, ob sie die Forderungen bewilligen oder sofort in Verhandlungen eintreten wolle. Beides wurde verneint und der Direktor, Herr Wagner, erklärte, nicht eher Zeit zu haben als am Sonntag. Daraufhin legten unsere Kollegen und Kolleginnen die Arbeit nieder. Es fand dann noch am selben Tage eine telephonische Unterredung zwischen Herrn Wagner und dem Gaubevollmächtigten in Berlin statt, wobei sich Herr Wagner beschwerte, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Grund die Arbeit niedergelegt hätten; er könne nicht eher unterhandeln, als am Sonntag, da seine Zeit es ihm nicht eher erlaubte. Es wurde dann vereinbart, daß am Sonntag die Verhandlung stattfinden solle. Selbstverständlich blieben unsere Kollegen und Kolleginnen im Ausstand, da ja nicht feststand, welches Resultat zustande kommen würde.
Am Sonntag morgen fand dann die Verhandlung in Zossen statt, an welcher die beiden Direktoren und der Werkführer, seitens der Arbeitnehmer der Gaubevollmächtigte Bergmann, der Vertrauensmann und eine Kollegin teilnahmen. Der Direktor Wagner erklärte, die Forderungen, wie sie gestellt sind, nicht bewilligen zu können, da er sonst nicht konkurrenzfähig bleiben würde. Er führte die niedrigen Löhne von Luckenwalde, Düsseldorf und anderen Orten an und meinte, daß bei solchen Löhnen die betreffenden Arbeitgeber bedeutend besser gestellt seien als er. Unsererseits wurde aber darauf hingewiesen, daß die Lebensmittelpreise und die Wohnungsverhältnisse in Zossen ziemlich dieselben sind wie in Berlin. Ein Vergleich mit anderen Städten im Reiche trifft demnach gar nicht zu. Eine Erhöhung der Löhne mache sich in Zossen unbedingt nötig. Nach zweistündiger lebhafter Beratung kam folgendes Resultat zustande:
1. Der Minimallohn für männliche Arbeiter beträgt 21 Mk.; für Arbeiter an der Beschneide- oder Heftmaschine 24 Mk.
2. Anfangslohn für ungeübte Arbeiterinnen 6 Mk.
3. Für geübte Arbeiterinnen 13 Mk. Minimallohn.
4. Für Arbeiterinnen an der Falzmaschine 16 Mk.
5. Für Arbeiterinnen an der Heftmaschine 15 Mk.
6. Die gesetzlichen, sowie vom Geschäft angeordnete Feiertage werden den Lohnarbeitern und -Arbeiterinnen bezahlt.
7. Akkordarbeiten werden nach dem Leipziger Tarif, Falzen nach dem Berliner Tarif bezahlt.
8. Überstunden werden mit Prozentzuschlägen bezahlt, dieselben decken sich mit den Berliner Zuschlägen.
Die vorstehenden Vereinbarungen gelten bis zum 1. September 1904.
Diese Zugeständnisse wurden den am Sonntag versammelten Kollegen und Kolleginnen unterbreitet und nach kurzer Debatte angenommen. Man war nicht ganz befriedigt, jedoch war unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr zu erreichen. Am Montag früh wurde die Arbeit wieder aufgenommen.
Sind auch nicht alle gestellten Forderungen erreicht worden, so ist immerhin einen kleine Verbesserung der Lohnverhältnisse erreicht. Jedenfalls aber sind feste Lohnsätze für eine für eine bestimmte Zeit geschaffen worden. Für unsere Kollegen und Kolleginnen muß auch dieses ein Ansporn sein, treu und fest zum Verband zu halten. Wünschenswert aber ist es, daß die Kollegen auch in den übrigen Kleinstädten endlich daran gehen, für die Verbesserung ihrer Lage etwas zu tun. Dann wird auch in Zukunft den Arbeitgebern der Einwand genommen, daß in anderen Städten, sogar in Großstädten wie Dresden und Breslau, noch so erbärmliche Löhne gezahlt werden. Drum frisch ans Werk!“
 

Buchbinder-Zeitung, 03.10.1903, S. 1

  
 15. Oktober  Der Vorstand des Ortsvereins des Verbandes der Deutschen Buchdrucker und Schriftgießer: Max Blumenstetter, Baruther Str. 41, 1. Vorsitzender; Robert Meerwald, 2. Vorsitzender; Hans Ließ, Kassierer; Hermann Kotte, Schriftführer.  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 15.10.1903, S. 3
 18. Oktober  Reichstags-Abgeordneter Zubeil referiert Sonntagnachmittag 3 ½ Uhr bei Rüffer, Barutherstraße, über die Landtagswahlen.   Vorwärts, 15.10.1903, 2. Beilage, S. 9
 21. Oktober  „Zossen. Am 21. Oktober hielt der hiesige Wahlverein seine Generalversammlung ab. Unter Vereinsangelegenheiten teilte der Vorsitzende, Genosse Schwitzky mit, daß er sich zwecks Abhaltung eines Kunstabends für die Mitglieder mit dem Genossen Dr. Alberty in Verbindung gesetzt und dieser auch für den ersten Weihnachtstag zugesagt habe. Die Genossen Schulz, Müller und Freutel wurden dann als Bezirksführer gewählt. Die Parteispedition wurde dem Genossen Rakow, Barutherstr. 56, übertragen. - Neu aufgenommen wurden drei Genossen. - Hierauf erstattete Genosse Kotte den Kassenbericht für das verflossene Halbjahr. Es war eine Einnahme von 349,75 Mark und eine Ausgabe von 311,46 Mark zu verzeichnen; unter letzterer Summe befinden sich die an den Central-Wahlverein eingesandten Gelder. - Aus dem Vorstandsbericht ist folgendes zu erwähnen: Es haben 13 Vorstandssitzungen, 5 Vereinsversammlungen und 3 Volksversammlungen stattgefunden. Der Mitgliederbestand war Anfang des Halbjahres 88, am Schluß 84; die höchste Mitgliederzahl hatte der Verein im Monat Mai mit 100. Die Beteiligung an der Wahlarbeit ist eine sehr rege gewesen und konnten am Wahltage noch sieben Genossen nach auswärts geschickt werden. Leider sind auch zwei Bestrafungen vorgekommen, indem die Genossen Kade und Hoffmann vom Schöffengericht wegen angeblicher Beleidigung eines Schutzmannes am Wahltage zu 20 bezw. 10 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. - Hierauf erstattete Genosse Kotte einen ausführlichen Bericht von der Generalversammlung des Central-Wahlvereins. Im Anschluß hieran fand eine zum Teil sehr erregte Debatte über den Parteitag statt, in der die meisten Redner ihr Bedauern über die unerquicklichen Debatten aussprachen, die das Ansehen der Partei nur schädigten, während von andren Rednern diese Debatten als notwendig bezeichnet wurden. Zum Schluß einigte sich die Versammlung auf die von der Generalversammlung des Central-Wahlvereins angenommene Resolution. - Hierauf gab der Vorsitzende die Namen der Wahlmänner – es sind die Genossen Lenz, Schmidt (1. Bezirk), Blumenstetter, Rakow (2. Bezirk) und Freutel, Lehmann (3. Bezirk) – bekannt und schloß die Versammlung mit einem kurzen Hinweis auf das vor 25 Jahren erlassene Socialistengesetz.“  Vorwärts, 04.11.1903, S. 4
   Die Mitarbeiter der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei in Zossen spenden 14 Mark für die streikenden Crimmitschauer Metallarbeiter. Im Dezember spenden sie nochmals 15 Mark.
Der Verein „Gemütlichkeit“ Zossen spendet 5 Mark. 
 Vorwärts, 26.11.1903, S. 4
Vorwärts, 12.12.1903, S. 4
Vorwärts, 20.12.1903, S. 25
   Dem Zossener SPD-Verein gehören 100 Mitglieder an.  Vorwärts, 24.12.1903, S. 7
 25. Dezember  Im Lokal des C. Rüffer findet ein Kunstabend unter Leitung des Genossen Dr. Alberty statt. Die Mitglieder des Vereins erhalten einen Vorzugspreis.  Vorwärts, 25.12.1903, S. 9
 31. Dezember  Der Zweigverein Zossen des Zentral-Verbandes der Maurer Deutschlands hatte 1903 84 Mitglieder. Er hat Beitragseinnahmen und -ausgaben in Höhe von 1419,05 Mark.  Der Grundstein, 26.03.1904, S. 4

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