1905

Datum Ereignis Quelle
 8. Januar  Gautag des Gaues 1 des deutschen Buchbinderverbandes in Luckenwalde. 15 Orte sind vertreten. In Zossen gibt es nur Einzelmitglieder. Aus Zossen ist Rauffus anwesend. Zu Zossen heißt es:
„Die Kollegen in Zossen wollten eine Zahlstelle ins Leben rufen, da aber auf Bestehen derselben nicht gerechnet werden konnte, riet der Gauvorstand davon ab. In der „Deutschen Biuch- und Kunstdruckerei“ kam es zu einem dreitägigen Ausstand, wodurch Verbesserungen erzielt wurden, die aber wieder verloren gingen, weil die Arbeiterinnen ohne Wissen des Gauvorstandes zu den alten Bedingungen weiterarbeiteten. Versuche, die verabredeten Bedingungen wieder einzuführen, mißlangen, worauf sich ein Teil der Kollegen und Kolleginnen veranlaßt sah, den Betrieb zu verlassen, so daß nur noch 6 Mitglieder am Ort verblieben...
… Rauffus kann für Zossen keinen ausführlichen Bericht geben, da er erst kurze Zeit in Zossen ist. Die Lohnverhältnisse sind angängige und betragen für männliche Arbeiter 21-25 Mk., für weibliche Arbeiterinnen 7,50-12 Mk.: Arbeitszeit ist 8 ½ Stunden.“
 

Buchbinder-Zeitung, 21.01.1905, S. 5f.

  Vorstand des Ortsvereins der Buchdruckerhilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands: Johann Engler, Dabendorf b. Zossen; Wilhelm Weise, Zossen, Kietz 24. Solidarität, 11.02.1905, S. 4
   Die Adresse des derzeitigen Vorsitzenden der Zahlstelle lautet:
Franz Stangenberg, Marktstraße 95 I.
Correspondent, 11.02.1905, S. 7
29. Januar  Mitgliederversammlung des Ortsvereins der Buchdruckerhilfsarbeiter und -Arbeiterinnen. Es wurden 1904 9 Mitglieder-, 3 General- und vier Versammlungen wegen Lohndifferenzen abgehalten, Die Kasse hat einen Gesamtbestand von 120,18 Mark. Der Vorsitzende Engler lehnt eine Wiederwahl aus Gesundheitsgründen ab. Kollege Rönnebeck wird 1. Vorsitzender, Kollege Weise Kassierer, Kollege Matuschek Schriftführer . Kollegin Brocksch wird zur 2. Vorsitzenden gewählt.  Solidarität, 25.02.1905, S. 3.
  Vom Vorstand des Tabakarbeiterverbandes sind für Zossen ernannt: Otto Rackow, 1. Bevollmächtigter; Fr. Berchem, 2. Bevollmächtigter, Rich. Lisseck, 3. Bevollmächtigter; G. Reetz und Adolf Mäder, Kontolleure Tabak-Arbeiter, 26.02.1905, S. 4
 8. März  „S. Zossen. Die am 8. März im Vereinslokale abgehaltene Versammlung des Ortsvereins beschloß, der Generalversammlung folgende Anträge zu unterbreiten: § 1 der Vorstandsbeschlüsse in b) Ortsunterstützung im Absatz 2, Z. 6, hinter 140 Tage noch eine Stufe folgenden Wortlautes einzuschalten: bei 500 Wochenbeiträgen bis zu 30 Wochen (210 Tage). Bei § 2 der Vorstandsbeschlüsse, Z. 4, müssen noch hinter dem Worte Arbeitszeit die Worte „und anständige Behandlung“ eingeschaltet werden, und in Z. 6 ist das Wort „Verbandes“ zu streichen. Demnach erhält § 2 dann folgende Fassung: „Wenn die Arbeitslosigkeit infolge Einführung oder Aufrechterhaltung der vom Vorstande des Verbandes als maßgebend anerkannten Bestimmungen in bezug auf Arbeitspreise, Arbeitszeit ‚und anständiger Behandlung‘ eingetreten und hierzu die vorherige Genehmigung des Gauvorstandes eingeholt worden ist usw.“ Bei c) der Vorstandsbeschlüsse, Abs. 5, sind die Worte: „Freiwillig Umziehende und“ wegzulassen.“ Correspondent, 21.03.1905, S. 5
   Vorstand des Zossener Ortsvereins des Verbandes der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands: F. Stangenberg, erster Vorsitzender; P. Freutel, zweiter Vorsitzender und Bibliothekar; F. Saupe, Schriftführer; H. Ließ, Chausseestr. 27, II. Kassierer.“ Correspondent,. 18.04.1905, S. 6
   „In Zossen sind in letzter Zeit mehrere Fabrikneubauten entstanden. Das Vorhandensein geeigneten Baugeländes und billigen, vorteilhaften Fabrikterrains, sowie hinreichende Verkehrsverbindungen lassen erwarten, daß in absehbarer Zeit weitere Fabriken erstehen werden; in dieser Richtung sind bereits Unterhandlungen im Gange. Einer durch diesen Zuzug etwa entstehenden Wohnungsnot wird durch gleichzeitiges Aufführen geeigneter Wohnhäuser in entsprechender Weise gesteuert.“ Der Zimmerer, 08.07.1905, S. 243
 1.April bis 30. Juni  Abrechnung des Ortsvereins der Buchdruckerhilfsarbeiter und -Arbeiterinnen für die Monate April bis Juni 1905: 14 männliche und 11 weibliche Mitglieder; keine Arbeitslosen; 2 Männer 24 Tage krank; eine Frau 78 Tage krank; Einnahmen 64,65 Mark, Ausgaben 13,10 Mark. Solidarität, 04.11.1905, Beilage, S. 1
 25. Mai „Zossen. Infolge Amtsniederlegung besteht nunmehr der Vorstand aus folgenden Kollegen: Paul Freutel, erster Vorsitzender, Kietz 14; Fr. Saupe, zweiter Vorsitzender und Bibliothekar; Adolf Zipler, Nächst-Neuendorfer Chaussee, Kassierer; R. Pätzold; Schriftführer.“ Correspondent, 25.05.1905, S. 5
 29. Mai Der Arbeiter Hermann Schmidt, Mitglied des Sozialdemokratischen Wahlvereins Zossen, stirbt. Vorwärts, 31.05.1905, S. 7
 1. Juni   „Auf Veranlassung des Vorstandes des Vereins Berliner Buchdruckmaschinenmeister fand am 1. Juni (Himmelfahrtstag) eine Versammlung der Zossener Maschinenmeister statt, zu der außer den hiesigen Druckern Vertreter des Ortsvereins, des Berliner Maschinenmeistervereins sowie der Obmann der Zentralkommission Kollege Fr. Krätke erschienen waren. Kollege Krätke hatte auch das Referat über: „Zwecke und Ziele der Maschinenmeistervereine“, Übernommen. Nach diesem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage fand eine rege Diskussion statt, und ergänzte der Vorsitzende des Berliner Vereins, Kollege Engel, den Vortrag noch in tariflicher Hinsicht, worauf dann die Kollegen einstimmig für die Gründung eines Maschinenmeistervereins in Zossen votierten. Mit einem Hoch auf den Verband und den neugegründeten Verein wurde sodann die Versammlung geschlossen.“ Correspondent, 08.07.1905, S. 4
   Vorstand des Zossener Maschinenmeistervereins: Paul Langner, DBK, Vorsitzender; Reinhold Pätzold, Kassierer und Schriftführer; Hermann Peglow, Beisitzer.  Correspondent, 04.07.1905, S. 4
 12. Juli  „Zossen. Am 12. Juli hielt der hiesige Ortsverein seine Monatsversammlung ab. Auf Antrag der revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Der Drucker günther aus Chemnitz wurde wegen Resten ausgeschlossen. Mitgliederstand Ende Juni 95. Der Versammlungsbesuch war ein guter. Das Johannisfest wurde am 8. Juli unter zahlreicher Beteiligung im Vereinslokale gefeiert. Nach einem Gartenkonzerte trug der hiesige Arbeitergesangverein einige Lieder und Quartette vor. Vorstandsvorsitzender Freutel hielt die Festrede. Er ermahnte zu ungeschwächtem Zusammenhalten im Verbande und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf denselben. Herr Direktor Wagner gab dem gesamten Personale an diesem Tage um 3 ½ Uhr frei. Ferner stiftete er für das Preisausschreiben der Johannisfestdrucksachen 20 Mk. Allen denen, die zum Gelingen unsers Festes beigetragen haben, sagen wir an dieser Stelle unsern besten Dank. Ein gemütliches Tänzchen hielt die Kollegen in stattlicher Anzahl bis zum frühen Morgen beisammen.“  Correspondent, 22.07.1905, S. 4
16. August  

In einer Versammlung des Berliner Vereins der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands wird Zossen Thema:
„Als illustration für die Schädigung der Berliner Verhältnisse durch die Buchdruckerei in Zossen wurde angeführt, daß in einer hiesigen Druckerei den Kollegen zugemutet wurde, statt des Hundertzeilenpreises von 4 Mk. ein Werk für 3,58 Mk. für 100 Zeilen herzustellen, sonst gehe die arbeit nach Zossen. Auch sei es vorgekommen, daß russische Setzer unter falscher Flagge gesucht werden, und zwar von der Firma Lewent. Die sich Meldenden würden dann einfach nach Zossen verwiesen. Man sieht, es ist hohe Zeit, daß Zossen bei der Tarifberatung einen Lokalzuschlag bekommt. Ein Redner führte aus, es habe den Anschein, als ob die Zossener Druckerei Aktiengesellschaft verschiedener Berliner Prinzipale sei. Nach der vom Maschinensetzervereine herausgegebenen Broschüre werden in Zossen, wo 14 Setzmaschinen stehen, an jeder Maschine etwa 15 Überstunden gemacht. Gegen ein derartiges Ueberstundenunwesen sei ein energischer Protest notwendig, der aber vom Odergau ausgehen müsse.“

Der Geschäftsführer der DBK, Wagner, antwortet auf den Bericht am 16. September im „Correspondent“ (siehe da).

 V
 23. August  Der Ortsverein der SPD hat 90 Mitglieder.  Vorwärts, 30.08.1905
 

 Die Fleischnot

Der Magistratsberichterstatter teilt mit: Zur Fleischnotfrage bringt der „Reichs-Anzeiger“ eine amtliche Statistik über den Viehauftrieb an acht der größten preußischen Schlachtviehmärkte für die verflossenen acht Monate Januar bis einschließlich August, die beweisen soll, daß eine Fleischnot nicht besteht. Dem gegenüber ist es angezeigt, daß ein großer Teil des Auftriebes für den Berliner Viehhof aus minderwertigem , nicht voll schlachtreifem Vieh bestanden hat, und daß jetzt regelmäßig aus der ganzen Umgegend von Berlin die Schlächter der kleinen Städte, wie z.B. Trebbin, Spandau, Oranienburg, Bernau, Mittenwalde, Zossen usw., ferner die Tausenden von Landschlächter, die früher ihren Bedarf bei den Landwirten direkt deckten, heute ihr Fleisch bei den Berliner Engrosschlächtern einkaufen. Diese Schlächter kauften vor einem Jahre noch ganze Tiere von den Landwirten, heute kaufen sie nur das allernotwendigste, d.h. einzelne Stücke, wie z.B. ein Rinderviertel u. Dgl. in Berlin, wie sie es gerade brauchen. Dadurch ist die Nachfrage ganz gewaltig gestiegen, denn es ist ein Unterschied, ob nur der Stadtkreis Berlin oder Berlin und die Provinz von Berlin aus versorgt werden muß. Hinzu kommt noch, daß mindestens ein Drittel des ganzen Auftriebes den Berliner Viehhof lebend verläßt, um nach anderen Städten verladen zu werden und nur zwei Drittel dem Berliner Schlachthof zugeführt wird. Daß eine große Fleischnot vorhanden ist, kommt in den Preißen deutlich zum Ausdruck. Nach den Nachweisen des kaiserlichen Statistischen Amtes über den auswärtigen Handel des deutschen Zollgebietes – also einer gewiß unanfechtbaren Quelle – kosteten im Januar/März 1900 die Schweine im Durchschnitt pro Doppelzentner 90 M. - und 1905 schon 117 M.. Seitdem sind die Preise in den letzten Monaten auf 130 M. Gestiegen. Ochsen wurden 1898 im Januar/März mit 100,9 M . bezahlt, 1905 kosteten sie schon 122 M. Im Januar und 137,60 M. Im Juli d. J. Es sind dies immer nur Durchschnittspreise. Kälber kosteten 1898 im Januar/März 133,6 M., in derselben Zeit 1905 schon 164,1 M. Und im Juli/August 1905 bereits mittlere Kälber 170 N. Mastlämmer stellten sich auf 109 M. Im Jahre 1898, 1905 schon auf 135 M. Die Preissteigerungen sind also sehr bedeutend und erstrecken sich nach den Angaben des Statisrtischen Amtes nicht nur auf Berlin. Sondern, soweit die Berichte vorliegen, auf München, Danzig, Köln, Hannover, Magdeburg, Frankfurt a./M., Leipzig, Dresden und Chemnitz i./S.“

 Vorwärts, 07.09.1905, S. 13
 3. September  Herbstversammlung des Bezirkes Brandenburg mit 250 Teilnehmern in Potsdam.
„Hatten nun wohl manche Kollegen gehofft, daß die Versammlung ebenso harmonisch ausklingen werde wie der Gesang, so sahen sie sich hierin arg getäuscht: der Bezirkstag stand unter einem ungünstigen Sterne, der an unserm „Bezirkshimmel“ vor dreieinhalb Jahren aufgegangen war, nicht weit von der großen Sonne Berlin. Zossen ist sein Name, der wohl auch vielen Kollegen außerhalb unseres Bezirks hinlänglich bekannt. Nun ist es zwar nicht der unschuldige Ort Z. An sich, der die gleiche Eigenschaft wie etwa ein am Himmel auftauchender Komet, dessen Erscheinen ja wohl Krieg in Aussicht stellt, haben soll, sondern die sich in demselben befindliche Deutsche Buch- und Kunstdruckerei. Was sich unsere Bezirksversammlungen und auch andere Instanzen schon mit diesem Geschäft befassen mußten, läßt sich kaum sagen. Nützliche Stunden sind unseren tagungen schon viele durch die Debatte darüber genommen, und man kann es keinem Kollegen verargen, wenn er verlangt, daß hiermit einmal Schluß gemacht werde. Durch die ausgedehnten debatten über Zossen war der Bezirkstag nicht in der Lage, ein vom Kollegen Kirchner [Vorsitzender des Gauvorstandes.- K.L.] freundlichst übernommenes Referat zu hören, es mußte der vorgeschrittenen Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt werden. Den Hauptinhalt der Diskussion bildeten Klagen über Ueberstunden und vor allem über schlechte Behandlung des Personals. Namentlich über letztern Umstand ist schon so oft geklagt worden, so daß es wohl endlich Zeit ist, hier einmal Klarheit zu schaffen; denn wenn derartige Klagen immer wieder und jedesmal von anderen Kollegen vorgebracht werden, so drängt sich einem schließlich die Ueberzeugung auf, daß sie Berechtigung haben. Wenn man auch zugeben will, daß viele Kollegen selbst Schuld haben und Anlaß zu einer derartigen Behandlung geben, so sind doch aber Schimpfworte – und es sollen nicht gerade die gelindesten gewesen sein – gegenüber Verbandsmitgliedern zu verurteilen. Doch hierüber wird ja in Bälde Aufklärung geschaffen und untersucht werden, wo Recht und wo Unrecht ist; bisher hat die Kollegenschaft immer nur den „Ankläger“ gehört, man muß nun also auch dem „Angeklagten“ ein Wort vergönnen.“
S. 3
„Herrschte nun bei den Berichten bis zu dem von Zossen Ruhe, so war diese dahin, als dieser Ort an die Reihe kam. Die Diskussion, die gewöhnlich zum Schlusse der Berichte über dieselben eröffnet wurde drehte sich nur um Zossen. Als wenn ein Teil der Kollegen durch dieses ominöse Zossen aus seiner Ruhe gebracht wurde, setzte hier ein Tumult ein, der eine genaue Berichterstattung unmöglich macht. Daß die Kollegen von Zossen über die schlechte Behandlung in der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei lebhaft Klage führten, ist ja eingangs erwähnt; ein genaueres Wiedergeben einzelner Fälle ist aber der großen Unruhe wegen nicht möglich und würde auch zu weit führen. Es wurde bei dieser Gelegenheit behauptet, daß die Geschäftsleitung der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei am Haupt-, Gau- und Bezirksvorstande einen Rückhalt habe. Hätten die Kollegen einmal irgendwelche Klagen gehabt und die genannten Vorstände zum Unterhandeln hinzugezogen, so seien immer nur beschwichtigende Worte gemacht worden, aber einen Beistand hätte man nicht gefunden. Die Kollegen Kirschner und Sendke [Bezirksvorsitzender. – K.L.] wiesen diese Behauptungen entschieden zurück, indem sie anführten, daß formulierte Beschwerden mit tatsächlichen Beschwerden noch nicht eingereicht worden seien; meistens brächten die Kollegen ihre Beschwerden erst dann vor, wenn sie in dem Geschäft nicht mehr angestellt waren, so daß sie als Zeugen schwer oder gar nicht mehr erreicht werden konnten. Wie sei es denn gewesen? Bei Konferenzen mit dem Direktor der deutschen Buch- 7und Kunstdruckerei hätten die als Kronzeugen mit hinzugezogenen Kollegen meistens Herrn W. (Geschäftsführer der DBK, Wagner. – K.L.] Recht geben müssen, so daß man abzog wie ein begossener Pudel, denn der Herr Direktor hielt der Kommission immer gerade das entgegen, was sich einzelne Kollegen in seinem Geschäft zu schulden kommen ließen. Schließlich vergeht einem da die Lust zum Unterhandeln. Es solle natürlich nicht behauptet werden, daß die Kollegen sämtliche Schuld trügen, aber man müsse doch den ungläubigen Instanzen sichere Beweise liefern. Haupt-, Gau- und Bezirksvorstand hätten durchaus keine Ursache, Herrn W. Die Brücke zu halten, aber die Pflicht hätten sie doch, eine Druckerei, in der etwa 100 Kollegen ihr Brot hätten, so lange wie angängig für Verbandsmitglieder offen zu halten. Ueber das in Zossen herrschende Ueberstundenunwesen wurde gleichfalls lebhaft debatiert. Z. B. betruegen die Ueberstunden in der Woche vom 25. bis 31. August 962 bei einer Beteiligung von 85 Mann. Es wurden gemacht: im Setzmaschinensaale bei 17 Maschinen (einschließlich Metteur und Korrektor) 67 Stunden von 12 Mann, im Maschinensaale 495 Stunden von 23, Handsetzersaale 329 von 47 und Stereotypie 71 Stunden von 3 Mann. Ein Kollege stellte fest, daß der Berliner Bericht bezüglich der Ueberstunden an den Setzmaschinen in Zossen stark übertreibe, wie ja auch ein Vergleich mit den vorstehenden Zahlen ergibt. Festgestellt wurde noch, daß von verschiedenen Kollegen auf Ueberarbeit „geschoben“ werde. Auch bei diesem Ueberstundenunwesen wurden dem Vorstande Vorwürfe gemacht, daß er nicht schon längst dagegen eingeschritten sei; doch wurde dem entgegengehalten, daß dies in erster Linie Sache des Zossener Ortsvereins sei. Dem Vorstande war übrigens davon nichts bekannt, erst ein Schreiben vom 28. August machte davon Meldung. Die Debatte über Zossen kam erst dann zu Ende, als ein Antrag auf Schluß derselben angenommen wurde; wir säßen am Ende sonst heute noch in Potsdam. Beschlossen wurde in dieser Sache, daß der Zossener Vorstand in nächster Zeit eine Ortsvereinsversammlung einberufen möge, zu der der Haupt, – Gau- und Bezirksvorstand eingeladen werden soll.“
 Correspondent, 16.09.1905, S. 2f.
 9. September  Die Zahlstelle Zossen gehört zum 15. Gau des Tabakarbeiterverbandes.
Bevollmächtigter ist Otto Rackow, Berliner Str. 4. Arbeitslosenunterstützung gibt es nur für Mitglieder, die am Ort in Arbeit treten.
 Tabak-Arbeiter, 10.09.1905, Adressverzeichnis, S. 8
Tabak-Arbeiter, 29.10.1905, S. 3
 11. September  Das gesamte Personal der DKB tritt in den Ausstand. Gründe sind die Behandlung des Personals im allgemeinen und Beleidigung einer Vertrauensperson (Maschinenmeister). Nachdem die Beleidigungen und Entlassungen zurückgenommen waren, wurde am folgenden Tag die Arbeit wieder aufgenommen. Die Einstellung der Arbeit erfolgte einmütig, selbst alle jugendlichen und nichtorganisierten Arbeiter legten die Arbeit nieder.  Solidarität, 07.10.1905, Beilage, S. 1
   

„Zossen. In Nr. 101 des „Corr.“ befindet sich ein Bericht über eine am 16. August d. J. abgehaltene Versammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, welche sich auch mit unserer Druckerei beschäftigte. Da die in der Versammlung gemachten Ausführungen nicht den Tatsachen entsprechen, bitten wir um Aufnahme nachstehender Zeilen: Zum ersten Falle bemerken wir, daß die in Frage kommende Berliner Firma auf eine von uns am 23. August abgegebene Offerte am 29. August erwiderte, daß sie von unserer Offerte keinen Gebrauch machen könne und sich andernwärts umtun wolle. Es konnte also am 16. August niemand von einer erst am 23. August von uns gemachten Offerte Kenntnis haben. Soviel wir in Erfahrung gebracht haben, ist die ganze Sache auf eine Redensart des Faktors der betreffenden Firma zurückzuführen. Ferner sind wir seit Jahren nicht in die Verlegenheit geraten, einen russischen Setzer zu suchen, da wir auf Arbeiten in russischer Sprache so gut wie gar nicht eingerichtet sind, und wir für die wenigen Arbeiten in russischer Sprache uns ein seit mehreren Jahren bei uns beschäftigter russischer Setzer zur Verfügung steht. Auch würden wir nie und nimmer einer andern Firma zumuten, für uns Personal zu suchen, und glauben auch kaum, daß sich eine andere Firma dazu hergeben würde. Aehnlich verhält es sich mit der Behauptung, daß an jeder unserer Setzmaschinen 15 Ueberstunden gemacht werden. In dem Berichte ist freilich nicht gesagt, in welcher Zeit diese gemacht sein sollen, ein jeder Leser wird aber annehmen, daß die genannte Anzahl Stunden pro Woche gemacht worden ist. Tatsache ist, daß vom 1. Januar 1905 bis 31. August in Summa 186 Ueberstunden gemacht worden sind, also pro Woche und Maschine noch nicht eine halbe Stunde. Zur Beruhigung für den Redner, welcher der Meinung Ausdruck gab, daß unsre Druckerei ein Aktienunternehmen Berliner Buchdruckereibesitzer sei, wollen wir verraten, daß dies nicht der Fall ist, Wohl aber sind mehrere Verleger und einige Großindustrielle bei uns beteiligt, welche aber zum größten Teile ihre Arbeiten in Berlin herstellen lassen, da unsere Preise denselben nicht konvenieren.

Deutsche Buch- und Kunstdruckerei
(Gesellschaft mit beschränkter Haftung): Wagner“

 Correspondent, 16.09.1905, S. 6
   Auf der Mitgliederversammlung des Ortsvereins der SPD wird mitgeteilt, dass nunmehr auch die Gastwirte Richter (Gasthof zu den 7 Linden) und Hansche (Gasthof zur Eiche) den „Vorwärts“ auslegen. Thema des Referats waren „Religionsgeschichtliche Streifzüge“  Vorwärts, 03.10.1905, S. 13
   „Zossen. Bekanntmachung.
In unser Handelsregister ist heute in Abteilung A unter Nummer 32 die offene Handelsgesellschaft Müller u. Wißmann Zossen, mit dem Niederlassungsorte Zossen und als deren Inhaber: Fabrikbesitzer Paul Buchholz, Zossen, Fabrikbesitzer Friedrich Zschauer, Weißensee b. Berlin neu eingetragen worden.
Die Gesellschaft hat am 1. Januar 1900 begonnen und ihr Sitz ist vom 1. Oktober 1905 ab nach Zossen von Weißensee bei Berlin verlegt worden.
Zur Vertretung der Gesellschaft ist ein Gesellschafter ermächtigt.
Zossen, den 21. November 1905
Königliches Amtsgericht.“
Am 11. September 1908 wird die Firma in eine GmbH mit einem Stammkapital von 100000 Mark umgewandelt. Geschäftsführer sind Hermann Zschauer, Kaufmann in Weißensee bei Berlin, und Paul Buchholz, Kaufmann in Zossen. Gegenstand des Unternehmens ist das bereits bisher in Zossen betriebene Fabrikgeschäft sowie allgemein die Herstellung und der Verkauf von hauswirtschaftlichen Maschinen, Geräten, Eißenkunstgusswaren und damit verbundener anderweitiger Geschäfte. Am 10. Oktober 1908 verbleibt Hermann Zschauer als alleiniger Geschäftsführer.
Nach dem Tode Hermann Tschauers 1916 wird dessen Sohn, Paul Tschauer, Inhaber der Firma. 1928 wir sie von Amtswegen aus dem Handelsregister gelöscht.
 Reichsanzeiger, Nr. 283/1905, S. 21
Reichsanzeiger, Nr. 224/1908, S. 12
Reichsanzeiger, Nr. 248/1908, S. 17
Reichsanzeiger, Nr. 34/1928, S. 12
 1. Oktober bis 31. Dezember  Abrechnung des Ortsvereins der Buchdruckerhilfsarbeiter und -Arbeiterinnen: 10 männliche und 12 weibliche Mitglieder; eine Frau 18 Tage arbeitslos, ein Mann 18 Tage krank; Einnahmen 72,70 Mark, Ausgaben 14,55 Mark.  Solidarität, 27.01.1906
   Der Vorsitzende des Zossener Maschinenmeistervereins ist R. Pätzold, Berlinerstr. 5; Kassierer ist A. Pietsch.  Correspondent, 03.10.1905, S. 7
 15. Oktober  Gautag des Odergaues des Verbandes deutscher Buchdrucker und Schriftgießer in Stettin.
Es nahmen 45 Delegierte teil.
Es „gab hierauf Kollege Zipler-Zossen als Gast eine Schilderung der dortigen Verhältnisse. Es würde zu weit führen, diese Ausführungen hier wieder zu geben. Nach langer Debatte wurde von allen Rednern dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß jedes Mitglied im Geschäft seine Schuldigkeit tun und sich auch sonst mit seinem Verhalten so einrichten möge, daß dasselbe zu berechtigten Repressalien keinen Anlaß gebe. Man müsse sich die Achtung der Arbeitgeber erst erringen und dann werden sich auch Mittel und Wege finden, die Uebergriffe der andern Seite abzuwehren; das gelte aber nicht nur für Zossen.“
Die Kommission zur Neuaufteilung des Odergaues „empfahl den seitens des Gauvorstandes vorgelegten Plan mit einigen unbedeutenden Abänderungen...“ Der Odergau besteht nunmehr aus zwölf Bezirken: Stettin, Stettin-Land, Stralsund, Neu-Ruppin, Brandenburg, Cottbus, Eberswalde, Frankfurt a. =., Köslin, Potsdam. Spandau und Zossen. „In der Debatte wurde hervorgehoben, daß den Zossener Kollegen hierdurch ein Vertrauen entgegengebracht werde, dessen sie sich nun auch würdig zeigen möchten, was die anwesenden Zossener versprachen.“
 Correspondent, 28.10.1905, S. 4
 25. Oktober In der letzten ordentlichen Generalversammlung wurden zunächst zehn Mitglieder aufgenommen und dann der Kassenbericht gegeben. Den Einnahmen von 54,88 M. stehen 38,79 M. Ausgabe gegenüber, so daß ein Kassenbestand von 15,79 M. verbleibt. Dann erstattete der Vorsitzende den Bericht für das vergangene Geschäftsjahr; er schloß mit einem Appell, sich immer fester zusammenzuschließen. Gerügt wurde die schwache Beteiligung an der Flugblatt-Verbreitung. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, außer dem 2. Vorsitzenden, der nicht anwesend war. Es fungieren: Rakow als 1. Vorsitzender, Vogt als Beisitzer, Saupe als Kassierer und Maurer als Schriftführer. Zum 2. Vorsitzenden wurde Genosse Greulich gewählt. Die Stadtverordneten-Wahl betreffend, wurde der Vorstand beauftragt, sich nach einem geeigneten Kandidaten umzusehen und in der in Kürze stattfindenden Wählerversammlung bekannt zu geben.“  Vorwärts, 07.11.1905, S. 13
 26. Oktober  Mitgliederversammlung der örtlichen Zahlstelle der Tabakarbeiter- und Arbeiterinnen Deutschlands. Quartalsrechnung: 49,20 Mark Einnahmen, 52,48 Mark Bestand aus vorigem Quartal, Gesamteinnahmen 101,68 Mark. Ausgaben 61,40 Mark. Bestand drittes Quartal: 40,28 Mark. Zum 2. Bevollmächtigten wird Kollege Lisseck gewählt, zum Kontrolleur Kollege Freiwald . Kollegen werden aufgerufen nur das Schincksche Lokal zu besuchen, das einzige, welches den Tabakarbeitern offensteht.  Tabak-Arbeiter, 19.11.1905, S. 3
 15. November  Unsere Genossen beteiligten sich zum erstenmal am Mittwoch an der Stadtverordnetenwahl. Es waren in der 3. Abteilung 2 Vertreter zu wählen. Trotz der für Arbeiter ungelegenen Wahlzeit, von mittags 11 bis ½ 2 Uhr nachmittags, brachten wir unsere Kandidaten, Genosse Gustav Schulz und Hans Lies auf je 43 Stimmen. Von den bürgerlichen Kandidaten erhielten Kaufmann Knöfeldt 104 und Malermeister Firk 96 Stimmen. 30 Stimmen waren zersplittert. Wir konnten konstatieren, daß die Wahlbeteiligung in bezug auf die vor 2 Jahren stattgefundene Stadtverordnetenwahl sich verdoppelt hatte. Noch gegen ¾ 1 Uhr war Stimmengleichheit, man erblickte die rote Gefahr. Es wurden nun Schleppmannschaften der bürgerlichen Partei mit Unterstützung der hiesigen Polizei requiriert, was auch Erfolg hatte. Freibier und andere „Gefälligkeiten“ spielten eine große Rolle. Haben wir auch kein Mandat erobert, so hoffen wir zuversichtlich, unsere gewonnenen Positionen nicht nur zu behaupten , sondern werden alles daran setzen, neues Terrain zu erobern. Wenn wir in zwei Jahren wieder in den Wahlkampf gehen, so hoffen wir, daß dann das „rote Gespenst“ in das Zossener Parlament einzieht.“  Vorwärts, 21.11.1905, Beilage „Vorort“, S. 13
 28. November  „In der am Donnerstag, den 28. November, abgehaltenen Monatsversammlung erstattete Genosse H. Schulz einen eingehenden Bericht über die letzte Kreis-Generalversammlung in Rixdorf. Unter anderm streifte er auch den „Vorwärts“_Konflikt, der eine sehr lebhafte Debatte hervorrief. Im Verlauf der Debatte brachte Dornbusch eine Resolution ein, in der es heißt: - daß die heutige Monatsversammlung sich mit der Resolution Zubeil-Südekum einverstanden erklärt. Diese Resolution wird gegen 3 Stimmen abgelehnt. Des weiteren wurde ein Antrag an die Stadtverordneten, umgehend zu der Fleischverteuerung Stellung zu nehmen, einstimmig angenommen. An Stelle des verzogenen Genossen Murrer, wurde Genosse Spalthoff zum Schriftführer gewählt. Zur Kreis-Generalversammlung wurde Genosse H. Schulz delegiert. Nachdem noch Genosse Rakow auf das Ergebnis der letzten Stadtverordnetenwahlen hingewiesen und ferner zum Abonnement auf den „Vorwärts“ aufgefordert hatte, erfolgte Schluß der leider recht schwach besuchten Versammlung.“  Vorwärts, 28.11.1905, Beilage „Vorort“, S. 15
29. November Die Zossener Gewerkschaften berufen auf Mittwoch, den 29. November, abends 8 Uhr, bei Schimke eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung ein. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Die Bedeutung des Gewerkschaftskartells. Referent: Brunner-Berlin. 2. Verschiedenes. Vorwärts, 28.11.1905, Beilage „Vorort“, S. 15
  „Zossen. Da hier am Orte Differenzen bestehen, bitten wir, den Zuzug strengstens fernzuhalten. Gleichfalls ersuchen wir die umliegenden Zahlstellen, die durchreisenden Kollegen darauf aufmerksam zu machen.
Otto Rackow, 1. Be.“
Tabak-Arbeiter, 17.12.1905, S. 5
  Beendigung der Lohndifferenzen der Tabakarbeiter in Zossen. Tabak-Arbeiter, 24.12.1905, S. 2
 31. Dezember  Der Ortsverein der Maurer hat 156 Mitglieder.  Grundstein, 28.04.1906, S. 4

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