1906

 

 

Datum Ereignis Quelle
 1. Januar  Im Odergau des Verbandes Deutscher Buchdrucker und Schriftgießer wird der Bezirk Zossen gebildet.
Vorsitzender des Bezirksvereins ist P. Mehrle, Chausseestraße 27; Kassierer A. Zipler, Neuendorfer Chaussee.
 Correspondent, 30.11.1905, S. 5.
Korrespondent, 18.01.1906, S. 5
   Das gesamte Hilfspersonal der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei zu Zossen trat am Dienstag früh in den Ausstand. Der Anlaß war eine winzige Forderung. Vor 1 ¼ Jahren wurde folgende Vereinbarung mit der Geschäftsleitung getroffen.: Arbeiterinnen unter 16 Jahren erhalten einen Wochenlohn von 5 Mark, über 16 Jahren 6 Mark Anfangslohn, dieser Lohn steigt von Vierteljahr zu Vierteljahr um 50 Pf. und erreicht eine Höhe von 8, 12 und 14 Mark. Die Vereinbarung wurde jetzt von der Geschäftsleitung ignoriert unter der Begründung, daß diese Beamtenstaffel der Faulheit einzelner Personen Vorschub leiste. Die Forderung des Hilfspersonals lautet auf Anerkennung der früheren Vereinbarung und eine neunstündige Arbeitszeit für das gesamte Personal. Bisher mußten einzelne Leute zehn Stunden arbeiten bei Löhnen von 18-21 M. Die Verhandlungen zogen sich eine Woche lang hin, die endliche Antwort der Geschäftsleitung war, daß zehn Mitglieder des Hilfspersonals aussetzen mußten, wahrscheinlich aus Dank für die Tätigkeit, die dieselben während des flotten Geschäftsganges an Überstunden geleistet haben. Da dem Personal keine zusagende Erklärung gegeben wurde, war dasselbe gezwungen, die Arbeit niederzulegen. - Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten.  Vorwärts, 17.01.1906, S. 4
 19. Januar  „Zossen. Am 19. d. Mts. Hielten die Einzelmitglieder Zossens ihre regelmäßige Monatsversammlung ab. Kollege Wulf erklärte, daß er leider seinen Posten niederlegen müsse, da er aus dem gebaren des Geschäftsführers vernommen habe, daß er wohl bald „fliegen“ müsse. Nachdem noch einige Mitglieder ihre Entrüstung über die Handlungsweise seitens des Geschäftsführers ausgesprochen hatten, wurde Becher zum Vertrauensmann gewählt. Sodann wurde der Streik der Hilfsarbeiter erwähnt und beschlossen, jede Streikarbeit zu verweigern. Da unser mit der Geschäftsleitung abgeschlossener Vertrag demnächst abläuft, so beschäftigte sich die Versammlung mit dieser Sache und stellte folgende Lohnsätze auf: Gehilfen 24 Mk. Minimallohn; Arbeiterinnen unter 16 Jahre im ersten halben Jahre 5 Mk., nachdem 6 Mk., über 16 Jahre 2 Mk. Erhöhung, ferner für alle Mädchen vierteljährlich 50 Pf. Zulage. Beschlossen wurde, den Gauvorstand zu beauftragen, einen Vertrag auszuarbeiten.“  Buchbinder-Zeitung, 27.01.1906, S. 31
   Das Hilfspersonal der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei in Zossen ist ausständig geworden. Die Firma hielt eine bezüglich der Entlohnung der Hilfsarbeiterinnen vereinbarte Staffel nicht ein, gab auch auf die Forderung, für das gesamte Hilfspersonal die neunstündige Arbeitszeit einzuführen, keine Antwort. Als nun das Ansinnen gestellt wurde, 10 Hilfsarbeiter sollten aussetzen, erfolgte die Arbeitsniederlegung des übrigen Hilfspersonals.  Korrespondent, 20.01.1906, S. 5
 21. Januar  Protestversammlungen in Berlin, Niederbarnim und Teltow-Beeskow-Charlottenburg „Gegen Volksentrechtung und Volksknechtung“ in Zossen bei Schimke kann nicht stattfinden, weil Schimke sein Lokal verweigert.  Vorwärts, 20.01.1906, S. 7
Vorwärts, 07.02.1906, S. 13
 24. Januar  Situation der SPD in Zossen
„Unsere für den 24. Januar einberufene Wahlvereinsversammlung verfiel infolge verspäteter Eröffnung derselben der polizeilichen Auflösung. Wie sehr aber dieses Versehen des Vorstandes infolge der polizeilichen Aufmerksamkeit für uns agitiert hat, bewiesen die 8 Neuaufnahmen, welche in der am 31. Januar abgehaltenen Versammlung vollzogen wurden. Trotz aller Schwierigkeiten und Schikanen, gegen welche wir hier zu kämpfen haben, ist die Mitgliederzahl nunmehr auf 92 gestiegen. Das zwar langsame, aber stete Wachsen unseres Wahlvereins hier am Orte ist den Bürgerlichen höchst unbequem, und es wird alles versucht, uns in unserem Vorwärtsstreben zu behindern. Hier nur ein Beispiel: Zum Schluß des vergangenen Jahres wurde uns der einzige zur Verfügung stehende Saal vom Wirt Schimke gekündigt. Unsere über dieses Lokal verhängte Sperre hat den Wirt aber schnell belehrt, daß Arbeitergroschen doch besser sind als unerfüllbare Versprechungen anderer Leute. Wie der Vorsitzende in der letzten Versammlung mitteilte, hat uns der Wirt das Lokal nebst Saal wiederum zur Verfügung gestellt. Der Saal soll durch eine öffentliche Demonstrationsversammlung gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht gleichsam aufs neue eingeweiht werden, um so nachzuholen, was uns in Ermangelung eines Saales am 21. Januar nicht möglich war. Für unsere Versammlungen stellte uns während unserer „Obdachlosigkeit“ der Wirt des Restaurants „Zur Flora“ in Nächst-Neuendorf, Herr Karl, seine Räumlichkeiten bereitwilligst zur Verfügung, wofür ihm seitens der Genossen allseitig Anerkennung ausgesprochen wurde. Ferner ist noch hervorzuheben, daß Zossen zum Zwecke der wirksamen Agitation in vier Bezirke eingeteilt wurde, welchen die Genossen Zibell, Lehmann, Schulz und Dornbusch als Bezirksführer vorstehen. Für Dabendorf übernahm Genosse Engler freiwillig das Amt des Bezirksführers. Die Genossen W. Blümke, Hilfsarbeiter und W. Schulz, Zimmermann, mußten wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen werden."
 Vorwärts, 07.02.1906, S. 13
 4. Februar  Öffentliche Volksversammlung „Gegen das Landtagswahlrecht“ bei Schimke.  Vorwärts, 02.02.1906, S. 13
   Der 1. Bevollmächtigte der Zahlstelle der Tabakarbeiter in Zossen ist Friedrich Freiwald, Fischerstraße 125  Der Tabak-Arbeiter, 04.02.1906, S. 3
   „Zossen. Der Setzer Franz Mieth, die Drucker Wilhekm Rudolph und Alois Stattberger werden ersucht, die der hiesigen Bibliothek entliehenen Bücher umgehend zurückzugeben. Die Herren Vertrauensleute werden gebeten, die Genannten auf diese Notiz aufmerksam zu machen.“  Korrespondent, 08.02.1906, S. 6
 21. Februar  In der Wahlvereinsversammlung werden die Genossen Tausendfreund und Roßberg als Delegierte zur Generalversammlung des Wahlvereins Teltow-Beeskow-Charlottenburg gewählt. Am 18. März soll aus Anlaß des dreijährigen Bestehend des SPD-Ortsvereins ein Stiftungsfest gefeiert werden. Genosse Rackow wünscht stärkere Agitation unter Frauen. Das Mitglied Schmiedendorf wird ausgeschlossen wegen Handlungen die mit den Anschauungen seiner Genossen nicht vereinbar sind. Die Bibliothek des Ortsverein soll stärker genutzt werden.  Vorwärts, 01.03.1906 , S. 16
 11. März  In Zossen findet eine Flugblattaktion der SPD statt.  Vorwärts, 10.02.1906, S. 15
   In Zossen wurden in der letzten Versammlung des Ortsvereins der SPD 12 Personen aufgenommen.  Vorwärts, 13.03.1906, S. 11
 

18. März

  
 Volksversammlung „für Männer und Frauen“ im Lokal Schimke. Thema: „Über die Revolution 1848“. Referent ist Genosse Ucko. An der Versammlung nahen 250 Personen teil.   Vorwärts, 16.03.1906, S. 13
Vorwärts, 20.03.1906, S. 11
 25. März  Der Berliner Arbeiter-Radfahrer-Verein führt eine Fahrradtour nach Zossen durch.  Vorwärts, 23.03.1906, S. 7
   „In der letzten sehr gut besuchten Mitgliederversammlung erstattete Genosse Rohsberg den Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Für den 1. Mai beschloß man, nachmittags 1 Uhr eine öffentliche Versammlung bei Schimke einzuberufen und um ½ 4 Uhr einen Ausflug nach Endes See und Waldschloß in Neu-Dabendorf zu unternehmen. Anstelle des von seinem Posten als Bezirksführer zurücktretenden Genossen Zibell wurde Genosse Stellmacher gewählt. Der vom Vorstand bisher nur provisorisch eingesetzte Genosse Eisenhauer als Lokalkommissionsmitglied wurde von der Versammlung einstimmig bestätigt. Genosse Rackow brachte unter Verschiedenes noch Miserable Zustände des hiesigen Herbergswesens zur Sprache, worauf die Versammlung den Beschluß faßte, durch Eingabe einer Petition bei der Behörde auf Beseitigung derselben hinzuwirken.“  Vorwärts, 27.03.1906, S. 15
   „In Zossen, wo wir in der dortigen Kunst- und Buchdruckerei zwölf Mitglieder haben, sind die Lohnverhältnisse, nicht ohne Schuld der dort Beschäftigten, ungünstiger geworden. Es muß unsere nächste Aufgabe sein, die seinerzeit anerkannten Forderungen, welche sich an die Berliner Abmachungen anlehnten, wieder zur Geltung zu bringen.“  Buchbinder-Zeitung, 21.04.1906, S. 125
 1. Mai  „Die von den Zossener Genossen zum erstenmal anberaumte Maifeier verlief in großartiger Weise. Vor zirka 200 Personen hielt Genosse Dr. Rosenberg ein wirkungsvolles Referat.“
„In Zossen prangte an dem äußersten Zweig einer Pappel vor der Kirche eine rote Fahne mit der Inschrift: „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“. Nach einiger Kletterübung der Polizei war das gefährliche Instrument verhaftet."
 Vorwärts, 03.05.1906, S. 6
   Der Ortsverein Zossen der SPD hat 120 Mitglieder. Die Einnahmen betragen 81 Mark, die Ausgaben 57,07 Mark. Die Nächste Mitgliederversammlung widmet sich dem Thema „Die politische Lage Deutschlands“.  Vorwärts, 04.05.1906, S. 10
   Die Portland-Zementfirma Guttmann u. Jeserich hat 15 Streikbrecher in Zossen anzuwerben versucht.   Vorwärts, 10.05.1906, S. 4
   „Den streikenden Lagerarbeitern der Portland-Zementfabrik Guttmann u. Jeserich ist es gestern früh gelungen, die 15 aus Zossen angeworbenen Arbeitswilligen von der weiteren Arbeit bei dieser Firma abzuhalten. Die Arbeitswilligen wurden nämlich am Mittwoch unter Bedeckung von Schutzleuten zur Arbeit geführt und am Abend in derselben Weise wieder nach dem Potsdamer Bahnhof begleitet. Unter diesen Umständen war es schwer, die Leute über den Streik aufklären zu können. Einige von den Streikenden entschlossen sich kurzerhand, denselben Abend nach Zossen zu fahren und dort am Donnerstag früh den Arbeitern am Bahnhof vor der Abfahrt nach Berlin über die Ursache des Streiks Aufklärung zu geben. Mit Unterstützung der dortigen Parteigenossen ist es gelungen, die Arbeiter von der weiteren Arbeit in Berlin fernzuhalten. Der Streik übet weiter seine Wirkung aus. Der Neuchateler Asphalt-Compagnie mangelt es an Zement bei dem Straßenbau. Deshalb erteilte diese Gesellschaft am Donnerstag früh 6 Uhr 20 ihrer Arbeiter Auftrag, den fehlenden Zement in der Rungestraße vom Kahn per Fuhrwerk abzuholen. Dieses Ansinnen lehneten die Arbeiter einmütig ab. Mithin ist der Stand des Streiks ein sehr günstiger. Wir bitten die Arbeiterschaft um ihre weitere Unterstützung.
Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter.“
 Vorwärts, 11.05.1906, S. 4
   Die Direktion von Guttmann und Jeserich ließ am Donnerstag durch den Kolonnenführer Krause aus Zossen 20 Arbeiter von Zossen mit dem Motorboot in die Rungestraße bringen, weil ihm der Weg per Bahn zu unsicher war. Diese Arbeitswilligen bekommen 6 Mark am Tag bei freier Beköstigung und Unterbringung auf Strohschütten im Zementschuppen auf dem Lagerplatz. Die alten Arbeiter erhielten 45 Pf. pro Stunde.  Vorwärts, 13.05.1906, S. 4
   „Zum Streik in der Portland-Zementfabrik von Guthmann u. Jeserich: Die Firma behütet ihre Arbeitswilligen wie die Augäpfel; Polizei und Gendarmen helfen ihr dabei. Am Sonnabend wurden die aus Zossen herbeigeholten russisch-polnischen Arbeiter vom Lagerplatz in der Rungestraße per Motorboot nach Treptow befördert, von dort ging es mit der Ringbahn nach der General Papestraße und dann nach Zossen. Diese Arbeitswilligen haben nämlich ihre Familien in der Zossener Fabrikkaserne und sind kontraktlich für den ganzen Sommer verpflichtet. Als die Streikenden am Sonntag durch Dolmetscher mit ihnen sprachen, sagten sie, sie müßten ja arbeiten, sonst würden sie ausgewiesen. Am Sonntagnachmittag wurden die Ärmsten dann unter Gendarmeriebegleitung per Wagen über Mittenwalde nach Königswusterhausen transportiert und erst auf diesem gewaltigen Umwege kamen sie wieder nach der Rungestraße. Alles das aus Besorgnis vor den Streikposten, damit diese dem Unternehmer die Polen und Russen nicht abspenstig machen. In der Rungestraße und auch in der Charlottenburger Filiale des Werks werden die lieben Arbeitswilligen von Polizisten zu Wasser und zu Lande, zu Fuß und zu Pferde, heimlichen und unheimlichen, sorgfältigst bewacht.“  Vorwärts, 17.05.1906, S. 4
 10. Mai  Mitgliederversammlung der Tabakarbeiter. Im Restaurant „Flora“. Die Abrechnung vom ersten Quartal ergab 89,71 Mark Einnahmen und 40,10 Mark Ausgaben. Die Gründung einer Lokalkasse mit je 15 Pf. Beitrag pro Monat wurde beschlossen. Als Delegierte zum Zossener Gewerkschaftskartell wurden die Kollegen Rakow und Hoffmann gewählt. Über die Maifeier berichtete Kollege Freiwaldt, daß jede Gewerkschaft ein Defizit von 55 Pf. zu tragen hätte.  Der Tabak-Arbeiter, 03.06.1906, S. 6
 13. Mai  Der Maschinenmeisterverein Zossen begeht den ersten Jahrestag seiner Gründung im Wald- und Seeschloß „Dabendorf“ u.a. mit Maschinenmeistern aus Berlin. Der Zossener Verein zählt 10 bis 12 Mitglieder.  Korrespondent, 31.05.1906, S. 4
 15. Mai  Im Rahmen von 43 Volks-Versammlungen in Groß-Berlin gegen den Entwurf des Preußischen Schulgesetzes fand auch in Zossen eine Veranstaltung bei A. Schimke, Barutherstraße 51 statt. Daran nahmen 300 Personen, darunter viele Frauen teil. Die Ausführungen des Referenten Fendel wurden mit großem Beifall aufgenommen. Als Gegner sprach Lehrer Löhr. Die Resolution gegen die Vorlage wurde einstimmig angenommen.  Vorwärts, 15.05.1906, S. 7
Vorwärts, 17.05.1906, S. 12
 31. Mai  Im Parteilokal bei Schimke findet eine öffentliche Volksversammlung statt. Thema: Zweck und Nutzen der Gewerkschaft.  Vorwärts, 27.05.1906, S. 21
   „Zossen. Der Setzer Willy Bonitz aus Burg bei Magdeburg, geboren am 27. April 1885 (Hptb-Nr. 33351), wird hierdurch aufgefordert, sich sofort mit dem hiesigen kassierer in Verbindung zu setzen, widrigenfalls Ausschluß beantragt wird. Desgleichen wird der Setzer Richard Schierig (Hptb.-Nr. 56341) aufgefordert, daß der hieseigen Bibliothek entliehene Buchsofort nach hier zu senden. Die verehrlichen Funktionäre werden ersucht, die Betreffenden hierauf aufmerksam zu machen.“  Korrespondent, 14.06.1906, S. 5
   Zwei von drei im Odergau in Betrieb befindlichen Monotypesetzmaschinen stehen in der DBK in Zossen  Korrespondent, 19.06.1906, S. 2
  Abschluß der Lohnbewegung bei den Zimmerern in Zossen. Eine Aufbesserung des Lohnes von 47 auf 50 Pf. ist seit dem 1. April erfolgt, noch bevor eigentlich die Forderung den Arbeitgebern zugestellt war. Der Zimmerer, 30.06.1906, S. 4
  Meldung zur Austrittskampagne aus der Evangelischen Landeskirche. Begründung und Verfahrenshinweise. Vorwärts, 22.07.1906, S. 13
  „Zossen. „ Zeit- und Streitfragen“ lautete das Thema, welches in einer öffentlichen Gewerkvereinsversammlung auf der Tagesordnung stand. Durch diese Versammlung hofften die armen Gewerkvereinler jedenfalls, ihren gräßlich in den Dreck geratenen Vereinskarren wieder flott zu machen. Daß aber gerade das Umgekehrte eintrat, zeigte der ganze Verlauf der Versammlung. Zur Leitung der Versammlung hatten sich die Gewerkvereinler das Bureau gleich mitgebracht, was der Grund wurde zu einer erregten Geschäftsordnungsdebatte. Nachdem sich die zahlreich erschienenen Kollegen der freien Gewerkschaften mit dem rigorosen Verhalten der Leitung, um ein Scheitern der Versammlung nicht von vornherein stattfinden zu lassen, abgefunden hatten, und nachdem der Vorsitzende unter dem Gelächter der Versammlung duie Drohung fallen ließ, jeden Ruhestörer an die frische Luft befördern zu wollen, konnte endlich in die Tagesordnung eingetreten werden. Herr Neustedt-Berlin behandelte obiges Thema in ungefähr 1 1/1 stündiger Rede, wobei jedoch nichts Interessantes oder Wissenswertes weiter vorgebracht wurde. In den Versammlungsanzeigen waren die freien Gewerkschaften besonders eingeladen und ihnen freie Diskussion zugesichert worden. Um so größer war daher die Verwunderung, als vor Eintruitt in die Diskussion ohne weiteres vom Vorsitzenden eine Redezeit von 30 Minuten festgesetzt wurde, was selbstverständlich wieder eine große Mißstimmung unter den Erschienenen hervorrufen mußte. Nachj längerer Debatte und nachdem der Referent betont hatte, daß jeder einigermaßen Geschulte in 30 Minuten imstande sein müßte, das Gehörte zu widerlegen, wurde auf Beschluss der Versammlung eine unbegrenzte Redezeit festgesetzt. Als erster Diskussionsredner ließ sich ein Herr Schuhmacher vom Gewerkverein der Maschinenbauer hören, welcher in seiner 5/4 stündigen Rede über alles mögliche sprach, wobei er es selbstverstänlich an Anremplungen der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie nicht fehelen ließ. So lange die beiden Redner der Gewerkvereine sprachen, herrschte in der Versammlung, abgesehen von den Störungen, welche vom Vorstandstisch kamen und an welchem inzwischen durch Zufuhr anregender Mittel für die noch folgende Diskussion vorgesehen wurde, leidliche Ruhe. Als jedoch Kollege Sickfeld-Berlin sich daran machte, die Argumente der beiden Vorredner unbarmherzig zu zerpflücken, war’s mit der Ruhe vorbei, was die Bildung der Gewerkvereinler, zu welcher sie nach Aussage ihres Referenten in ihren Mitgliederversammlungen erzogen würden, in geradezu bengalischer Beleuchtung erschienen ließ. Unser Kollege widerlegte Punkt für Punkt die Ausführungen der beiden Vorredner und rückte die Heldentaten des Gewerkvereins, welche derselbe in letzter Zeit bekanntlich in Menge verbrochen hat, ins rechte Licht. Als dann der Leib-Clowm der hiesigen Gewerkvereinler, der abgesägte Vorsitzende, ein hauptsächlich Berliner Kollegen bekannter Herr, das Wort ergriff und in an Wahnsinn genzendem Gebrüll die hiesigen Kollegen auf den rechten Weg zu weisen versuchte, hielten es die freien Gewerkschaftler mit ihrer Würde nicht mehr vereinbar, diese jämmerlichen Tiraden lange anzuhören, und verließen allesamt das Versammlungslokal, in welchem, die Referenten mitgerechnet, ganze achtzehn Mann vom Gewerkverein verblieben. Die Herren vom Gewerkverein haben mit dieser Versammlung wieder einmal bewiesen, daß es nicht gut ist, anders gesinnten Kollegen Terrorismus und dergleichen vorzuwerfen, wenn man selbst nicht frei von diesem Fehler ist, was ja dieser Abend gezeigt hat, und daß der Satz, welchen der Refent Neustedt aussprach: Man soll nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt, am besten auf den Gewerkverein paßt. Wir Kollegen vom Holzarbeiterverband können mit dem Resultat dieser Versammlung vollständig zufrieden sein, denn die Früchte derselben zeigen sich in dem massenhaften Austritt der Kollegen aus dem Gewerkverein und im Übertritt in den Deutschen Holzarbeiterverband; nur noch einige Zeit so weiter und der Gewerkverein kann sich begraben lassen.“

Holzarbeiter-Zeitung, 04.08.1906, S. 273

 
   In Zossen sind freie (weil von der SPD nutzbare) Lokale:
Verkehrs- und Versammlungslokal A. Schimke, Barutherstr. 51,
Restaurant „Flora“, Neuendorfer Chaussee,
Restaurant „Zur deutschen Eiche“, Weinberge.
Alle anderen Lokale sind gesperrt.
 Vorwärts, 19.08.1906, S. 21
   „Durch die letzthin erfolgten Aufnahmen ist unser Wahlverein nunmehr auf über 150 Mitglieder angewachsen. So erfreulich dieses Resultat an und für sich auch ist, so genügt es aber noch lange nicht, wie der Vorsitzende, Genosse Rakow, treffend bemerkte, sondern jeder einzelne Genosse muß auch druch tatkräftiges Mitarbeiten sein Teil dazu beitragen, immer mehr die Aufklärung in die breite Masse hineintragen zu helfen. Dies geschehe am besten durch eifrige Beteiligung an der Flugblattverteilung. Jeder Genosse muß es für seine vornehmste Pflicht halten, die Zahl der Agitationsmarken am Schluß des Jahres auf die höchste Ziffer zu bringen. Aus der letzten Monatsversammlung ist noch der Beschluß hervorzuheben, einen ständigen Berichterstatter für den „Vorwärts“ zu wählen, dessen Hauptaufgabe es sein soll, die Berichte aus dem hiesigen Stadtparlamente dem „Vorwärts“ zu übermitteln. Auch soll durch die Berichterstattung anderer die Arbeiterschaft berührenden Fragen von hier und der Umgebung das Interesse für den „Vorwärts“ rege gemacht werden. Als Berichterstatter wurde ein bekannter tätiger Genosse gewählt, auch ein Stellvertreter bestimmt. Ausgeschlossen wurden die früheren Genossen Ferd. Busak, Bauerdarbeiter und Hösel, Buchdrucker; ersterer wegen Streikbruchs, letzterer wegen unqualifizierbaren Betragesn in seinem früheren Aufenthaltsorte. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Kahl, Wettermann und Daske gewählt.“  Vorwärts, 26.08.1906, S. 18
   „Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Freitagnachmittag in der hiesigen „Deutschen Buch- und Kunstdruckerei“. Der Maschinenmeister Plaßmann geriet auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise mit dem rechten Arm derartig zwischen Form und Walzen einer im Gange befindlichen Druckmaschine, daß es erst längerer Anstrengungen bedurfte, ihn aus der gefährlichen Lage zu befreien. Trotz der Schwere der Verletzung hofft der sofort herbeigeeilte Arzt Dr. Keilpflug dem Verletzten den Arm jedoch erhalten zu können.“  Vorwärts, 26.08.1906, S. 18
   Vorsitzender des Bezirksverein im Verein Zossen der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands ist Franz Stangenberg, Kiez 14 c. Vorsitzender des Maschinenmeistervereins in Zossen ist Ernst Jung, Dabendorf bei Zossen.  Korrespondent, 11.09.1906, S. 5
Korrespondent, 13.09.1906, S. 6
23. September Konsumverein für Zossen und Umgegend eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht
Generalversammlung bei Schimke, Baruther Straßenbau
Nur Mitglieder haben Zutritt
Vorstand:
Reinhold Tschersich (Geschäftsführer)
Heinrich Schosnig (Kassierer)
Friedrich Saupe (Kontrolleur)
Vorwärts, 15.09.1906, S. 7
  Vorsitzender des Bezirksvereins der Deutschen Buchdrucker ist Franz Spangenberg, Kietz 14c: Kassierer: Karl Meyer, Chausseestraße 43. Korrespondent, 02.10.1906, S. 6
  Der 1. Bevollmächtigte der Zahlstelle der Tabakarbeiter in Zossen wohnt jetzt in der Marktstraße 92 Der Tabak-Arbeiter, 23.09.1906, S. 4
  „Zossen. Mit den Zuständen in der hiesigen Internationalen Eisenbahn-Schlafwagengesellschaft beschäftigte sich eine kürzlich abgehaltene Fabrikversammlung. Die Wohnungs- und Lebensmittelpreise sind hier mindestens ebenso hoch wie in Berlin, doch stehen die Löhne weit zurück. Die schon früher nicht glänzenden Zustände haben sich nach dem Eintritt eines neuen Werkmeisters noch bedeutend verschlechtert. Durch Inserate herbeigelockt, sind auch viele verheiratete Kollegen hierher gekommen, ohne sich vorher über die Verhältnisse erkundigt zu haben; sie waren sehr bald enttäuscht, und die meisten suchen den Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Um die Arbeit noch billiger herzustellen, soll jetzt auch die Akkordarbeit eingeführt werden. Material und Werkzeug sind aber so mangelhaft, daß saubere Arbeit damit nicht hergestellt werden kann; dazu kommt, da es an sachkundigen Leuten bei der Leitung fehlt, eine schlechte Arbeitseinteilung. Auch in sanitärer Beziehung lassen die Arbeitsräume viel zu wünschen übrig. Die Kollegen waren einig, daß das Ansinnen, in Akkord zu arbeiten, entschieden zurückgewiesen werden muß. Es empfiehlt sich jetzt schon, den Zuzug von Holz- und Metallarbeitern fernzuhalten und beim Auftauchen von Arbeitergesuchen in den Zeitungen Erkundigigungen bei der Lokalverwaltung einzuziehen." Holzarbeiter-Zeitung,, 29.09.1906, S. 337
 15. Oktober  Neben anderen Ortsvereinen stellt sich auch der Zossener Ortsverein der Buchdrucker und Schriftgießer gegen die Ergebnisse der Unterhandlungen zwischen Gewerkschaftsführung und Arbeitgebern im Druckgewerbe:
„Die am 15. Oktober im Lokale des Herrn Schimke tagende stark besuchte außerordentliche Versammlung der Mitgliedschaft Zossen lehnt den Tarif und den Organisationsvertrag einstimmig ab aus folgenden Gründen:
Die Erhöhung der Grundposition um rund 10 Prozent steht nicht im geringsten Verhältnis zu der im Laufe der letzten fünf Jahre eingetretenen und noch anhaltenden enormen Steigerung aller Lebensmittelpreise und der Wohnungsmieten.
Die Versammlung hält vielmehr an einer allgemeinen 15prozentigen Lohnerhöhung und einer Verkürzung der Arbeitszeit täglich um eine halbe Stunde fest als der äußersten Grenze, innerhalb der sie einem Tarifabschluß ihre Zustimmung geben kann.
Dieses Verlangen erachtet die Versammlung um so berechtigter, als das gehilfenseitig Erreichte in gar keinem Verhältnis steht zu den Zugeständnissen, welche den Prinzipalen gemacht wurden.
Die Versammlung kann dem vorliegenden Organisationsvertrag nicht zustimmen, weil derselbe in seiner vorliegenden Fassung Paragraphen enthält, die in ihrer Auslegung zu weittragenden Folgen führen müssen, die Bewegungsfreiheit jedes einzelnen geradezu hindern und auch sonst geeignet sind, die ganze gewerkschaftliche Bewegung lahmzulegen.
Die Versammlung ersucht den Zentralvorstand, neue Verhandlungen mit der Prinzipalität auf dieser Grundlage in die Wege zu leiten. Will die Prinzipalität erneute Verhandlungen ablehnen, so ist unverzüglich eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen.“
 

Vorwärts, 17.10.1906, S. 9

  
 15. Oktober  Mitgliederversammlung der Zahlstelle der Tabakarbeiter bei Schimke. Die Abrechnung des dritten Quartals ergab 113,79 Mark Einnahmen und 66,82 Mark Ausgaben. Der Bestand der Lokalkasse war 4,40 Mark. Als Kontrolleur wurde Kollege Seifert und als Kartelldelegierter Kollege Lissek gewählt. Im Kartellbericht (Freiwald) wird vermerkt, dass ein Fabrikarbeiterverband in Zossen gegründet wurde und daß die Kollegen die gesperrten Lokale meiden sollen. „Unter dem Punkt: Wie verbessern wir unsre Lage, sprach Kollege Lissek. Er schilderte die Verhältnisse am hiesigen Orte in eingehender Weise und betonte speziell, daß der ortsübliche Minimallohn bezugnehmend auf die rapide Steigerung des Kostgeldes ein viel zu geringer sei. Gleichzeitig sprach er noch über die vorhandenen Mißstände in den einzelnen Fabriken und machte die Kollegen speziell darauf aufmerksam, ihren Arbeitgebern durch Hinweis auf die gesetzlichen Vorschriften zu zwingen, die gesundheitsschädlichen Zustände zu beseitigen. Kollege Rowusch erwiderte, daß die in Aussicht genommene Lohnbewegung der ungünstigen Konjunktur wegen zur nächsten Versammlung zurückgesetzt werden soll, was auch von der Mehrzahl der Kollegen angenommen wurde. Nachdem der 1. Vorsitzende die Aufforderung an die Kollegen erließ, sich mehr der politischen Organisation anzuschließen, wurden noch einige örtliche Verhältnisse besprochen und hierauf die Versammlung geschlossen.“  Der Tabak-Arbeiter, 25.11.1906, S. 2
28. Oktober In imposanter von weit über 200 Personen besuchten Versammlung referierte am Sonntag Genosse Zubeil über „Deutschlands Politik und sein Panama“. Das Referat, in welchem Redner eingehend die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse Deutschlands kennzeichnete und zum Schluß zu lebhafter Aufklärungsarbeit aufforderte, wurde von den Versammelten mit grpoßer Begeisterung aufgenommen. Den Anfang der Versammlung hatte der hiesige Arbeitergesangverein „Freie Sänger“ mit dem stimmungsvollen Liede „Empor zum Licht“ eingeleitet. Vorwärts, 31.10.1906, S. 11
  Zu den Lokalen, die der SPD in Zossen und Umgebung offenstehen kommen in Neu-Dabendorf bei Zossen das Restaurant von Wiese, früher Schenk, sowie das Seeschloß, jetziger Inhaber Haake, hinzu.
In Zossen steht das Lokal „Zur deutschen Eiche“ der SPD offen, während das Lokal „Große Weinberge“ gesperrt ist.
Vorwärts, 13.11.1906, S. 9
Vorwärts, 17.11.1906, S. 10
25. November Im Vereinslokal findet die Kalenderverbreitung statt. Es ist die Pflicht jedes Parteimitgliedes sich zu derselben ½ 8 Uhr früh einzufinden. Vorwärts, 18.11.1906, S. 21
5. Dezember Ordentliche Generalversammlung des Ortevereins der SPD. Tagesordnung: 1. Wahl des Gesamtvorstandes; 2. Jahresbericht; 3. Wahl eines Bezirksführers; 4. Wahl zweier Delegierter zur Kreisgeneralversammlung. Vorwärts, 02.12.1906, S. 13
  In Dabendorf bei Zossen veranstaltet am ersten Weihnachtsfeiertage der dortige Gesangsverein in dem gesperrten Lokal „Gasthof zum deutschen Kaiser“ ein Konzert mit anschließendem Ball. Wir ersuchen die Parteigenossen alle angebotenen Billets entschieden zurückzuweisen.
Die Lokalkommission
Vorwärts, 22.12.1906, S. 13
30. Dezember „In Zossen nahm am Sonntag eine Volksversammlung zu den bevorstehenden Wahlen Stellung. Das Referat hatte Genosse Gebert-Charlottenburg übernommen, der in trefflicher Weise die verbrecherische Kolonialpolitik kennzeichnete. Das Verhalten des Freisinns, als dem Schildknappen der kulturwidrigen Politik der Regierung, fand die schärfste Verurteilung des Redners. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag forderte Genosse Saupe zu reger Agitation auf. Am 15. Januar wird der Kandidat des Kreises, Genosse Zubeil in einer Wählerversammlung referieren.“ Vorwärts, 03.01.1907, S. 9
31. Dezember Der Ortsverein des Metallarbeiterverbandes hat 27 Mitglieder. Der Ortsverein des Central-Verbandes der Maurer Deutschlands hat 159 Mitglieder. Metallarbeiter-Zeitung,, 13.04.1907, S. 5
Der Grundstein, 30.03.1907, S. 4

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