1907

 

 

 Datum  Ereignis  Quelle
 15. Januar  „Zossen. Hier tagte am Dienstag im Schimkeschen Lokal eine überaus stark besuchte Versammlung. Genosse Baake-Charlottenburg führte den Versammlungsteilnehmern unter großem Beifall vor Augen, daß sie in der Sozialdemokratie nur noch die Wahrerin und Vertreterin ihrer Interessen erblicken können. Die Stimmung der Versammelten läßt auch hier auf ein gutes Resultat hoffen. Den Schluß der Versammlung bildete das stimmungsvolle Lied des Gesangsvereins „Freie Sänger“ „Daß wir als Menschen Brüder sind“.  Vorwärts, 19.01.1907, S. 10
 19. Januar  Am heutigen Sonnabend findet die Wahlvereinsversammlung im Lokale von Herrn A. Schimke statt. Tagesordnung: „Die Reichstagswahl“. Es ist Pflicht, daß alle Genossen erscheinen.
Am Sonntag, den 20. Janauar, nachmittags 3 Uhr, findet in Dabendorf bei Zossen im Lokale des Herrn G. Fiedler eine Reichstagswählerversammlung statt. Referent: Genosse Obst.“
 Vorwärts, 19.01.1907, S. 11
 25. Januar  Reichstagswahlen
Die Konservativen erhalten 521 Stimmen, die SPD 268 Stimmen. Auf die Freisinnigen entfallen 167 Stimmen, auf Splitterparteien 1 Stimme. Eine Stichwahl erfolgt nicht, weil Zubeil bereits in der Hauptwahl die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen im Wahlkreis erhalten hat.
 Paul Hirsch: Die Sozialdemokratie im Wahlkreise Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, Charlottenburg 1908, S. 9
   Der Ortsverein Zossen des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes erhebt einen zusätzlichen Lokalbeitrag von 55 Pf. pro Woche  Holzarbeiter-Zeitung, 26.01.1907
 17. Februar  Generalversammlung des Konsumverein für Zossen und Umgebung e.G.m.b.H. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Ersatzwahl des Geschäftsführers; 3. Anstellung eines besoldeten Lagerhalters; 4. Verschiedenes. Vorsitzender des Aufsichtsrates: Franz Stangenberg.  Vorwärts, 10.02.1907, S. 14
 25. Februar  Mitgliederversammlung der Tabakarbeiter. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal; 2. Wahl des Vorstandes; 3. Bericht vom Kartell; 4. Wahl der Kartelldelegierten; 5. Verbandsangelegenheiten. Die Rechnung verlas Kollege Freiwald. Die Einnahmen betrugen 88,89 Mk, die Ausgaben 43,96 Mk. Als 1. Bevollmächtigter wurde Kollege (Friedrich) Freiwald, als 2. Bevollmächtigter (Gustav) Krause und als Kontrolleure Rowusch und Seifert gewählt. Den Kartellbericht erstattete Kollege Lissek. Die Lackierer, welche der Zahlstelle Berlin angehörten, haben sich dem hiesigen Kartell angeschlossen. Ferner wurde ein Gesetzbuch zum Betrage von 10 Mk. Angeschafft und die Neue Zeit abonniert. Der Kassenbestand betrug am 1. Oktober 24,05 Mk. Und am 31. Dezember 72 Mk. Als Delegierter wurde Kollege Rowusch gewählt. Unter Verbandsangelegenheiten wurde der von voriger Versammlung zurückgesetzte Punkt, Wie verbessern wir unsre Lage?, besprochen. Es kam die Versammlung zu dem Entschluß, bei den Fabrikanten eine Lohnerhöhung von 50 Pf. zu fordern und die ganze Angelegenheit einer Kommission zu übertragen. Auch wurde betont, daß in der Fabrik von Gaebert als Spucknapf eine Kautabakkiste zur Verfügung gestellt wurde.“  Der Tabak-Arbeiter, 10.03.1907, S. 3
 10. März  Außerordentliche Generalversammlung des Konsumvereins Zossen und Umgebubg. Tagesordnung: 1. Ersatzwahlen a) eines Kassierers, b) eines Kontrolleurs, c) sieben Aufsichtsratsmitglieder und zweier Stellvertretter; 2. Statutenänderung:
Aufsichtsratsvors. Franz Stangenberg
 Vorwärts, 03.03.1907, S. 20
   Die Zimmerer in Zossen fordern einen neunstündigen Arbeitstag und 60 Pf. Arbeitslohn. Bisher arbeiten Sie 10 Stunden und erhalten 40 Pf.  Der Zimmerer, 13.04.1907, S. 133f
 12. April  Nach langer Krankheit stirbt im Alter von 39 Jahren der Mitbegründer des Zossener Ortsvereins der SPD Johannes Engler  Vorwärts, 14.04.1907, S. 7 und S. 18
 1. Mai  Versammlung mit Tagesordnung: „Die Bedeutung des 1. Mai“, Referentin: Frau Anna Hesch und H. Mietz.
Es nehmen 100 bis 120 Personen teil.
Vorwärts, 28.04.1907, S. 6
Vorwärs, 03.05.1907, S. 11 
   Die „Freien Sänger“ Zossen proben Sonnabends in Schimkes Lokal.  Vorwärts, 16.05.1907, S. 10
 26. Mai  Gautag des Gaues 1 des Deutschen Buchbinderverbandes in Brandenburg. 19 Delegierte und 3 Vertreter des Gauvorstandes anwesend. Zossener Delegierter ist Milz. Die Situation hinsichtlich der Organisation wird von Milz als gut bezeichnet.
„Am Ort ist eine Kunstdruckerei, in welcher sämtliche Kollegen organisiert sind. Die Fluktuation ist eine sehr große. Der Lohn beträgt jetzt 24 Mk. Bei neunstündiger Arbeitszeit. Durch ein geschlossenes Vorgehen konnten die Kollegen eine Lohnzulage von 1,50 Mk. Pro Woche erreichen.
 Buchbinder-Zeitung, 08.06.1907, S. 184
 7. Juli  Generalversammlung des Zentralwahlvereins Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. 24 Orte mit 3, 10 Orte mit 2 und 7 Orte mit 1 Delegierten vertreten. Deutsch-Wusterhausen und Mittenwalde fehlten. Darüber hinaus waren 7 Mitglieder des Vorstandes, 3 Revisoren, 3 Vertreter der Preßkommission, 2 der Lokalkommission und 1 Delegierter der Agitationskommission sowie der Reichstagsabgeordenet Zubeil zugegen. Zum Thema „Der internationale Sozialistenkongreß in Stuttgart“ wurde vom Redner Paul Hirsch hinsichtlich des 1. Mai eine Resolution unterbreitet: „Die Kreisgeneralversammlung verpflichtete ihre Delegierten, sich in bezug auf die Frage der Maifeier auf den Boden des Beschlusses des Mannheimer Parteitages zu stellen, d.h. für die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten.“
In der Diskussion trat der Zossener Delegierte Wainzier gegen ein gebundenes Mandat auf. Der Antrag des Vorstandes wurde nahezu einstimmig angenommen. Als Delegierte zum Sozialistenkonkress wurden Hirsch-Charlottenburg, Zietsch-Charlottenburg und Pagel-Rixdorf gewählt.
 Vorwärts, 09.07.1907, S. 5
 1. August  „Am 1. August fand in dem Restaurant Flora eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Abrechnung vom 2. Quartal; 2. Stellungnahme zum Internationalen Tabakarbeiterkongreß; 3. Kartellbericht; 4. Verbandsangelegenheiten. Zum 1. Punkt erstattete Kollege Freiwaldt die Abrechnung vom 2. Quartal, danach beliefen sich die Einnahmen auf 106,53 Mark, die Ausgaben auf 68,39 Mark, bleibt mithin ein Kassenbestand von 37,99 Mark. Zum 2. Punkt wurde Kollege Max Kiesel-Berlin als Delegierter vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Dann gab Kollege Freiwaldt den Kartellbericht. Auf seinem Antrag wurde vom Kartell beschlossen, in den hiesigen Gewerkschaften für die ausgesperrten Tabakarbeiter und Arbeiterinnen Sammlungen zu veranstalten. Zu diesem Zwecke werden Listen ausgegeben und dieselben den Delegierten der betr. Gewerkschaften zugestellt. Außerdem wurde beschlossen, auch einen Beitrag aus der Kartellkasse, sowie auch aus den verschiedenen Lokalkassen zu bewilligen. Zum 4. Punkt wurde beschlossen, das Mitglied A. Wartig aus Mittenwalde aus dem Verbande auszuschließen, da derselbe mehrfacher Aufforderung, seine Beiträge zu bezahlen, nicht nachgekommen ist. Es machte sich dadurch die Wahl eines Kontrolleurs notwendig; hierzu wurde Kollege Wollitz vorgeschlagen und gewählt. Die Versammlung wurde von dem ersten Bevollmächtigten Freiwaldt mit der Ermahnung, die Versammlungen in Zukunft besser zu besuchen und mit einem Hoch auf die Organisation geschlossen.“  Der Tabak-Arbeiter, 25.08.1907, S. 8
 4. August  Öffentliche Versammlung bei Schimke. Thema: „Die Frau im öffentlichen Leben“. Referent Fritz Zubeil.  Vorwärts, 03.08.1907, S. 9
 11. August  Der Arbeiterturnverein in Zossen hält sein Sommerfest bei Schimke, Barutherstr. 10 ab. Der Vorstand des Wahlvereins bittet die Genossen daran teilzunehmen. Nachmittags 3 Uhr beginnt der Festzug durch die Stadt nach dem Festlokal. Festkarten sind beim Genossen Rakow, Berlinerstr. 4 zu haben.  Vorwärts, 08.08.1907, S. 10
 8. September  Sommerfest des Wahlvereins im Lokal Schimke.  Vorwärts, 04.09.1907, S. 9
 26. September  Gewerkschaftskartell Zossen erstmals im Adressverzeichnis
Vorsitzender: Alfred Günther, Stubenrauchstr. 4 III
 Correspondenz-Blatt des ADGB, Adressbeilage 4, 26.09.1907, S. 7
 2. Oktober  Kunstabend des Gewerkschaftskartells im Lokal Schimke   Vorwärts, 02.10.1907, S. 9   
 9. Oktober  Außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Stellungnahme zu der vom Gewerkschaftskartell eingereichten Petition betreffend Beteiligung an der im November stattfindenden Stadtverordnetenwahl.  Vorwärts, 08.10.1907, S. 9
18. Oktober  Öffentliche Versammlung zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl. Redner: Fritz Zubeil.   Vorwärts, 15.10.1907, S. 9   
 18. Oktober  Über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen referierte in einer öffentlichen Versammlung der Genosse Küter-Schöneberg. Er betonte die Notwendigkeit der Vertretung der Sozialdemokratie in der SVV. Die Versammlung nahm eine Resolution an, nach welcher sie sich verpflichtete, bei den bevorstehenden SVV-Wahlen für die Kandidaten der SPD einzutreten.
Als Kandidaten für die II. Wählerklasse wurden die Genossen Bauhilfsarbeiter Bernhard Schulze und Schlosser Adolf Vogt aufgestellt.
 Vorwärts, 22.10.1907, S. 11
   „Die Stadtverordnetenwahlen finden für die dritte Wählerabteilung am 8. November von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr statt. Die Petition, die wahlzeit auf nachmittags von 5 bis 8 Uhr zu verlegen, um somit auch der großen Msse der Arbeiter die Möglichkeit zu geben, ihr Wahlrecht ohne größeren Arbeitsverlust ausüben zu können, ist unberücksichtigt geblieben.
Es muß nunmehr erst recht jedes Genossen Pflicht sein, für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten Bernh. Schulze und Ad. Vogt zu agitieren. Die Arbeiterschaft wird zeigen müssen, daß sie sich trotz der Nichtberücksichtigung der Petition ihr Wahlrecht ausübt.“
 Vorwärts, 26.10.1907, S. 14
 31. Oktober  Öffentliche Versammlung „Welche Interessen vertritt der Haus- und Grundbesitzerverein in der Kommune?“ Referent Ewald-Berlin.   Vorwärts, 29.10.1907, S. 9   
   „Achtung Zossen! Die ehemaligen Sänger des Gesangsvereins „Freie Sänger“ werden hiermit zu unserer am Sonnabend, dem 16. Novbr., abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Scimke stattfindenden Feier des 5. Gründungstages eingeladen. I.A.: F. Saupe, Stubenrauchstr.4“  Vorwärts, 06.11.1907, S. 13
 1. Dezember  Demonstrationsversammlung bei Schimke.. Es spricht Paul John vor 200 Versammelten zur Frage der Wahlrechtsreform.Wie auf allen gleichzeitig stattfindenden Demonstrationsversammlungen wurde über die Resolution des Parteivorstandes abgestimmt, die einstimmig angenommen wurde.  Vorwärts, 03.12.1907, S. 14.
 16. Dezember  “Boykottposten. Die Fälle, in denen man das „Mädchen für alles“, den berüchtigten groben Unfugparagraphen, trotz der Judikatur des Reichsgerichts und Kammergerichts gegen gesetzlich erlaubtes Boykottpostenstehen anmarschieren läßt, mehren sich neuerdings. So fand am Montag vor dem Zossener Schöffengericht eine Verhandlung gegen den Boykottposten-Sünder Genossen Landskron statt. Er hatte vor dem gesperrten Lokal „Zur deutschen Eiche“ (Besitzer Hansche) Boykottposten gestanden. Das war von der Wohllöblichen als „grober unfug“ angesehen und ihm ein Strafmandat von 15 Mk. Auf den Hals geschickt worden. Er beantragte gerichtliche Entscheidung. In der Verhandlung wetterte der Amtsanwalt Bürgermeister Dr. Wirth fürchterlich gegen die böse Sozialdemokratie. Unter naderem führte er aus, „die hiesige Sozialdemokratie wolle den Wirt Hansche vernichten“, ferner marschierte der „sozialdemokratische Terrorismus“ auf, überhaupt sei der ganze Fall „ein Bild des Zukunftstaates“. Er beantragte 30 Mark Geldstrafe oder drei Tage Haft. Das Urteil lautete auf 15 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten. Zweifellos wird Genosse Landskron gegen dieses Urteil. Welches mit dem Gesetz und den Urteilen des reichs- und Kammergerichts unvereinbar ist, Berufung einlegen.“ In der Berufung wurde Landskron auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen.  Vorwärts, 19.12.1907, S. 11
Vorwärts, 21.03.1908, S. 6
 31. Dezember  Der Ortsverein des Metallarbeiterverbandes hatte 1907 52 Mitglieder. Der Ortsverein des Zentralverbandes der Maurer hatte 135 Mitglieder. Das Gewerkschaftskartell vereinigte 8 Gewerkschaften und hatte 381 Mitglieder.  Metallarbeiter-Zeitung, 18.04.1907, S. 5.
Der Grundstein, 04.04.1907, S. 4
Statistische Beilage des Correspondenz-Blatt, Nr. 4, 30. Mai 1908, S. 124.

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