1908

 

 

 Datum  Ereignis  Quelle
 19. Januar  

Flugblattverbreitungsaktion; Treffpunkt bei Schimke

Nachmittags bei Fiedler, Dabendorf, von Gewerkschaftskartell organisierter humoristischer Abend.

Vorwärts, 19.01.1908, S. 13
 20. Januar  Versammlung der Tabakarbeiterzahlstelle Zossen: u.a. Wahl
1. Bevollmächtigter F. Freiwaldt, 2. Bevollmächtigter W. Busack; Kontrolleure G. Reetz und M. Seifert.

Tabakarbeiter-Zeitung, 19.01.1908, S. 4

Tabakarbeiter-Zeitung,02.02.1908, S. 3

   „Wie notwendig es ist, Polizeibeamte Unterricht in Gesetzeskunde nehmen zu lassen, zeigt folgender Fall: Bei der Flugblattverbreitung am letzten Sonntag (vor der Kirchzeit) gab ein Genosse auch ein Flugblatt in der Wohnung des Polizeibeamten Janecke ab. Dasselbe wurde von der Frau des Janecke mit Entrüstung zurückgewiesen. Der betreffende Flugblattverbreiter ging dann seines Weges und wurde, nachdem derselbe noch einige Zettel verteilt hatte, von dem Polizeibeamten Janecke angehalten. Der Beamte wollte nun den Genossen belehren, daß das Flugblattverbreiten am Sonntag eine öffentliche Arbeit sei und er das Verbreiten verbieten müßte. Auf die gegenteiligen und energischen Vorhaltungen des Genossen wurde derselbe sistiert und zur Wache gebracht, Dort wurden seine Personalien festgestellt. Der Polizeisergeant verschwand auf einige Augenblicke, um den Bürgermeister Dr. Wirth um Rat zu fragen. Nach der kurzen Beratung wurde dem Flugblattverbreiter eröffnet, daß die Flugblätter beschlagnahmt seien, er selbst könne gehen. Nach zwei Tagen erhielt der sistierte Flugblattverbreiter ein Schreiben folgenden Inhalts:
„Die von dem Polizeisegeanten Janecke weggenommenen Flugblätter können Sie im Zimmer Nr. 8 wieder abholen. Gez. Dr. Wirth.“
Der Genosse schrieb der Polizeibehörde zurück, daß er die „weggenommenen Flugblätter“ in sein Haus gebracht haben wolle. Eine Antwort hierauf sowie die Flugblätter sind bisher ausgeblieben. Was geschieht nun?“
Vorwärts, 25.01.1908, S. 11
 22. Januar  In der Generalversammlung des Wahlvereins erstatteten der erste Vorsitzende, Genosse B. Schulz, sowie der Kassierer, Genosse Fritz Saupe, ihren Jahresbericht. Es fanden statt: 8 öffentliche und 12 Mitgliederversammlungen und 2 Flugblattverbreitungen. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 96. Der Kassenbericht weist eine Jahreseinnahme von 344,52 M. und eine Ausgabe von 340,60 M. auf. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Willi Gieske, erster Vorsitzender; Hermann Wißmann, zweiter Vorsitzender; Fritz Saupe, Kassierer; W. Sandmann, Schriftführer; Bernhard Schulze, Beisitzer. Als Revisoren wurden die Genossen Ernst Rönnebeck und Lorenz Voigt gewählt. Von dem Vorsitzenden wurde aufgefordert, sich an allen Parteiarbeiten lebhaft zu betätigen. Eine lebhafte Diskussion entspann sich über die Berliner Polizeiattacken anläßlich der Wahlrechtsdemonstration am 12. Januar. Zum Schluß wurde durch die Annahme einer Resolution den Genossen Berlins für ihr taktvolles Verhalten volle Anerkennung ausgesprochen und das geradezu widersinnige und unberechtigte Vorgehen der Polizei scharf verurteilt. Vorwärts, 28.01.1908, S. 11
  Im Zusammenhang mit der am 24. Januar in Leipzig stattgefundenen Gaumitgliederversammlung wird im Bericht im „Korrespondent“ festgehalten: „Der Setzer Andr. Pessel, der hier in der tarifuntreuen Firma Karl Marquart stand, ist in Zossen aufgetaucht, mutmaßlich unter Protektion des frühern Mitgliedes Crackow, welches sich den Import von Tarifsündern scheint angelegen sein zu lassen. Hoffentlich zeigen ihm die dortigen Mitglieder, inwieweit er diesen Sport treiben darf.“
Darauf stellt Crackow in Nr. 24 des „Korrespondent“ richtig: „In Nr. 20 des „Korr.“ befindet sich unter Leipzig eine Notiz, die sich mit meiner Person beschäftigt. Ich erkläre hiermit, daß ein Import eines nichttariftreuen Gehilfen von mir nicht stattgefunden hat, im Gegenteile mir die Herkunft des pp. Pessel erst aus der fraglichen Notiz bekannt wurde. Adolf Crackow.“

Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 18.02.1908, S. 2

Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 27.02.1908, S. 4

 29. Januar  „In der am 29. Januar abgehaltenen Generalversammlung des hiesigen Ortsvereins wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Ferner wurde die Einführung des „Korr.“-Obligatoriums beschlossen, und zwar pro Mitglied ein Exemplar.. In dem gegebenen Jahresberichte wurde erwähnt, daß das vergangene Jahr ein arbeitsreiches war und sich die Versammlungen leider allzuviel mit internen Sachen zu befassen hatten. Es wurde allgemein der Wunsch laut, daß das nächste Jahr in dieser Beziehung ein besseres Bild zeitigen möchte. Die Orts- sowie Bezirkskasse wiesen trotz mancher Verluste und sonstigen größeren Ausgaben einen günstigen Stand auf. Die Versammlungen waren durchschnittlich von der Hälfte der Mitglieder besucht."  Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 13.02.1908; S. 6
   „Mit 1034 Mark flüchtig geworden ist der in der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei beschäftigte Heizer Rauter. R. Erhielt vom Direktor Wagner obige Summe, um dieselbe bei der Post einzuzahlen. Als er nach Ablauf einer Stunde nicht zurückkehrte, fragte man telephonisch bei der Post an; von hier wurde der Bescheid, daß kein Bote dagewesen sei. Eine Nachfrage in seiner Wohnung führte zu demselben Ergebnis. Später stellte sich heraus, daß Rauter mit dem nächsten Zug nach Berlin gefahren ist.“ Vorwärts, 02.02.1908, S. 19
 26. Februar  „In der letzten sehr gut besuchten Wahlvereinsversammlung gedachte zunächst der Vorsitzende in warm empfundenen Worten der verstorbenen Parteigenossen Meist und Kloß. Hierauf hielt Genosse Saupe ein Referat über „Landtagswahlen“. Dem interessanten Vortrag folgte eine rege Diskussion. Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung gab Genosse Wißmann. Mit Befriedigung wurde aufgenommen, daß im Kreise eine Zunahme der Mitgliederzahl zu verzeichnen ist. Als Delegierter zur Verbands-Generalversammlung wurde der Vorsitzende Genosse Gieske gewählt. Zum Beisitzer wählte die Versammlung den Genossen Zibell. - In der Boykottangelegenheit wurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß das Lokal von Hansche „Zur Eiche“ noch immer gesperrt und nicht, wie angenommen, freigegeben ist. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß sich verschiedene freigewerkschaftlich Organisierte sich des Kontraktbruchs schuldig gemacht haben.“ (Kontraktbruch wurde zu Boykottbruch geändert. Vorwärts, 01.03.1908, S. 18
Vorwärts, 03.03.1908, S. 15
   Neu-Dabendorf bei Zossen. Bei der Gemeindewahl erhielt der von uns aufgestellte Kandidat Genosse Kahl 8 Stimmen, der Kandidat des Interessentenvereins 5 und der Bauernkandidat 26 Stimmen., letzterer ist somit gewählt. Daß unsere Stimmenzahl eine so niedrige ist, liegt daran, daß sogar freigewerkschaftlich organisierte Maurer ihre Stimme dem Bauernkandidaten gaben. Viele hielten es gar nicht für nötig, zur Wahl zu gehen. Das ist sicherlich ein Beweis, daß wir noch viel Aufklärungsarbeit zu verrichten haben.“ Vorwärts, 18.03.1908, S. 14
 22. März  Wahlrechtsversammlung „Preußen 1848-1908“. In Zossen sprach Genosse Kubig-Pankow vor 150 Versammelten. Der Gesang-Verein „Freie Sänger“ trug vor wie nach der Versammlung einige Stimmungsvolle Lieder vor. Die Polizei war stark vertreten, auch hatte man die Gendarmerie aus der Umgebung herangezogen; sogar der hiesige Bahnhof war von Gendarmen besetzt. Wahrscheinlich glaubte man, daß sich eine Anzahl Berliner am Demonstrationszuge beteiligen würden. Es verlief jedoch alles ruhig.“  Vorwärts, 25.03.1908, S. 11
   „Zossen. Eine unliebsame Störung erfuhr das Begräbnis des verstorbenen Genossen Flentja. Der Friedhofsverwalter Harms untersagte den Kranzträgern die üblichen Widmungsworte am Grabe zu sprechen. Genosse Rönnebeck, der einen Kranz im Auftrage des Gewerkschaftskartells niederlegte, glaubte nicht notwendig zu haben, den eigenartigen Anordnungen des Friedhofsverwalters Folge zu leisten. Als er die Worte: „Gewidmet vom Gewerkschaftskartell“ ausgesprochen hatte, erschien auch schon der Gendarm Goldbach auf der Bildfläche zund stellte die Personalien Rönnebecks fest. Durch diesen Akt war natürlich die Begräbnisfeier erheblich gestört worden. Und wenn kurz vorher noch der Superintendent Herr Schmitt in seiner Trauerrede von Liebe usw. gesprochen hatte, so wurde durch diesen Zwischenfall der ganze Trauerakt in eine ganz entgegengesetzte Beleuchtung gerückt.“  Vorwärts, 28.03.1908, S. 19
   „In Zossen, wo in einem größeren Betriebe (Buchdruckerei) alle unsere Berufsangehörigen der Organisation angehören, sollte eine Lohnbewegung eingeleitet werden. Durch besondere Umstände mußte aber davon abgesehen und diese fürs nächste Jahr vertagt werden. (Ist bereits geschehen und mit Erfolg abgeschlossen.)“
In Zossen besteht keine Zahlstelle. 
 Buchbinder-Zeitung, 04.04.1908, S. 106
   Das Lokal von A. Schimke in der Barutherstr. 10 wird im April 1908 von P. Kurzner übernommen.   Vorwärts, 22.04.1908, S. 13
   Zur Landtagswahl liegen die Urwählerlisten an folgenden Orten in Zossen aus: Otto Rackow, Berliner Straße; W. Gieske, Barutherstr. 12; Kurzner, Reataurant, Barutherstr.; Restaurant „Flora“ Nächst-Neuendorf; Wilhelm Sandmann, Nächst-Neuendorf.“  Vorwärts, 29.04.1908, S. 13
 4. Mai  „Am 4. Mai hielte unser Gauleiter, Kollege Unger, hier einen Vortag über: „Die Bedeutung der Organisation“. Infolge der Zerfahrenheit und Zerwürfnisse, unter denen die hiesige Ortsverwaltung zu leiden hatte, betonte der Redner insbesondere die Pflege der Kollegialität. Nur dadurch könne etwas Gemeinsames geschaffen werden. Die Diskussion war eine sehr lebhafte, und wird allgemein die Erwartung gehegt, daß die Klärung der Differenzen den Fortbestand der Filiale sichert. Nach Erledigung der Vorstandswahl, welche sehr glatt vonstatten ging, wurden noch einige Internas erledigt, worauf Schluß der Versammlung erfolgte.“  Sattler-Zeitung, 22.05.1908, S. 85
11. Mai  „Zossen. Die vereinigten Freisinnigen und Nationalliberalen hatten am Montag eine Wählerversammlung im Dähneschen Lokal einberufen, zu der sich im ganzen 22 Wähler eingefunden hatten. Referenten waren die Herren Dr. Tubenthal und Dr. Liepmann. Letzterem kam der schwache Versammlungsbesuch insofern zustatten, als er ganz heiser war und sich nur den Wählern Zossens vorstellen wollte. Beide Redner gaben sich denn auch redliche Mühe, den paar Leuten begreiflich zu machen, daß das Dreiklassenwahlrecht nur abgeschafft werden kann, wenn der Freisinn seine am 10. Januar im preußischen Landtage bereits gezeigte „Mannhaftigkeit“ auch später zur Geltung bringe, d. h. sich von Bülow auch in Zukunft wieder ohne Murren ohrfeigen lasse. Daß die beiden Redner und „Wahlrechtskämpfer“ die Liberalen Breitscheid und Barth mit der Sozialdemokratie auf eine Stufe stellten und betonten, daß dieselben genau so zu bekämpfen seien wie die Sozialdemokratie, läßt ihren Enthusiasmus für die Beseitigung des Dreiklassenwahlsystems in ganz besonderem Lichte erscheinen. Alles in allem: Beide Redner haben mit ihren Ausführungen den Beweis erbracht, daß sie sich den Gegnern des gleichen und geheimen Wahlrechts absolut würdig zeigen.“  Vorwärts, 14.05.1908, S. 9
 26. Mai  „In der Landtagswählerversammlung am 26. Mai referierte vor 150 Personen Genosse Ucko. Der Beifall der Versammelten am Schlusse seines Referats bewies, daß der Referent die Zustände Preußens richtig gewürdigt hatte. In einer einstimmig angenommenen Resolution verpflichten sich die Versammelten, ihr Teil dazu beizutragen, daß an Stelle des Dreiklassenwahlrechts das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zum preußischen Landtag eingeführt wird. Zum Schluß forderte der Vorsitzende zum Beitritt in den Wahlverein und Abonnement auf den „Vorwärts“ auf.“  Vorwärts, 28.05.1908, S. 13
 2. August  Der Zossener Arbeiterturnverein (Mitglied des Arbeiterturnerbundes) feiert im Lokal des Herrn Kurzner sein dreijähriges Bestehen. Es wird ein Schauturnen neben sonstigen Vorführungen durchgeführt.   Vorwärts, 31.07.1908, S. 10
 16. August  Das Gewerkschaftskartell führt im Lokal Barutherstr. 10 ein Gewerkschaftsfest durch.  Vorwärts, 15.08.1908, S. 10
 20. August  „Zossen. Am 20. August fand hier unsere regelmäßige Mitgliederversammlung statt, in welcher Kollege Exner-Berlin einen belehrenden und interessanten Vortrag hielt über die gegenwärtige Lage in der deutschen Holzindustrie. Zum Schlusse seiner Ausführungen ermahnte der Referent die Kollegen, sich nicht abschrecken zu lassen und trotz der schlechten Konjunktur fest zur Organisation zu halten. Jeder Kollege sollte noch immer werben, damit auch hier unsere Lebenshaltung nicht noch weiter herabgedrückt wird, als sie es ohnehin schon ist. In der Graf Arnimschen Hoftischlerei gibt es Kollegen, die 15, 20, ja 25 Jahre in demselben Betriebe stehen und mit 15 Mk. Wochenlohn abgespeist werden. Es ist aber allbekannt, daß wo die Organisation schlecht ist, auch die Löhne schlecht sind, und daß dort die längste Arbeitszeit herrscht. Darum, Kollegen, wachet auf und besucht auch hier besser die Mitgliederversammlungen, welche jeden Donnerstag nach dem 15. stattfinden, um das Notwendige zu besprechen und zu beraten. Denn es tut doch jedem not, da wir hier doch auch nicht auf Rosen gebettet sind.“  Holzarbeiter-Zeitung12.09.1908, S. 310
 26. August  „Zossen. Schlecht besucht war die am Mittwoch, den 26. August, stattgefundene Wahlvereinsversammlung. Aufgenommen wurden fünf Mitglieder. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung erstattete Genosse Lau, den Bericht der Verbandsgeneralversammlung Genosse Wiesen. Eine lebhaftere Debatte trat nur bei dem letzteren Bericht ein. Bei dem Punkt Frauenfrage wurde beschlossen, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung für Frauen abzuhalten und hierzu eine Referentin zu bestimmen. Die Einrichtung der Bibliothek erfolgt in diesem Monat und wird dieselbe Ende September eröffnet. Zum Schluß wurde die Verlegung des Versammlungstages beschlossen. Die Versammlungen finden jetzt jeden Donnerstag nach dem 20. im Monat statt.“  Vorwärts, 30.08.1908, S. 15
   „Zossen. Die im August einberufene außerordentliche Generalversammlung hatte sich u.a. mit der Neuwahl des gesamten Vorstandes zu beschäftigen. Da der alte Vorstand wegen einiger Vorkommnisse das Amt nicht weiter verwalten zu können vermeinte und auch nicht zu bewegen war, wenigstens bis zum Jahresschlusse zu bleiben, so wurde zur Neuwahl geschritten und zum Vorsitzenden Kollege Wiedemann, zum Kassierer Kollege Dannappel gewählt. Außerdem wurde ein Antrag angenommen, wonach die Monatsversammlungen am Mittwoch auf den ersten Donnerstag im Monate verlegt werden. Da sich hier in letzter Zeit das Restantenunwesen unangenehm bemerkbar macht, fühlte sich der Vorstand veranlaßt, die Restanten der letzten Monatsversammlung bekannt zu geben und Gegenmaßregeln zu ergreifen. Es wurde der Versammlung folgender Antrag unterbreitet: „Gewohnheitsrestanten, welche im Laufe dieses Monats ihren Verpflichtungen dem Verbande gegenüber nicht nachkommen, werden, nachdem sie vorher nochmals auf die Konsequenzen hingewiesen sind, dem Gauvorstande zum Ausschluß empfohlen.“ Dieser Antrag wurde von der Versammlung auch einstimmig angenommen.“  Korrespondent, 19.09.1908, S. 5
 5. September  In Zossen ist nur noch das Lokal Kurzner, Barutherstr. 10, für die SPD offen.  Vorwärts, 05.09.1908, Lokalliste für Berlin und die Provinz Brandenburg
   Eine von etwa 200 Personen besuchte Volksversammlung protestierte gegen die vom Reichsschatzsekretär Sydow geplanten neuen indirekten Steuern. In seinem 1 ½ stündigen Vortrage führte der Referent, Genosse Max Müller-Berlin, die geplante ungeheure Belastung der breiten Masse des Volkes den Anwesenden vor Augen und beleuchtete besonders die Steuerprojekte, die bezwecken, den Tabak noch mehr zu belasten. Durch die jetzt bestehende Zigarettenbanderolesteuer sind nach einer Statistik zirka 5000 Arbeiterinnen gezwungen worden, in andere Berufe überzutreten, teilweise wurden sie durch die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkte genötigt, sich der Prostitution hinzugeben. Auch die neue geplante Tabaksteuer würde gleichfalls Tausende von Arbeitern auf das Straßenpflaster werfen, eine um so verwerflichere Maßregel, als ein großer Teil der Tabakarbeiter aus körperlich minderwertigen Arbeitern besteht. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution wurde nach kurzer Diskussion einstimmig angenommen.“  Vorwärts, 07.10.1908, S. 11
   Den Bericht vom Nürnberger Parteitag erstattete in der gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Küter-Schöneberg. Nach der Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher sich die Versammelten mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärten. Insbesondere wendet sich die Resolution gegen die revisionistischen Bestrebungen und gegen das Vorgehen der süddeutschen genossen in der Budgetfrage.“  Vorwärts, 28.10.1908, S 10
 8. November  Ab 8 Uhr findet vom Lokal Kurzner aus eine Agitationstour statt.  Vorwärts, 06.11.1908, S. 9
 12. November  Frauenversammlung im Lokal Kurzner. Es spricht Frau Thiele-Tempelhof zum Thema „Weshalb sollen sich Frauen organisieren?“ Die Parteimitglieder sollen ihre Frauen darauf aufmerksam machen.  Vorwärts, 11.11.1908, S. 13
 18. Dezember  Flugblattaktion  Vorwärts, 12.12.1908, S. 13
   „Zossen verursacht viele Mühen. Obgleich ich (Emil Unger, Gauleiter.- K.L.) sowohl wie Kollege Müntner insgesamt fünfmal hinüberreisten, konnten wir doch nicht den Keim der Unzufriedenheit unter den dortigen Mitgliedern beseitigen. Die ernsten, wichtigen und tiefeinschneidenden Lebensfragen verschwinden hinter kleinlichem Tagesgezänk. Während die Unternehmer einiger denn zuvor im Kampfe gegen die Arbeiterschaft zusammenhalten, reiben sich die Arbeiter in gegenseitigen Eifersuchteleien auf. Angeblich der Streitereien wegen traten 2 Kollegen in den Tapeziererverband über, wogegen wir aber in Zukunft protestieren müssen. Jeder hat an seiner Stelle zu bleiben und mitzuarbeiten, damit es besser wird.“  Sattler-Zeitung, 18.12.1908, S. 203
31. Oktober  Der Ortsverein des Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte 1908 43 Mitglieder. Der Ortsverein Zossen des Zentralverbandes der Maurer hatte 122 Mitglieder. Das Ortskartell der Gewerkschaften umfaßt 11 Gewerkschaften mit 410 Mitgliedern.  Metallarbeiter-Zeitung, 17.04.1909, S. 125
Der Grundstein, 03.04.1909, S. 145
Statistische Beilage des Correspondenz-Blatt, Nr. 4, 15. Mai 1909, S. 117.

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