1894

 

Januar

„Die kleinen Plänkeleien, welche von unseren Parteigenossen mit den Behörden ausgekämpft werden müssen, dienen höchstens dazu, die Kraft derselben zu stählen, obgleich also die unaufhörlichen Quängeleien der Polizei, namentlich in den kleinen Orten, momentan wohl hindernd auf die Bewegung einwirken, vermögen sie auf die Dauer die sozialdemokratische Hochfluth nicht zu hemmen. In Kummersdorf, Kreis Teltow, sollte im September v. J. Eine öffentliche Volksversammlung stattfinden; dieselbe wurde aber vom Amtsvorsteher verboten, weil „Störung der öffentlichen Ordnung“ zu befürchten sei. Der Regierungspräsident zu Potsdam, bei dem Beschwerde eingereicht worden war, antwortete, daß das Verbot nicht zu billigen sei, da die an sich nicht unbegründete Befürchtung, daß es in der angemeldeten Versammlung zu eine Störung der öffentlichen Ordnung kommen könne, ein Verbot der Versammlung von vornherein nicht rechtfertige. Nach Empfang dieses Bescheides wurde sofort eine neue Versammlung in Mellen einberufen. Ein hauswirth stellte zu diesen Zweck 3 leerstehende Zimmer zur Verfügung. Der Bürgermeister von Zossen hatte nun nichts Eiligers zu thun, als diesen Übelthäter, der es wagte, in seiner Behausung sozialdemokratische Versammlungen stattfinden zu lassen, die Hypothek, welche die Stadt Zossen ihm geliehen hatte, zu kündigen. Der Mann nahm die Kündigung an und die Versammlung hat am letzten Sonntag bei sehr starkem Besuche von Männern und Frauen dochstattgefunden. Der laute fortwährende Beifall bewies uns, wie sehr das Verständnis für unsere Idee vorhanden ist und Genosse Zubeil hatte es auch in einem zweistündigen Vortrage über unser Programm sehr gut verstanden, die Masse zu begeistern. Zum Schluß wurden noch für Zossen, Mellen und Kummersdorf je eine Vertrauensperson gewählt, in Zossen selbst ist leider noch kein Lokal für uns zu haben. Mit einem brausenden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie gingen die Anwesenden auseinander.“

Quelle: Vorwärts, 30.01.1894, S. 5f

 

 August

Für das Tölcke-Denkmal zahlt W. Bänisch aus Zossen 8,30 M.
(Carl Wilhelm Tölcke war Führer der Dortmunder Sozialdemokraten, die 1893 erstmals in den Reichstag einzogen. Tölcke starb am 30.11.1893.)

Quelle: Vorwärts, 12.08.1894, S. 7

 

 

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