1902

Datum Ereignis Quelle
  Zu Beginn 1902 siedelte die Berliner Druckerei „Typographia“ Kunst- und Setzmaschinen GmbH nach Zossen über und wurde als neugegründete „Deutsche Buch- und Kunstdruckerei GmbH“ Eigentümerin der Anlagen in der Stubenrauchstraße und nahm den Druckbetrieb auf. Ein Großteil der Belegschaft ging mit.
Nachdem am 12. Juli 1900 die Louis Schneider und Co GmbH in „Typographia“ Kunst- und Setzmaschinen GmbH umbenannt wurde und das Stammkapital um 200000 Reichsmark auf 450000 Reichsmark erhöht worden war, musste 1901 Konkurs angemeldet werden. Am 24. August 1901 wurde deshalb ein Veräußerungsverbot für Gegenstände und Waren der „Typographia“ erlassen werden.Über die „Typographia“ wurde am 19. Oktober 1901 das Konkursverfahren eröffnet.
Reichsanzeiger, Nr. 184/1900
Reichsanzeiger, Nr. 204/1901
Reichsanzeiger, Nr. 205/1901, S. 8
  „Deutsche Buch- und Kunstdruckerei in Berlin. Eine große Buchdruckerei ist unter der Firma „Deutsche Buch- und Kunstdruckerei, G. m. b. H.“ in Berlin eröffnet worden.
Die Gesellschaft hat die Konkursmasse der Druckerei „Typographia“und auch die Buchdruckerei Wilhelm Wagner in Berlin übernommen. Zu Geschäftsführern wurden bestellt als technischer Leiter Herr Buchdruckereibesitzer Wilhelm Wagner , als kaufmännischer Leiter Herr Verlagsbuchhändler Hermann Hillger.“
Archiv für Buchgewerbe, vol. 39 (1902), S. 45
  „Auf einem Bau in Zossen wurde eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde erzielt.“ Grundstein, 22.03.1902, S. 1
10. April „Zossen (Mark). In der am 10. April abgehaltenen Versammlung wurde ein Ortsverein gegründet. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Kollegen Lenz, 1. Vorsitzender; Kalmus, 2. Vorsitzender; Schulz, Kassierer; Spradau, Schriftführer; Zschau und Kienast, Beisitzer.“ Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 24.04.1902, S. 5
20. April Bezirksversammlung Brandenburg des Buchdruckerverbandes: „Durch Errichtung einer Druckerei in Zossen hat sich die Zahl der Mitglieder im Bezirke wiederum erhöht, so daß dieselbe auf etwa 400 angewachsen ist.“ Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 03.05.1902, S. 4
1. Mai

Maifeier

„In Zossen zogen etwa 100 Buchdrucker unter Begleitung von sechs Polizisten von ihrer Druckerei nach Weinbergs Restaurant, um dort die erste Maifeier in diesem Orte zu veranstalten.“

Vorwärts, 04.05.1902, S 5f.
 

„Aus Zossen wird uns berichtet, daß auch dort eine Maifeier stattgefunden hat. In dies stille märkische Städtchen ist die Buchdruckerei „Typographia“ aus Berlin übergesiedelt und damit auch ein Stück moderner Arbeiterbewegung. Da in der Stadt selber kein Lokal für unsre Parteigenossen zu haben war, zog eine Anzahl Arbeiter, mit roten Nelken geschmückt, am Abend in das nahegelegene Dorf Weinberge, wo ihnen ein Saal zur Verfügung stand. Sechs Polizeibeamte waren zur Überwachung der „Umstürzler“ auf den Beinen. Man sang im Lokal fröhliche Lieder und die Beamten schienen bis 10 Uhr sich zu langweilen. Da pries ein Metallarbeiter die Einigkeit der Buchdrucker von Zossen und sprach die Hoffnung auf ein ferneres harmonisches Zusammenwirken der Arbeiterschaft aus. Sofort erklärte ein Beamter die „Versammlung für aufgelöst und forderte die Anwesenden in militärischem Ton auf, den Saal zu verlassen. So erreichte die Maifeier ihr Ende; dank der Besonnenheit der Arbeiter kamen keine störenden Zwischenfälle weiter vor.
Am 5. Mai wollten die Buchdrucker sich im selben Lokal über Angelegenheiten in ihrem Geschäft besprechen. Ein Beamter in Civil erschien; und ihm folgte eine Anzahl uniformierter Polizisten, um die gefährdete Ordnung zu retten. Solche vorkommnisse werden die Wirkung haben, die sie dank der Mannhaftigkeit der deutschen Arbeiter noch überall hatten. Auch in Zossen wird die Arbeiterbewegung unter Stürmen groß werden."

Vorwärts, 11.05.1902, S. 7
1. September Wilhelm Wagner, Direktor der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei in Zossen, wird Mitglied des Deutschen Buchgewerbevereins. Archiv für Buchgewerbe, 39. Band (1902), Heft 10, S. 393.
 7. September  Bezirksversammlung des Bezirks Brandenburg des Verbandes der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands: Der Bezirk hat 370 Mitglieder in 20 Orten. „In Zossen erfreuen sich die Kollegen von seiten der Polizei ganz besonderer Aufmerksamkeit; so z.B. wurde der Vorstand des Vorstands daselbst aufgefordert, die Mitgliederliste einzureichen, welchem Verlangen man nicht nachkam. Hierauf erhielten die sieben Mitglieder des Vorstandes ein Strafmandat von je 15 Mk. Die Sache kam dann zur gerichtlichen Entscheidung und die Strafe wurde bestätigt, denn das Gericht nahm an, daß der Zossener Ortsverein ein Glied des „sozialdemokratischen“ verbandes sei. Die Kollegen hätten diese Sache gern weiter verfolgt, wenn ihnen Rechtsschutz gewährt worden wäre, weil sie der Ansicht sind, daß nur Vereine, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten befassen, z.B. politische Vereine, Mitgliederlisten einreichen müßten. Der Zentralvorstand vereigerte den Rechtsschutz darum, weil er der Ansicht ist, daß wir uns wohl mit öffentlichen Angelegenheiten befassen, z.B. durch Absenden von Petitionen an die Behörden usw.“  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 23.09.1902, S. 3
   „Zossen (Monatsversammlung). Unter Vereinsmitteilungen brachte der Vorsitzende die Vereinigung der Gewerkschaft mit dem Verbande zur Kenntnis, die mit Freuden begrüßt sei. Die Quartalsabrechnung bot insofern ein charakteristisches Bild, als die Bewegungsstatistik eine sehr deutliche Sprache redete. Zugereist waren 30 Mitglieder, abgereist 63. Die Gesamtzahl der am Schluss des 3. Quartals verbliebenen Mitglieder betrug 59.Beschäftigt waren während des 3. Quartals 155 Mitglieder. Wie daraus ersichtlich, ist der Wechsel hierorts ein sehr starker, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß trotz wiederholter Vorstellungen, auch seitens des Gau- und Bezirksvorstandes, eine Kündigungsfrist nicht zu erlangen war.“  Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, 29.11.1902, S. 2
  „Zossen. Seit Anfang dieses Jahres besteht hier ein Betrieb unter dem Namen „Deutsche Buch- und Kunstdruckerei, GmbH“. Die Kollegen und Kolleginnen der Buchbindereiabtheilung, insgesammt 15 Personen, welche theils dem Verband schon angehörten, haben sich nach und nach demselben angeschlossen, dank eifriger Bemühungen einzelner Kollegen. Es sind somit ausnahmslos Alle organisirt. In diesem Betrieb ist die englische Arbeitszeit eingeführt; leider hat sich mit dieser Einrichtung zugleich ein Mißstand eingeschlichen, welchen die ersten im Betrieb beschäftigt gewesenen Kollegen verschuldete haben, nämlich die Bestimmung, daß das Buchbindereipersonal Abends eine Viertelstunde länger arbeiten muß, als das dort beschäftigte Personal der übrigen Branchen. Da unseres Erachtens für das Bestehen dieser ungerechten Bestimmung gar kein Bedürfniß vorhanden ist, so richteten wir vor circa drei Wochen an die Direktion eine von sämmtlichen Kollegen und Kolleginnen unterzeichnete Eingabe und baten um Abstellung derselben. Wir ersuchten in dieser um gleichstellende Regelung unserer Angelegenheit. Zunächst erhielten wir eine durchaus unbefriedigende Antwort mit einem deutlichen Winke als Anhängsel. Dieses veranlaßte sämmtliche Kollegen und Kolleginnen, eine Besprechung am 8. Dezember abzuhalten zwecks konsequenteren Vorgehens, wobei uns auch die Unterstützung des Arbeiterausschusses zu Gute kam. Und – was vordem so schwer erschien, war nun mit einem Male möglich. Diese plötzliche Gesinnungsänderung kann man sich daher nur als eine Wirkung des festen einmüthigen Vorgehends des Personals erklären.
Kollege Bytomski aus Berlin, welcher als Vertreter des Verbandes erschienen war, um nöthigenfalls vermittelnden Einfluß auszuüben, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß betreffende Angelegenheit so schnell einen günstigen Abschluß gefunden habe. Es war bereits vor seinem Eintreffen alles geregelt. Jedoch benützte Bytomski im Anschluß hieran die Gelegenheit, um den anwesenden Kollegen und Kolleginnen mit beredten Worten klar zu machen, wie noth es thut, sich dem Verband anzuschließen, treu zu ihm zu halten und am Ausbau der Organisation mitzuhelfen. Im Verlauf seiner Ausführungen betonte er besonders, daß man nicht nur zahlendes Mitglied sein dürfe, sondern auch regen Antheil nehemn solle am Verbandsleben. Nur die Einigkeit gebe uns die Gewähr, im gegebenen Moment gut ausgerüstet der Willkür und den Manipulationen des Arbeitgeberthums entgegentreten zu können, wozu wir im nächsten Jahre Vielleicht schon gezwungen werden. Die Worte Bytomskis wurden allseitig mit Begeisterung aufgenommen, und wir haben auch allen Grund, das Gehörte zu beherzigen, denn es ist den Mängeln unseres Betriebs speziell die
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Lohnfrage, welche in absehbarer Zeit besonderer Beachtung werth ist.
Mögen sich deshalb die Kollegen und Kolleginnen stets bewußt bleiben, daß zu einem zielbewußten Vorgehen immer ein einheitliches Zusammenhalten erforderlich ist, somit erwächst für jeden Einzelenen die Pflicht, organisirt zu sein.
Hat diese Erkenntniß Jeder richtig erfaßt, dann, Kollegen und Kolleginnen, wird auch die Saat, die Verband ausstreut, solche Erzeugnisse hervorbringen, die jedem Einzelnen von uns greifbare Vortheile bietet.“
 Buchbinder-Zeitung, 27.12.1902, S. 3
   Jahresbericht für 1902 der Zahlstelle Zossen des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands:
„Die Mitgliederversammlungen wurden regelmäßig in jedem Monat einmal abgehalten, waren jedoch immer schwach besucht. Es ist daher nur zu wünschen, daß es in diesem Jahre besser wird, wenn wir nicht rückwärts marschiren wollen. Die Interesselosigkeit der Kollegen ist in unseren Zweigvereinen sehr groß, das wissen unsere Unternehmer sehr genau und sie ziehen daraus ihren Vortheil. Zum dritten Mal haben wir jetzt Forderungen betreffend Lohnerhöhungen und besseren Arbeitsschutz gestellt, aber noch nie eine Antwort erhalten. Die diesjährige Forderung von 42 ½ Pf. Stundenlohn werden unsere Unternehmer auch diesmal keiner Antwort würdigen, wenn die Kollegen nicht bald aus ihrem Schlaf erwachen. Die Baukonjunktur wird im Frühjahr günstig sein in unserem Lohngebiet, da ist es wohl Pflicht eines jeden Kollegen, das Versäumte nachzuholen und den indifferenten Kollegen auf den Arbeitsstellen in den Ruhepausen die nöthige Aufklärung zu geben. Es ist schon vorgekommen, daß Kollegen, die noch an „patriotischen“ Dingen viel Freude haben, es nicht für nöthig hielten, ihre Verbandspapiere vorzuzeigen. Ebenfalls fehlt die nöthige Umsicht auf den Bauten beim Gerüstbau. Was Baubuden anbetrifft, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Im vorigen Jahre haben Kollegen von uns in Marienfelde gearbeitet für 38-40 Pf. pro Stunde, wo laut Vereinbarung ein Stundenlohn von 65 Pf. bezahlt werden muß. Diese Kollegen davon abzuhalten, war uns und dem Marienfelder Vorstand unmöglich, denn die meisten Kollegen haben der Organisation den Rrücken gekehrt. Sie wollen Liebkind beim Meister bleiben. Zu der Einsicht sind sie noch nicht gekommen, daß sie sich selbst und ihre Mitarbeiter damit schädigen, sie veremiden auch jeden freundschaftlichen Verkehr mit orgamnisierten kollegen. Sollten diese Auchkollegen sich inzwischen eines Besseren besonnen haben, dann mögen sie in unsere Reihen wieder eintreten. Auch haben wir noch einige andere Kollegen. Sie arbeiten in Berlin, halten es aber nicht für nöthig, die 65 Pf. Verbandsbeitrag zu zahlen; sie ernten wohl, haben aber keinen Pfennig zur Saat übrig
. Einige Kollegen, die hier wegen Schulden gestrichen worden sind, lassen sich in Berlin aufnehmen und erzählen dort: bei uns gibt’s keinen Verband. In Zukunft werden die Berliner Kollegen darauf mehr achten müssen. Unsere Einnahme für die Hauptkasse betrug M 1164,68, die Ausgabe M 1154,66. Die Einnahme für die Lokalkasse betrug M 398,98, die Ausgabe M 369,37, somit Kassenbestand M 2961. Neu eingetreten sind 29 Mitglieder. Einige Kollegen sind mit ihren Beiträgen noch im Rückstand; diese mögen hiermit daran erinnert sein. Die alten Beitragsmarken werden nach der Februarversammlung abgeschickt. Im Übrigen werden alle Kollegen ermahnt, in diesem Jahre eine frische, fröhliche Thätigkeit in der Organisation zu entfalten.“
 Der Grundstein, 14.02.1903, S. 9

 

 

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