1909

 

 Datum  Ereignis  Quelle
   „Zossen. Als brutal sind die Maßregeln zu bezeichnen, die sich die Leitung der Firma „Internationale Schlafwagengesellschaft“ gegen den Arbeiterausschuß erlaubt. Dieser besteht noch kein Jahr und doch sind bis jetzt schon fünf seiner Mitglieder gemaßregelt worden. Dies geschah immer dann, wenn der Arbeiterausschuß seine Pflicht erfüllte und Mißstände zu beseitigen suchte. Welcher Art diese Mißstände waren, zeigt uns die Tagesordnung, die in der ersten Ausschußsitzung zur Beratung stand: 1. Beratung der Geschäftsordnung. 2. Regelung des Akkordwesens. 3. Beschaffung eines Speiseraums. 4. Beschaffung von Waschgelegenheit. 5. Beschaffung von Kleiderspinden. Ist es für eine Firma, wie die in Frage stehende schon beschämend genug, daß die Arbeiter erst das fordern müssen, was von jeder anständigen Firma als selbstverständlich anerkannt und ohne Zutun der Arbeiter eingeführt wird, so wirft die Tatsache, daß wegen Eintretens für Beseitigung dieser Mißstände fünf Arbeiter in dem Zeitraum von dreiviertel Jahren gemaßregelt wurden, ein bezeichnendes Licht auf den Charakter der Zossener Betriebsleitung. Zuerst suchte der die Filiale Zossen leitende Ingenieur Bender den Arbeiterausschuß durch Versprechen einzulullen. Als dies mißlang, versuchte er einzelne Mitglieder desselben für seine Zwecke zu gewinnen. So erklärte er dem Obmann des Arbeiterausschusses gelegentlich: „B....., Sie haben einen solch klaren Blick über die Einrichtung unseres Betriebes, daß ich geneigt wäre, alle Fragen mit Ihnen allein zu verhandeln. Außerdem wissen Sie sich auch in der Form richtig auszudrücken.“ Als aber dieser Arbeiter das Ansinnen dankend ablehnte, da fand der Herr Bender sehr bald andere Worte. Man sagte dem Kollegen zunächst nach, er habe an einem Wagen für 225 M Material verbraucht. Zum Glück konnte unser Kollege durch Kopierbuch nachweisen, daß sich die Herren in der Leitung geirrt hatten. Dann aber entwickelte sich der Ton immer mehr zu der Art, aus der der Haß gegen die Arbeiter deutlich herausklang. Und doch sollte man es gerade dem Arbeiterausschuß danken, daß er dahin wirkte, aus der Filiale Zossen eine den Zeitverhältnissen einigermaßen entsprechende Werkstätte zu machen. Mehreremal hat der Ausschuß gefordert, die Betriebsleitung möge angesichts der vielen Unglücksfälle, die dort vorkommen, einen Verbandkasten und eine Krankentragbahre anschaffen, allein dies hält der Herr Bender nicht für notwendig, trotzdem wiederholt Arbeiter verunglückten. Wie es einem solchen Unglücklichen ergeht, mag folgender Vorfall illustrieren: Am 24. Juli 1908 geriet der im Hirsch-Dunckerschen Werkverein organisierte Kollege K. - nicht durch seine Schuld, sondern durch den Mangel an gesetzlich vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen – in die Transmission einer elektrisch betriebenen Hebevorrichtung. Seine Kleidung wurde erfaßt, er selbst zur Erde geworfen., ein Arm und ein Bein in die Transmission gezogen und zerquetscht. Nachdem man den Armen durch Zerschneiden der Kleidung losgemacht hatte, war keine Bahre zur Stelle und so wurde er, bis der Arzt hinzukam, auf den Fußboden zwischen Klamotten, Öl, Dreck und sonstigen Unrat gelegt. Dabei blutete K. Stark, denn vom Arme war das Fleisch bis zum Ellenbogen vollständig abgetrennt, so daß Knochen und Sehnen frei lagen. Als der Arzt seine Überführung in ein Krankenhaus anordnete, mußte sich die Firma „Internationale Schlafwagengesellschaft“ erst eine Bahre leihen. K. Liegt noch heute im Krankenhaus und wird ein Unglücklicher sein ganzes Leben lang bleiben. Als der Arbeiterausschuß nach diesem Unglück abermals eine Krankenbahre und einen Verbandkasten für den „Neubau“ forderte, versprach man, dieses Verlangen zu erfüllen, es ist aber bis in den letzten Tagen das Versprechen unerfüllt geblieben, obwohl schon wieder ein Lackierer schwer verunglückt ist. Anstatt durch Erfüllung des berechtigten Verlangens des Arbeiterausschusses die Unglücksfälle zu vermindern zu suchen, stellte der Herr Betriebsleiter an die Arbeiter das Ansinnen, sie sollten alles Kupfergeld, also 1 Pf.- und 2 Pf.-Stücke, die sie bei der Löhnung erhalten, in eine Krankenunterstützungsfonds abführen, um dadurch der Not der Verunglückten abzuhelfen. Anstatt daß also die „Internationale Schlafwagengesellschaft“ das Leben und die Gesundheit ihrer Arbeiter durch Schutzvorrichtungen sichert, will man die, die durch das Fehlen dieser Schutzvorrichtungen zu Krüppeln geworden sind, durch die Kupferpfennige der Arbeiter unterstützen. Wirklich eine bequeme Methode. Wir erlauben uns aber am die Firma die unbequeme Frage: Wie lange noch soll dieses Spiel dauern? Der Arbeiterausschuß hat denn auch diese Zumutung abgelehnt, wie er auch einen ander3en Vorschlag des Herrn Betriebsleiters ablehnte, der dahin ging, bei der Löhnung nur die vollen Mark zur Auszahlung zu bringen, das übrige Silber- und Nickelgeld aber so lange in den Händen der Firma zu lassen, bis die Mark voll ist. Ob dieser Vorschlag der Bequemlichkeit beim Lohnauszahlen wegen oder einem „gelben“ Ziel zuliebe gemacht wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Daß der Arbeiterausschuß bei solchen Zuständen keine leichte Arbeit hatte, ist erklärlich, und deshalb sollte am 30. November 1908 abermals eine Sitzung mit der Betriebsleitung stattfinden. In unserem Kollegen, mit dem der Herr Bender früher so gerne „allein“ verhandeln wollte, und dem er nachsagte, er habe einen Blick für die Betriebsverhältnisse, er finde die richtige Form und die richtigen Worte in der Unterhandlung, erblickte derselbe Herr Bender jetzt die treibende Kraft, die die Ausschußsitzung verlangte. Und just zu demselben Zeitpunkt – oder war es doch eine ganze Stunde früher -, zu dem die Sitzung festgesetzt war, wurde er entlassen. Dies war am 30. November 1908. Am Mittwoch den 2. Dezember befaßte sich mit dieser Angelegenheit eine Betriebsversammlung, in der beschlossen wurde, den Arbeiterausschuß aufzufordern, sein Amt niederzulegen. Der Arbeiterausschuß kam dieser Aufforderung nach und erklärte der Betriebsleitung, daß er sich selbst seines Amtes enthebt. Fünf Mitglieder des Ausschusses sind in dreiviertel Jahren entlassen worden, in derselben Zeit sind vier schwerde Unglücksfälle vorgekommen. Von 186 Arbeitern verdienen ganze 6 über 50 Pf. die Stunde, aber nicht einer erreicht 60 Pf.; hingegen erhalten verheiratete Sattlergesellen 84 Pf. pro Stunde. Die Erklärung des Betriebsführers, „es melden sich täglich massenhaft Arbeiter“, ist kein Beweis dafür, daß die Verhältnisse erträglich sind, sondern nur dafür, daß die meisten der sich Meldenden die bei der Firma „Internationale Schlafwagengesellschaft“ herrschenden Mißstände nicht vermuten. Wir ersuchen daher die Kollegen, bevor sie bei dieser Firma, Filiale Zossen, in Arbeit treten, sich erst über die dortigen Verhältnisse zu orientieren.“  Metallarbeiter-Zeitung, 09.01.1909, S. 15
 21. Januar  „Die Krisis! Heute wurden 32 Arbeiter der hiesigen Internationalen Schlafwagenfabrik wegen Arbeitsmangel sofort entlassen. Darunter befinden sich auch Familienväter.“  Vorwärts, 22.01.1909, S. 14
   Für Zossen ist bei den Tabakarbeitern Wilhelm Busak 1. Bevollmächtigter, Barutherstr. 7; Georg Reetz 2. Bevollmächtigter, Mittenwalder Chausseee; G. Krause und Max Seifert sind Kontrolleure.  Der Tabak-Arbeiter, 24.01.1909, S. 3
Der Tabak-Arbeiter, 07.03.1909, Adressverzeichnis
 24. Januar  „In der gut besuchten Generalversammlung (der SPD) gab Genosse Gieske den Jahresbericht. Aus demselben ist zu entnehmen, daß am 17. Januar 1909 121 männliche und 17 weibliche Mitglieder vorhanden waren. Es fanden statt: 12 Mitgliederversammlungen, 3 Volksversammlungen, außerdem 2 Agitationsversammlungen in Dabendorf und Nächst-Neuendorf. Der Jahresbericht des Kassierers Genossen Saupe ergab folgendes: Die Gesamteinnahme betrug 485,02 M., die Ausgabe 409,31 M., mithin blieb ein Bestand von 25,71 M. An den Zentralvorstand wurden 243,93 M. abgeführt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Genosse Saupe; 2. Vorsitzender Genosse Budeus; Kassiere Genosse Wißmann; Schriftführer Genosse Tschersich; als Beisitzerin Genossin Tschersich; Lokalkommission Genosse Wischendorf und Genosse Robert Scholz; Revisoren Genosse Rakow und Genosse Rönnebeck; Parteispediteur Genosse Matuschek; Berichterstatter und Bibliothekar Genosse Gieske. Bezirksführer: 1. Bezirk Genosse G. Lehmann; 2. Bezirk Genosse Piesnack; 3. bezirk Genosse Börnicke; 4. Bezirk Genosse Wiesen; 5. Bezirk (Dabendorf) Genosse Wendorf. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Tschersich und Wißmann sowie Genossin Tschersich Delegiert. Unter Verschiedenem wurde noch eine fünfgliedrige Kommission gewählt, welche die Vorbereitung der in diesem Jahre stattfindenden Stadtverordnetenwahlen zu erledigen hat. In die Kommission wurden gewählt die Genossen O. Rakoe, E. Rönnebeck, W. Gieske, K. Grobe und Jul. Piesnack.  Vorwärts, 27.01.1909, S. 14
   „Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Kenntnisnahme des Verwaltungsberichtes für 1908. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters sind für die Stadt im Jahre 1908 sehr wesentliche Fortschritte zu verzeichnen, wie Neupflasterungen verschiedener Straßen, Errichtung eines Gemeindehauses zur Pflege echt christlicher Gesinnung, die Errichtung der Volksbibliothek sowie die Inangrifnahme des Baus einer Gasanstalt, die bereits im Oktober 1909 fertiggestellt sein soll. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 4830 und hat sich um 56 vermehrt. Die Zahl der stimmfähigen Bürger ist von 777 auf 815 gestiegen. Der Punkt: Errichtung einer Fortbildungsschule fand sehr schnell seine Erledigung dadurch, daß der Bürgermeister erklärte, daß ihm von der Regierung mitgeteilt worden wäre, daß in diesem Jahre keine Gelder für neue Fortbildungsschulen im Staatshaushalt vorgesehen wären und somit kein Zuschuß gewährt werden könne. Die Stadt allein sei nicht imstande, die Kosten einer Schule zu übernehmen, denn dieselben betrügen 1400 M.
Nach unerheblicher Debatte wurde dann noch auf Befürwortung des Bürgermeisters die Errichtung einer Fortbildungsschule zurückgestellt. – Ferner wurde noch der Prozentsatz der Steuern für 1909 festgestellt. Danach ist auf Antrag des Magistrats derselbe Steuersatz vorgesehen wie im Vorjahr und zwar 160 Proz. Gemeindesteuern, 160 Proz. fingierte Kommunalsteuern, 270 Proz. Grundsteuern, 200 Proz. Gewerbesteuer, 200 Proz. Betriebsteuer. Der Antrag des Magistrats wurde debattelos angenommen.
Nachdem noch für die in Messina Geschädigten 50 M.bewilligt wurden, wurde die nur 1 ¾ Stunden dauernde Stadtverordnetenversammlung geschlossen. Es ist beschämend, zu sehen, mit welcher Verständnislosigkeit und Gemütlichkeit diese sogenannten Vertreter der Bürgerschaft die wichtigsten Dinge behandeln. Was der Magistrat empfiehlt, wird angenommen. Die geistige Höhe der Verhandlungen wird durch folgendes Beispiel charakterisiert: Als es sich um die Bewilligung einer Summe für die Geschädigten in Messina handelte, meinte ein Stadtverordneter: „Mein Vorredner ist im Unrecht, wenn er meint, das Geld bekommen doch nicht die Armen und deshalb sollte man die Bewilligung ablehnen. Es müßte schon deshalb bewilligt werden, weil Italien zum Dreibund gehört und ein jeder Patriot soviel Menschlichkeitsgefühl haben müßte, um für die Geschädigten unserer Bundesgenossen einzutreten.“
 Vorwärts, 10.02.1909, S. 10
   „Zossen. (Vierteljahresbericht.) In Tariflicher Beziehung hatte sich der Bezirksvorstand in letzter Zeit zunächst mit dem zum Bezirke Zossen gehörigen Orte Dahme (Mark) zu beschäftigen. Es bestehen dort zwei Druckereien, wovon die eine einen Gehilfen und vier Lehrlinge beschäftigt, während in dem anderen Kunsttempel sechs Lehrlinge ausgeb—ildet werden. Da eine Einigung auf Einführung tariflicher Verhältnisse trotz vorheriger Zusage nicht erzielt wurde, mußte auch dieser eine Gehilfe die Stätte seines Wirkens verlassen. Jedenfalls wird es sich der Bezirksvorstand angelegen sein lassen, mit dieser Lehrlingszüchterei sich näher zu befassen. Des weitern war es die Firma Fromm (Inh. Otte) in Zossen, mit welcher sich eine Versammlung wegen tariflicher Mißstände zu beschäftigen hatte. Doch wurde hier, nachdem eine Kommission mit dem Inhaber der Firma Rücksprache genommen, das europäische Gleichgewicht wieder hergestellt, und es wird an den dort beschäftigten Kollegen selbst liegen, darauf zu achten, daß die ihnen zustehenden tariflichen Rechte gewahrt bleiben. – Im November hatten die Faktore der Deutschen Buch- und Kunstdruckerei eine schön arrangierte Drucksachenausstellung arrangiert, zu welcher sämtliche Kollegen unentgeltlich Zutritt hatten. Außerdem fanden an drei Abenden Vorträge über die Herstellungsweise der einzelnen Druckarbeiten statt. Für die Bemühungen sei den Herren noch an dieser Stelle Dank erstattet. – Am 13. Dezember hatten wir Gelegenheit den stellvertretenden Gehilfenvorsitzenden Faber (Berlin) in Zossen zu begrüßen. Derselbe referierte in eineinhalbstündigen Ausführungen über einige wichtige Punkte unseres Tarifs, wofür ihm der Dank der Versammlung wurde. – Von der am 28. Januar abgehaltenen Generalversammlung ist zu erwähnen, daß der Gesamtvorstand per Akklamation wiedergewählt wurde. Eingehend befaßte sich die Versammlung mit der gegenwärtigen Lage des Odergaus. Nachdem der Gautag, dann später eine erweiterte Bezirksleiterkonferenz im Beisein des Zentralvorstandes die Teilung definitiv beschlossen, kommt nun vom Zentralvorstande die Order, daß gegen die Teilung Protest erhoben ist und infolgedessen „vorläufig“ davon abgesehen werden muß. Des weiteren wurde ausgeführt, daß der Gauvorstand des Odergaus nur ein provisorischer sei und der Gehilfenvertreter (laut Versammlungsbericht aus Stettin) sein Amt niedergelegt habe. Um geregelte Verhältnisse im Gau wiederherzustellen, erklärte sich die Versammlung einstimmig für Abhaltung eines außerordentlichen Gautags und beauftragte den Vorstand, die übrigen Bezirke des Gaus von dem Beschluß in Kenntnis zu setzen. Der Vorsitzende Wiedemann gab noch bekannt, daß der aus Königsberg gebürtige und vom Gau Oberrhein ausgeschlossene Setzer W. Meyer, nachdem er hier eine kurze Gastrolle gegeben, Zossen unter Hinterlassung mehrerer „Leidtragender“ verlassen hat. Da M. in mehreren Druckorten dies Manöver schon vollführt hat und auch in der Hauptsache wegen Schuldenmachens sein Ausschluß erfolgt ist, seien die Kollegen vor ihm gewartnt. Zum Schlusse wollen wir noch erwähnen, daß es mehrere Mitglieder fertiggebracht haben, im Laufe des Jahres nicht eine Versammlung zu besuchen. Hoffen wir, daß diese Kollegen künftig etwas mehr Verbandsinteresse an den Tag legen!“  Korrespondent, 13.02.1909, S. 4
   „Zossen. Bleibt die hiesige Kommune gegenüber der Arbeitslosigkeit und dem Elend untätig? Die vom hiesigen Wahlverein mit den Gewerkschaften unternommene Arbeitslosenzählung hatte folgendes Ergebnis:
Es wurden gezählt 152 Arbeitslose, davon waren 111 Familienväter mit 243 Kindern. Ein großer Teil der Arbeitslosen war bereits seit November vorigen Jahres ohne Arbeit. Der Zossener Arbeiterschaft war es leider in Ermangelung eines Vertreters nicht möglich, den Herren Stadträten das große Elend vor Augen zu führen. Es wurde daher an den Magistrat eine Petition gerichtet, worin um Bewilligung einer angemessenen Geldsumme zur Linderung der großen Not ersucht wird. Der Magistrat hatte hierauf die bei der Zählung benutzten Hauslisten eingefordert, dieselben wurden auch prompt zugestellt. Seitdem sind bereits vierzehn Tage verstrichen und noch immer ist weder eine Stadtverordnetenversammlung einberufen worden, noch sind irgendwelche Maßnahmen zur Linderung der Not getroffen. Aus vorstehendem mag die Arbeiterschaft ersehen, wie notwendig es ist, daß sie Vertreter in die Stadtverordnetenversammlung entsendet. Schon jetzt gilt es, auf die im November dieses Jahres stattfindende Stadtverordnetenwahl die arbeitende Bevölkerung aufmerksam zu machen.“
 Vorwärts, 26.02.1909, S. 10
   „In Zossen wurde am Anfang des Jahres mit der Geschäftsleitung der Deutschen Kunst- und Buchdruckerei ein Tarif abgeschlossen. Alle in den drei am Ort befindlichen Betrieben beschäftigten Kollegen und Kolleginnen sind organisiert.“  Buchbinder-Zeitung, 06.03.1909, S. 76
   „3 bis 4 tüchtige Justierer und Wageneinbauer, seßhaft und selbständig arbeitend, werden für dauernd gesucht. Firma Hermann Zschauer G.m.b.H. Zossen bei Berlin.“  Vorwärts, 14.03.1909, S. 24
   „Zossen. Einen Unterhaltungsabend veranstaltet der Arbeitergesangverein „Freie Sänger“ am Sonntag, den 21. März, abends 7 Uhr im Lokal von Kurzner. Da genannter Verein bei Arbeiterfestlichkeiten stets bereitwilligst mitgewirkt hat, werden die Genossen ersucht, das Fest nach Möglichkeit zu unterstützen.
Am gleichen Abend hält auch der Turnverein „Jahn“ im Lokal von Dähne ein Vergnügen ab. Der Verein sucht Eintrittskarten zum Preise von 60 und 75 Pf. auch unter der organisierten Arbeiterschaft abzusetzen. Die Genossen werden darauf hingewiesen, daß die Arbeiterbewegung von Mitgliedern dieses Vereins nicht selten aufs heftigste bekämpft worden ist.“
 Vorwärts, 18.03.1909, S. 15
 21. März  „Die am letzten Sonntag stattgefundene Wahlvereinsversammlung zeichnete sich durch schlechten Besuch aus. Der Vorsitzende teilte mit, daß am 25. März ein zweiter Vortragsabend stattfindet. Zum provisorischen Bezirksführer für den dritten Bezirk wurde der Genosse Stamm gewählt. Nachdem der Vorsitzende auf die am Sonntag, den 28. März, stattfindende Agitationstour nach Schöneiche hingewiesen und die anwesenden Mitglieder aufgefordert hatte, für unsere Sache mehr wie bisher zu agitieren, erfolgte Schluß der Versammlung.“  Vorwärts, 24.03.1909, S. 14
 28. März  Öffentliche Versammlung im Lokal Kuzner zum Thema „Unsere Stadtverwaltung und die Arbeitslosigkeit“::
„In einer von zirka 300 Personen besuchten Protestversammlung der Arbeitslosen referierte am Sonntagabend Genosse Hetzschold-Berlin. Der Referent kennzeichnete in treffender Weise die wirtschaftliche Lage im allgemeinen und die Stellung der hiesigen Stadtverwaltung zu der Arbeitslosigkeit am Ort im besonderen. Daß der Magistrat nicht einmal eine an ihn gerichtete Petition des Gewerkschaftskartells, in welcher derselbe um Linderung der Arbeitslosigkeit ersucht wird, beantwortete, kritisierte der Redner scharf; desgleichen auch, daß die Stadtverwaltung noch nichts zur Linderung der Not getan habe. Viel schneller fänden die gleichgültigsten Dinge ihre Erledigung in der beratenden Körperschaft. Mit der Aufforderung an die Erschienenen, sich dem Sozialdemokratischem Wahlverein anzuschließen, schloß Redner seinen fesselnden sowie lehrreichen Vortrag. In der nun folgenden Diskussion wurde von allen Rednern aufs schärfste das Verhalten der Stadtverwaltung verurteilt. Eine in diesem Sinne vorgelegte Resolution wurde mit einigen Stimmenthaltungen angenommen. Von den eingeladenen Stadtverordneten waren sechs erschienen, die es aber vorzogen, schon während des Referats zu verschwinden. Dieser Vorgang beweist, daß den Herren das Herz in die Hosen fällt, wenn sie über ihr Tun und Lassen Rechenschaft ablegen sollen. Bei der nächsten Stadtverordnetenwahl wird die Arbeiterschaft mit den Bürgerlichen abrechnen.“
 Vorwärts, 01.04.1909, S. 10
 

26. April

 Volksversammlung im Lokal Kurzner. Referent Fritz Zubeil; Thema: „Neue Volkslasten als Reichsfinanzreform“   Vorwärts, 30.04.1909, S. 10
 1. Mai „In der Stadtverordnetenversammlung am 1. Mai wurde nach warmer Befürwortung des Bürgermeisters der Bau der Gasanstalt für die Stadt an die Berlin-Anhalter Maschinenfabrik endgültig vergeben. Zugleich schloß die Versammlung einen auf 25 Jahre lautenden Pachtvertrag über den Betrieb der Gasanstalt mit dieser Firma. Die Stadt hat eine Gewinnbeteiligung von 75 Prozent jährlich. Bei genügender Rentabilität der Anstalt steht der Stadt das Recht zu, den Vertrag nach einjähriger Kündigungsfrist zu lösen, jedoch nicht vor Ablauf der ersten 4 ½ Jahre. Die Baufirma hat das Monopol auf sämtliche Hausanschlüsse und Installationen. Die Inbetriebsetzung der Anstalt soll am 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. Zu dem Bau der Gasanstalt hat die Stadt eine Anleihe von 200.000 M. aufgenommen. Die gegenwärtige mangelhafte Beleuchtung unserer Stadt liegt bekanntlich in den Händen der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, die zweifellos mit der neuen Gasanstalt in einen schweren Konkurrenzkampf treten dürfte. – Der Unterricht in der Fortbildungsschule wurde im Rechnen, Deutsch und Zeichnen obligatorisch eingeführt, wobei sich die Herren Stadtväter wieder recht rückständig zeigten, indem sie die Zeichenstunden auf Sonntag vormittag festgesetzt sind.
Mit dem Verhalten des früheren Rendanten der Allgemeinen Ortskrankenkasse „Aeskulap“, Herrn Stadtverordneten F. Bartels, beschäftigten sich zwei Generalversammlungen obengenannter Kasse. Wie man uns meldet, hat die Revisionskommission der Kasse schon im vergangenen Jahre dem Vorstande die Mitteilung gemacht, daß sich die Bücher des Rendanten nicht in Ordnung befänden. Spätere Revisionen bestätigten diese Angaben; sie führten dazu, daß der Vorstand dem Rendanten die Bücher abnahm und dieselben der Aufsichtsbehörde (Magistrat) übergab. Einige Tage später übergab Herr Bartels auch die Kasse dem Magistrat. Auch dieser soll, wie in der Generalversammlung mitgeteilt wurde, eine Unordnung der Bücher festgestellt haben. Einstimmige Annahme fand ein Antrag, wodurch Herr Bartels ersucht wird, sein Stadtverordnetenmandat sowie seine sonstigen öffentlichen Ämter niederzulegen."
 Vorwärts, 05.05.1909, S. 14
 9. Mai  Gautag des Odergaus der Deutschen Buchdrucker und Schriftgießer in Stettin. Der neugebildete Bezirk Zossen wird durch die Delegierten Wiedemann, August Krüger, Robert Schulze und Dannappel vertreten.  Korrespondent, 20.05.1909, S. 1
 6. Juni  Beim Gautag der Buchbinder in Rathenow sind die Einzelmitglieder Zossens nicht vertreten.  Buchbinder-Zeitung, 19.06.1909, S. 196
 27. Juni  Konferenz des 13. Gaues des Deutschen Tabakarbeiterverbandes. Delegierter aus Zossen, Freiwald, beteiligt sich an der Diskussion.  Der Tabak-Arbeiter, 18.07.1909, S. 5
 22. Juli  „Die letzte Wahlvereinsversammlung war gut besucht, auch Frauen waren anwesend. Genosse Dentzer-Berlin referierte über die Kommunalpolitik. Derselbe verbreitete sich in seinem zirka zweistündigen Referat über alle Gebiete der Kommunalpolitik. An der Hand von statistischem Material führte er den Anwesenden vor Augen, in wie ungerechter Weise die Wahlen zu den Kommunen gemacht werden, daß durch diesen Wahlmodus nur der „Verein zur Erhebung der Miete“ zu seiner Vertretung käme und der größte Teil der Wählerschaft fast völlig einflußlos bleibe. Gerade jetzt, wo wir am hiesigen Orte vor den Stadtverordnetenwahlen stehen, sei es Zeit, weiteren Kreisen die Rechtlosigkeit vor Augen zu führen und dafür zu wirken, daß auch endlich in diesem Hinterland Bresche in die Hochburg der Geldsackvertreter gelegt werde. Als Bibliothekar wurde Genosse Ridziewski, zum Bezirksführer für den 3. Bezirk der Genosse Edler gewählt. Zum Schluß wies der Vorsitzende auf die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen hin und forderte die anwesenden Genossen zur fleißigen Mitarbeit, wie Ausfüllen der Hauslisten usw. auf.“  Vorwärts, 25.07.1909, S. 14
 25. Juli  „Zossen. Eine Straßendemonstration fand am Sonntag am hiesigen Orte statt. Allerdings handelte es sich nicht etwa um Sozialdemokraten, sondern um Patrioten. Anläßlich des Schützenfestes fand ein Umzug durch die Straßen des Orts statt unter polizeilicher Begleitung; natürlich fehlte auch die Musik nicht. Die Leute marschierten durch die Stadt mit Tesching und Seitengewehr, als wären sie ganz allein da. Unter den Schützenbrüdern befinden sich viele Geschäftsleute, die dafür gesorgt hatten, daß an diesem Tage offenbar zur besonderen Weihe die Geschäfte bis abends 7 Uhr geöffnet sein durften; für die Angestellten kein besonderes Vergnügen. Wir wollen sehen, ob auch den Sozialdemokraten bei der nächsten Gelegenheit ähnliches gestattet wird. Wir zweifeln.“  Vorwärts, 29.07.1909, S. 10
   Tarife bestehen im Gau 1 des Buchbinder-Verbandes an 6 Orten: Luckenwalde, Potsdam, Nowawes, Neu-Babelsberg, Rathenow und Zossen. Der Minimallohn beträgt für Gehilfen in Luckenwalde 18,24 Mk., in Potsdam-Nowawes und Rathenow 22 Mk., in Zossen 24 Mk.; für Arbeiterinnen in Luckenwalde 5,70 Mk. Bis 8,55 Mk., in Neu-Babelsberg 6 Mk. Bis 13,50 Mk. Und in Zossen 7 Mk. Bis 13,50 Mk.  Buchbinder-Zeitung, 31.07.1909, S. 244
   „Zossen. Mit der Klagesache gegen den früheren Kassenbeamten der hiesigen Ortskrankenkasse Aeskulap, Berrtheld (Bartels!-- K.L.), der seiner Zeit wegen unordentlicher Buchführung und eines bei der Revision festgestellten Fehlbetrages entlassen wurde, beschäftigte sich neben anderen Angelegenheiten die letzte Generalversammlung genanter Kasse. Wie berichtet wurde, hat B. den Fehlbetrag ersetzt. Dem jetzigen Kassenbeamten Golmar ist für die Regulierung der Bücher der Betrag von 125 M. zugebilligt worden., für welchen die Kasse B. ersatzpflichtig machen will. B. hat sich geweigert diesen Betrag zu zahlen, weshalb die Kasse beim Amtsgericht den Klageweg gegen B. beschritten hat. Da B. bestreitet, die Bücher nicht ordnungsmäßig geführt zu haben, sollen dieselben durch einen vereideten Sachverständigen geprüft werden.“  Vorwärts, 03.08.1909, S. 10
   „Zossen. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde der Pflasterung der Mittenwalder Straße in einer Länge von 60 Metern zugestimmt. Die mit den Gasanstaltsarbeiten betraute Firma hat statt 150 Röhren, wie vereinbart, nur 125 verlegt; die Versammlung beschloß, daß die Firma den Fehler auf eigene Kosten abändern soll. In der Debatte über die höhere Knabenschule zeigte sich wieder, daß, sobald es sich um Dinge handelt, die die Besitzenden angehen, Geld keine Rolle spielt. Der Magistrat hat für den Bau der achtklassigen Schule noch 26.000 M. beantragt. Man war sich nun noch nicht recht einig, ob in dieser Summe die Utensilien mit enthalten seien. Der Bürgermeister gab eine Aufklärung dahin, daß noch die Kosten für eine Zentralheizung in Höhe von 1000 M., ein Bauleiter mit 800 M. und die Ausgaben für die Utensilien hinzukämen; im allgemeinen wäre die Summe äußerst niedrig.
Dieser Bau, in dem ganze 50 Schüler unterrichtet werden sollen, kostet der Stadt die Summe von 75000 M. Allem Anschein bleibt es noch nicht bei obiger Summe, denn der Bürgermeister erklärte, daß, wenn mehr Mittel benötigt würden, der Magistrat an die Stadtverordnetenversammlung herantreten würde. Das kann ja schön werden.“
 Vorwärts, 29.08.1909, S. 19
   Im Zusammenhang mit der Krise der Tabakindustrie kommt es auch in Zossen zu Entlassungen. Die Firma Gustav Krause entläßt einen Arbeiter. (Zum Vergleich: In Trebbin werden 160 Arbeiter auf 14 Tage entlassen)  Tabak-Arbeiter, 05.09.1909, S. 2T
(Tabak-Arbeiter, 29.08.1909, S. 1)
 18. September  „Zossen. Am heutigen Abend veranstaltet die „Freie Turnerschaft“ im Lokale von P. Kurzner ihre diesjährige Rekrutenabschiedsfeier. Das Programm der Feier ist ein reichhaltiges, weshalb den Parteigenossen anheimgestellt wird, den Turnverein, der zu Arbeiterfestlichkeiten stets mitgewirkt hat, durch ihren Besuch zu unterstützen.“  Vorwärts, 18.09.1909, S. 14
   Im September werden im Bereich der Drucker und Schriftgießer in Zossen 9 Erwerbslose gezählt, im Oktober 4.  Korrespondent, 04.11.1909, S. 6
Korrespondent, 11.12.1909, S. 6
 4. Oktober  Auf dem Brandenburgischen Deutschnationalen Handlungsgehilfentag wird festgestellt, dass der Bezirk Zossen des Handlungsgehilfenverbandes eingegangen ist.  Vorwärts, 05.10.1909, S. 4
   „Ausgeschlossen werden nach § 22 des Statuts:

Auf Antrag einer Untersuchungskommission in Zossen:
Der Schlosser Fritz Budeus, geb. am 12. April 1873 zu Sutropp, Lit. A. Buch-Nr. 280153, wegen Schädigung des Verbandsinteresses.“
 Metallarbeiter-Zeitung, 16.10.1909, S. 333
 16. Oktober  

„Zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl wird am Sonnabendabend (16.10.- K.L.) 8 Uhr eine nach dem Lokal des Genossen P. Kurzner einberufenen Wählerversammlung Stellung nehmen. Genosse Dr. Bruno Borchardt- Charlottenburg spricht über das Thema: „Warum müssen wir Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung wählen?“
Bisher ist die Sozialdemokratie in der Stadtverordnetenversammlung noch nicht vertreten. Daß dem so ist, hat seine Ursache darin, daß sich ein großer Teil hier ansässiger Arbeiter bisher noch von „berufener“ Seite an die Wahlurne dirigieren ließ und dort die Stimme den bürgerlichen Kandidaten gab. So befanden sich bei der letzten Wahl unter 187 gegnerischen Stimmen allein über 100 Arbeiterstimmen. Dieser Zustand darf nicht länger dauern; jeder einzelne muß nun bestrebt sein, die Indifferenten aufzurütteln, damit es gelingt, der Sozialdemokratie im Rathause Eingang zu verschaffen.
Am Donnerstagabend 7 Uhr findet vom Lokale des Genossen Kurzner aus eine Flugblattverbreitung mit Kuvert an die Stadtverordnetenwähler der dritten Abteilung statt. Es wird erwartet, daß sich jeder Genosse an dieser wichtigen Arbeit beteiligt.“

Bericht über die Versammlung:
„Die Aufstellung der sozialdemokratischen Kandidaten zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen erfolgte in einer am Sonnabend einberufenen Kommunalwählerversammlung. Nach einem sehr instruktiven Vortrage des Genossen Dr. Borchardt über: „Warum müssen wir Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung wählen?“ und einer darauf stattgefundenen lebhaften Diskussion wurden die Genossen Friedrich Saupe, Buchdrucker, und Hermann Wißmann, Lackierer, einstimmig als Kandidaten für die dritte Wählerklasse nominiert.
Am Schlusse der Versammlung wurden die Anwesenden aufgefordert, nun auch alles einzusetzen, damit den sozialdemokratischen Kandidaten am Tage der Wahl zum Siege verholfen werde.“

 Vorwärts, 13.10.1909, S. 10
Vorwärts, 19.10.1909, S. 15
   „Die Stadtverordnetenergänzungswahlen finden, wie jetzt der Magistrat bekannt macht, bereits am Donnerstag, den 4. November, im Rathaus, Zimmer 1, statt. Die dritte Abteilung wählt von vormittags 11 bis nachmittags 2 Uhr. Daß die Wahl schon am 4. November angesetzt ist, überrascht allgemein. Allem Anschein will man der Sozialdemokratie möglichst wenig Zeit zur Agitation lassen. Unsere Genossen werden indessen die kurze Frist ausnützen, um für die Kandidaten der Sozialdemokratie, die Genossen Buchdrucker Friedrich Saupe und Lackierer Hermann Wißmann eine nachdrückliche Propaganda zu entfalten.“  Vorwärts, 21.10.1909, S. 14f.
26. Oktober Der Stadtverordnetensitzung am Dienstag lag ein Vertrag der Stadt mit der Elektrizitäts-Gesellschaft, die Energie außerhalb der Gemarkung Zossen abgeben will, vor. Nach dem Antrage darf der Preis für Strom an hiesige Abnehmer nicht teurer als an auswärtige berechnet werden. Die Stadt erhält vom Bruttogewinn für auswärtige Anschlüsse im Umkreis von 4 Kilometer 3 Proz., innerhalb 4 Kilometer bei Abgabe von Licht 10 Proz., bei Kraft 5 Proz. Die Stadt ist berechtigt, alle Anlagen zum Taxwerte übernehmen zu können, jedoch nur im ganzen. In dem Vertrage ist gleichzeitig der Mindeststeuersatz, den die Gesellschaft zu zahlen hat, auf 940 M. festgelegt. Betreffs der Beleuchtung der Straßen mit Gas, die die Stadt wegen mangelnder elektrischer Beleuchtung vornehmen will und deshalb schon eine Anzahl von Gaslaternen aufgestellt hat, ist es noch zu keinem Resultat gekommen. Das Elektrizitätswerk will nur an neuen Straßen, die noch keine elektrische Beleuchtung haben, die Gasbeleuchtung zur Hälfte zulassen. Ein Prozeß wird in diese Angelegenheit Aufklärung bringen. Bekanntlich beansprucht das Elektrizitätswerk eine Art Monopol auf Grund eines früheren Vertrages. Der jetzt vorgelegte Vertrag wurde vom Kollegium einstimmig angenommen. Die Art der Tilgung einer Anleihe in Höhe von 95000 M., die in einer früheren Versammlung beschlossen wurde, fand beim Regierungspräsidenten keine Genehmigung. Es wurde verlangt, die Tilgung mit 1 ¾ Proz. unter Zuwachs der ersparten Zinsen vorzunehmen. Man einigte sich auf 1 ½ Proz.“ Vorwärts, 29.10.1909, S. 14
31. Oktober „Zossen. Die Stadtverordnetenwahl für die dritte Klasse findet am Donnerstag, den 4. November, von vormittags 11 bis 2 Uhr nachmittags statt. Am Sonntag nahm nochmals eine öffentliche Wählerversammlung hierzu Stellung. Genosse Grauer-Lichtenberg hielt ein vorzügliches Referat über „Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und die Steuerausplünderung durch die bürgerlichen Parteien“. In der Diskussion wurde an der Hand der örtlichen Vorgänge dargelegt, daß die Wahl von Sozialdemokraten unbedingtes Erfordernis ist. Leider mußte, da Genosse Saupe bis zur Stunde eine Nachricht über die von ihm beantragte Naturalisation noch nicht erhalten hat, ein anderer Kandidat aufgestellt werden. An seine Stelle wurde der Kaufmann Ridzewski als Kandidat aufgestellt. An die Arbeiterschaft liegt es nun, dafür Sorge zu tragen, daß die sozialdemokratischen Kandidaten Lackierer Hermann Wißmann und Kaufmann H. Ridzewski gewählt werden.“ Vorwärts, 03.11.1909, S. 10
4. November „Zossen. Auf zur Stadtverordnetenwahl! Die hiesige Bevölkerung wird nochmals auf die heute Donnerstag stattfindende Ergänzungswahl zur Stadtverordnetenversammlung aufmerksam gemacht. Die III. Klasse wählt vormittags von 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Unsere Kandidaten sind die Genossen Heinrich Ridzewski und Hermann Wißmann. – Die II. Klasse wählt nachmittags von 2 1/“ bis 3 ½ Uhr. Unsere Kandidaten sind die Genossen Otto Rakow und Paul Kurzner. Arbeiter, Parteigenossen! Tut heute nach besten Kräften Eure Pflicht!“ Vorwärts, 04.11.1909, S. 10
  „Zossen. In der letzten Stadtverordnetenversammlung teilte der Stadtverordnetenvorsteher Spiegel zunächst mit, daß die Behauptung des Pastors Stier in Motzen, der Bürgermeister Dr. Wirth habe bei dem Erwerb eines Grundstückes, das später vom Fiskus zum Truppenübungsplatz angekauft wurde, spekulative Interessen verfolgt, als unbegründet zurückgewiesen werden müsse. Die Deputation, bestehend aus Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern, sei im Kriegsministerium vorstellig geworden. Dort habe sie den Bescheid erhalten, daß, als 1904 der Bürgermeister das betreffende Terrain gekauft habe, man im Ministerium noch keine Kenntnis vpn der Anlegung eines Übungsplatzes haben konnte. Hierauf wurden die neugewählten Stadtverordneten, darunter auch unsere Genossen Ridzenski und Wißmann, in ihr Amt eingeführt. Alsdann beschäftigte sich die Versammlung mit dem Kaufmann Maswig, der seit 1889 die Durchreisenden beherbergte und dem seinerzeit deshalb die Schankkonzession erteilt wurde. M. hat der Stadt angezeigt, daß er vom 1. November ab keine Fremden mehr beherberge. Verhandlungen, die die Stadt mit M. einleitete, scheiterten, weshalb die Stadt die Fremden unterbringen mußte. Der Magistrat beschloß daher, beim Kreisausschuß die Einziehung der Konzession zu beantragen und ferner M. auf Schadenersatz zu verklagen. Die Versammlung stimmte dem Beschlusse des Magistrats zu. Die zu Schulzwecken angekaufte Steffeksche Villa wurde Dr. Ruprecht zum Preise von 3000 M. pro Jahr überlassen.“ Vorwärts, 05.12.1909, S. 22
  Aus dem Gaubericht Berlin des Sattlerverbandes für das 2. HJ 1909:
„Als letzter Ort, in dem eine Zahlstelle unterhalten wird, käme Zossen in Frage. Sieben Mitglieder zählte die Zahlstelle am Jahresabschluß, die wohl alle in der Werkstatt der „Internationalen Schlafwagengesellschaft“ beschäftigt sind. Der Durchschnittslohn beträgt 44 Pf. bei elfstündiger Arbeit.“
Sattler- und Portefeuiller-Zeitung, 18.02.1910, S. 5
31. Dezember Der Ortsverein Zossen des Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte 1909 89 Mitglieder.
Der Ortsverein des Verbandes der Maurer zählt 103 Mitglieder.
Das Gewerkschaftskartell umfaßt 11 Gewerkschaften mit 309 Mitgliedern.
Metallarbeiter-Zeitung, 26.03.1910, S. 103
Der Grundstein, 02.04.1910, S. 6
Statistische Beilage des Correspondenz-Blatt, Nr. 4, 11. Juni 1910, S. 115.

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