1913

 

 

 Datum  Ereignis  Quelle
 25. Januar  „Zossen. Eine öffentliche Jugendversammlung findet heute Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn Scherler, Baruther Str. 10, statt. Schriftsteller Emil Unger-Berlin spricht über das Thema: „Der Zweck und die Ziele der bürgerlichen und proletarischen Jugendbewegung“. - Der Jugendausschuß erwartet eine zahlreiche Beteiligung.“
Diese Versammlung wurde aufgelöst und am 1. Februar wiederholt.
 Vorwärts, 26.01.1913, S. 15
 28. Januar  „Zossen. In der Monatsversammlung des Wahlvereins referierte Genosse Heinig-Berlin zunächst über: „Die Technik der preußischen Landtagswahlen“. Zwei weitere Abende sind hierfür vorgesehen; als nächster: Freitag, den 31. Januar, in Dabendorf im Lokal von Wiese. Als Wahlmänner für die Landtagswahl wurden aufgestellt: für den 1. Bezirk Genosse Domke, für den 3. Bezirk Genosse Saupe. – Die Abrechnung vom 2. Quartal weist einen Bestand von 48,14 M. auf. – Als zweiter Vorsitzender wurde Genosse Albrecht gewählt. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Witt und Schreiber gewählt. Das 10. Stiftungsfest soll am 1. März in Form eines Rezitations- und Liederabends gefeiert werden.“  Vorwärts, 30.01.1913, S. 14
   „Über die Bedeutung der Konsumgenossenschaften unter Berücksichtigung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage referierte Mirus in einer leider nur schwach besuchten, vom Gewerkschaftskartell einberufenen öffentlichen Versammlung. – Der Referent verstand es in überzeugender Weise die Zuhörer von der Notwendigkeit und der hohen Bedeutung der Konsumentenorganisation zu überzeugen. Es dürfte daher der Erfolg dieser Versammlung ein guter sein, wenn jeder Anwesende dem Appell, für die Ausbreitung und Festigung des Genossenschaftsgedankens zu wirken, Folge leistet.“  Vorwärts, 30.01.1913, S. 14
 1. Februar  „Zossen. Als bester Agitator hat sich wiedereinmal die Polizei erwiesen. Eine vor kurzem vom Jugendausschuß einberufene Jugendversammlung wurde aufgelöst, weil die Polizei in der Behandlung des Themas die Proletarische und bürgerliche Jugendbewegung eine politische Angelegenheit erblickt. Als Antwort hierauf fand am Sonntag abermals eine Versammlung statt, in welcher Genosse Düwell einen Vortrag über das Thema: „Der Kampf der Bauern gegen den König“ hielt. Zahlreicher als in der vorigen Versammlung hatten sich diesmal die Jugendlichen eingestellt. Die Versammlung nahm einen ungestörten Verlauf. Nach Schluß dieser fand im gleichen Lokal noch eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Unger unter starkem Beifall Kritik an der preußischen Polizeiwillkür übte.“  Vorwärts, 07.02.1913, S. 14
   Vom Vorstand des Tabakarbeiterverbandes ernannt für Zahlstelle Zossen: Fritz Freiwald als 1. Beauftragter, Gustav Reetz als 2. Beauftragter; Otto Kockert und E. Lange als Kontrolleure.  Tabak-Arbeiter, 16.02.1913, S. 7
 2. März  Zum dritten Mal führt die SPD deutschlandweit einen Frauentag durch. Thema ist der Kampf um das Frauenwahlrecht. Aus Zossen wird von einer Frauenversammlung gemeldet: „Vor ungefähr 60 Personen referierte Genossin L. Siedel-Neukölln. Am Schlusse ihrer einstündigen Rede erntete die Referentin reichen Beifall. Der leider schwache Besuch der Versammlung beweist, daß bei den Frauen sowohl als auch bei den Männern noch viel Arbeit geleistet werden muß. In der Versammlung wurden einige Aufnahmen für den Wahlverein gemacht.“  Vorwärts, 04.03.1913, S. 9
 8. März  „Am Sonnabend, den 8. März, abends 8 Uhr, veranstaltet der Wahlverein im Lokal des Herrn Scherler (früher Kurzner) aus Anlaß seines 10. Stiftungsfestes einen Kunstabend. Es ist alles aufgeboten worden, um den Parteigenossinnen und -Genossen einen genußreichen Abend zu bereiten.“  Vorwärts, 06.03.1913, S. 13
 23. März  Gautag des Gaues 1 des Buchbinderverbandes in Potsdam. Delegierter aus Zossen Schwoch  Buchbinderzeitung, 06.04.1913, S. 115
   Aus dem Gaubericht Berlin für Oktober 1912 bis Dezember 1913:
„Einen wesentlichen und schnelleren Verlauf nahm die Lohnbewegung in Zossen. Wir haben dort einen Stamm von gegenwärtig 12 Mitgliedern, welche sämtlich in den Werkstätten der Internationalen Schlafwagengesellschaft beschäftigt sind. Am 2. April wurde in einer Betriebsversammlung die Bewegung eingeleitet und wurden die Vertreter der beteiligten Organisationen beauftragt, die aufgestellten Forderungen der Direktion zu unterbreiten. Nach zweimonatigem Verhandeln endete die Bewegung ohne Arbeitseinstellung mit dem Abschluß eines Tarifvertrages für 3 Jahre. Es gelang darin, die Arbeitszeit von 59 auf 54 Stunden pro Woche zu reduzieren und außer dem entsprechenden Lohnausgleich die Löhne sämtlicher Handwerker während der Dauer des Vertrages um 5 Pf. zu erhöhen, ferner wurden die Einstellungslöhne von 40 – 50 Pf. auf 58 bis 60 Pf. pro Stunde ebenfalls für sämtliche Handwerker erhöht.“
 Sattler- und Portefeuiller-Zeitung, 20. Februar 1914
5. April  „Zossen. Unsre am 5. April stattgehabte Bezirksversammlung hatte sich eines recht guten Besuchs zu erfreuen. Auch die Kartelldelegierten und Vorstände der übrigen Gewerkschaften waren hierzu eingeladen und auch zahlreich erschienen. Kollege Rexhäuser (Leipzig) hielt einen sehr instruktiven Vortrag über Wirtschafts- und Organisationsfragen“ in Verbindung mit „Christliche und gelbe Gewerkschaften“. Redner gab in sehr klarer und verständlicher Weise ein Bild der früheren und jetzigen wirtschaftlichen Verhältnisse, dabei auf die sich für die Gewerkschaften und und besonders für unsre Organisation notwendig machenden Aufgaben hinweisend. Auch die Stellung und das Wirken der christlichen und gelben Gewerkschaften streifend, schloß Referent seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Kollege Möller dankte dem Referenten namens der Versammlung. Dem Gauvorstande wurden vier neuausgelernte Kollegen zur Aufnahme empfohlen. Nach Entgegennahme des Kartellberichts schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die freien Gewerkschaften.“  Korrespondent, 19.04.1913, S. 6
 13. April  „Zossen. Aus Anlaß des 50jährigen Berufsjubiläum des Kollegen Mühlbach veranstaltet unser Ortsverein am 13. April einen Kommers.“  Korrespondent, 12.04.1913, S. 6
   „Zossen. Ein Stelldichein für die bevorstehende Landtagswahl hatten sich dieser Tage im „Hotel zum goldenen Löwen“ die verbündeten Liberalen gegeben. Anwesend waren ungefähr 150 Personen, davon Dreiviertel unserer Parteigenossen. Nach Ansprachen der beiden Kandidaten beleuchtete Genosse Klüß besonders das Verhalten der Nationalliberalen. Treffend wies Redner den Vorwurf, die Sozialdemokratie wäre schuld daran, daß bei der Ersatzwahl in unserem Kreis ein konservativer Abgeordneter gewählt wurde, zurück. Berechtigte Entrüstung riefen noch die Ausführungen eines nationalliberalen Herrn Dr. Fuchs hervor, der wohl mehr mit seiner Stellung als mit seinen politischen Kenntnissen prahlen wollte.“  Vorwärts, 23.04.1913, S. 14
 29. April  „Zossen. Über die Aufhebung des Bürgerrechtsgeldes wurde in der letzten Stadtverordnetenversammlung beraten. Der Magistrat machte den Vorschlag, das Bürgergeld ab 1. April nicht mehr zu erheben. Dagegen wandten sich verschiedene Stadtverordnete; sie hielten es an der Zeit, dasselbe sofort aufzuheben. Beschlossen wurde, für das nächste Etatjahr das Bürgergeld nicht mehr zu erheben. Recht rückständige Ansichten vertrat hierbei der Stadtv. Präger der sagte, er hätte es bezahlen müssen, dann könnten es die andern auch bezahlen. – Zum Ratsmann wurde bis 1. April 1917 Stadtv. Guericke gewählt. Als Schiedsmann fungiert auf 6 Jahre Kaufmann Weege, als Stellvertreter Böttchermeister Wuthe. Der Bericht des Schularztes lautete im allgemeinen günstig, sowohl für die neu eingeschulten, als auch für die älteren Kinder.“  Vorwärts, 01.05.1913, S. 22
 1. Mai  „Zossen. Am Frühausflug nach Dabendorf beteiligten sich 150 Personen. Im Haackerschen Lokal hatten sich die Dabendorfer Genossen eingefunden, um ein angesetztes Referat über die Bedeutung des Tages zu hören: leider blieb der Referent aus. Am Nachmittagsumzug durch die Stadt sowie an der Abendfeier beteiligten sich 400 Personen, ein Beweis dafür, daß auch der Maigedanke in unserem Städtchen immer tiefere Wurzeln schlägt!"  Vorwärts, 03.05.1913, S. 6
   Landtagswählerversammlungen:
„In Zossen behandelten gleichfalls die beiden Kandidaten des Kreises, die Gen. Hofer und Groger, die preußischen Verhältnisse. Letzterer konnte noch darauf hinweisen, wie Reichsgesetze durch preußische Verwaltungsbeamte in ganz reaktionärer Weise ausgelegt würden. So habe der Amtsvorsteher von Motzen, Herr Dr. Wirth in Zossen, das Reichsvereinsgesetz mißbraucht; durch alle Instanzen habe er eines Besseren belehrt werden müssen.“
 Vorwärts, 04.05.1913, S. 22
 18. Mai  Zentralverband der Töpfer führt Bezirksversammlung in Zossen durch. Themen: Stellungnahme zur Tarifvorlage und Vorbereitung der Verbandskonferenz  Vorwärts, 15.05.1913, S. 8
 31. Mai  „Bezirk Zossen. (Vierteljahresbericht.) In der Versammlung am 31. Mai wurden zwei Kollegen aufgenommen. Nach Entgegennahme des Kassenberichts wurden noch verschiedene örtliche Angelegenheiten geregelt. Zu dem vom hiesigen Kartell arrangierten Kursus zur Reichsversicherungsordnung hatten unsre Kollegen reges Interesse bekundet. - In der am 16. Juni stattgehabten Versammlung wurden die vom Bezirke Zossen gestellten Anträge zum diesjährigen Gautage besprochen und die Delegierten aufgestellt. Eine längere Debatte entspann sich über den Kartellbeschluß betreffs des Boykotts von hiesigen Lokalen. – Die Versammlung am 8. Juli nahm den Bericht unsres Gauvorstehers Hannack über die Generalversammlung in Danzig entgegen. Ohne besondere Diskussion erklärte sich die Versammlung mit den gefaßten Beschlüssen einverstanden und dem Referenten wurde für seine vortrefflichen Ausführungen reicher Beifall zuteil.“  Korrespondent, 29.07.1913, S. 7
 1. Juni  „In Zossen, Zahlstelle von Berlin, wurde zwischen der Internationalen Schlafwagen-Gesellschaft und den in Frage kommenden Organisationen, u.a. auch mit unserm Verbande, auf gütlichem Verhandlungswege ein Vertrag abgeschlossen, der am 1. Juni 1913 in Kraft getreten ist und bis zum 1. Juni 1917 Gültigkeit hat. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde von 59 auf 54 Stunden herabgesetzt, also um fünf Stunden pro Woche verkürzt unter Fortzahlung des bisherigen Wochenlohnes. Außer dem Ausgleich von durchschnittlich 7 Pf. pro Stunde tritt noch auf alle bestehenden Löhne eine Lohnerhöhung ein und zwar am 1. April 1914 um 2 Pf., am 1. Oktober 1915 ebenfalls um 2 Pf. und am 1. Oktober 1916 nochmals 1 Pf. mehr. Auch die Einstellungslöhne bezw. Mindestlöhne wurden festgelegt und zwar für Lackierer und Maler auf 57 Pf. pro Stunde. Der Durchschnittslohn unsrer Mitglieder beträgt zurzeit 66 Pf. Berücksichtigt man die Arbeitszeitverkürzung um fünf Stunden pro Woche und die Steigerung des Wochenlohnes um etwa 3 Mk. während der Vetragsdauer, so kann hier wirklich von einem schönen Erfolge geredet werden, der auf dem Verhandlungswege erreicht wurde.“  Vereins-Anzeiger, Organ des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher und Weißbinder, 21. Juni 1913, S. 196
 

 Die sozialdemokratische Partei geht unter die Agrarier.

Das ist ein schönes Geschäft, dachte der Gemeindevorsteher von Fern-Neuendorf, wenn ich für einen halben Morgen Sand und Heide 275 M. bekomme, der mich selbst bloß 50 M. gekostet hat. Der Herr verkaufte ein bei Sperenberg gelegenes Stück Land an eine Kommission, die sich nachher als die sozialdemokratische Partei im Kreise entpuppte und die auch gleich Anstalten traf, hier in dieser friedlichen und abgelegenen Ecke des Kreises die Minierarbeit zu betreiben. So war am letzten Sonntag der Genosse Zubeil erschienen, um über das Thema „Der Kampf gegen die Reaktion in Preußen“ zu sprechen. Wohl versuchten die Ortsgewaltigen von Sperenberg und Fern-Neuendorf durch Veranstalten von Festlichkeiten die Arbeiterschaft vom Besuch abzuhalten; dennoch waren über 100 Personen erschienen, die in atemloser Stille, zum Teil das erste Mal in ihrem Leben den Worten eines Sozialdemokraten lauschten. Zahlreich waren die Anmeldungen für den Wahlverein nach Schluß der Versammlung, ein Beweis dafür, daß es auch in der schwärzesten Ecke im Kreise Teltow anfängt zu dämmern. Zur Erheiterung der Besucher hatte sich auch der frühere Besitzer, unser liebenswürdiger Nachbar, eingefunden, der die Versammlung dadurch stören wollte, indem er in barschem Tone einige auf seinem Grundstück stehende Besucher heruntertrieb, aber durch die Glossierung des Genossen Zubeil bald verschwand. – Jetzt werden die Herren unsere Genossen nicht mehr los werden, bis jetzt hatten sie durch Verweigerung der Säle verhindert, daß auch sozialistische Ideen propagiert wurden; umso energischer wird nunmehr die Aufklärungsarbeit einsetzen, zum Ärger der Bauern und Spießbürger.“

 „In der Notiz: „Die sozialdemokratische Partei geht unter die Agrarier“ ist dem Verfasser derselben ein Irrtum unterlaufen insofern, als es statt Gemeindevorsteher von Fern-Neuendorf heißen muß Gastwirt Präger, Sperenberg, Vorsitzender des Kriegervereins.“

 Vorwärts, 24.06.1913
 26./27. Juli  Gautag des Odergaus des Verbandes der deutschen Buchdrucker und Schriftgießer in Eberswalde. Als Delegierter aus Zossen tritt Möller in der Diskussion zum Geschäftsbericht und durch einen Antrag zur Änderung des Delegiertenschlüssels in Erscheinung.  Korrespondent, 07.08.1913, S. 3f.
 31. August  „Zossen. Am Sonntag, 31. August, tagte im Verbandslokal unsere Zahlstellenversammlung. Dieselbe befaßte sich mit dem Ergebnis der Tarifbewegung am Orte. Hierzu gab Kamerad Hinrichsen-Berlin eine eingehende Erläuterung der einzelnen Positionen und stellte es den Kameraden anheim, ob sie dem Tarifvertrage ihre Zustimmung geben wollen oder nicht. In der Diskussion wurde das Für und gegen der Annahme des Tarifvertrages unter Würdigung aller einschlägigen Verhältnisse, die für das Zossener Vertragsgebiet in Betracht kommen, gebührend hervorgehoben. Die Abstimmung hierüber ergab einstimmige Annahme des Vertrages. Hierauf wurde die Wahl der Schlichtungskommission vorgenommen. Gewählt wurden die Kameraden Knape, Henkel und Städtefeldt. Im zweiten Punkt der Tagesordnung berichtete Kamerad Knape von der letzten öffentlichen Zimmererversammlung, die seitens der lokalorganisierten Zimmerer einberufen worden war. Redner resümierte am Schlusse seiner Ausführungen, daß er durch diese Versammlung in seiner bisherigen Wahrnehmung darin bestärkt worden sei, daß die Vereinsmitglieder bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Mund immer recht voll nehmen, sonst aber, wenn es sich darum handelt, die beruflich-materiellen Interessen der Kameraden wahrzunehmen, auch nicht einen Finger rühren. Im Gegenteil. So sei im ersten Punkt ja festgestellt, daß die nachteiligen Bestimmungen im Vertrage auf das geradezu kindische Verhalten der beiden Lokalisten zurückzuführen sei, die der Verhandlung zwecks Abschlusses des Vertrages beigewohnt haben. Redner appellierte an die Anwesenden, sich durch die nichtssagenden Phrasen der Lokalisten nicht beirren zu lassen, sondern unentwegt für die Verbandsinteressen zu agitieren und organisieren.“  Der Zimmerer, 20.09.1913, S. 6
   „Ein Betriebsunfall ereignete sich in der Dampfwäscherei der Internationalen Schlafwagengesellschaft. Die dort tätige Ehefrau des Arbeiters L. Kam mit der linken Hand den Walzen zu nahe, sie wurde von denselben erfaßt und vollständig abgequetscht. Wie man uns mitteilt, soll in jenem Betriebe das Überstundenunwesen sehr in Blüte stehen, auch wird behauptet, daß der jugendliche Aufsichtsbeamte die in dem Betriebe beschäftigten Frauen oft zu Mehrleistungen anspornt. Solche Umstände seien geeignet, die Unfallgefahren zu erhöhen.“  Vorwärts, 03.10.1913, S. 10
   „Ein Unglücksfall ereignete sich in der Stubenrauchstraße. Dort fiel dere fünfjährige Sohn des Buchdruckers R. In den diese Straße begrenzenden, über 2 Meter tiefen Graben, wobei er sich erhebliche Kopfverletzungen zuzog, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Das Unglück konnte vermieden werden, wenn die zuständige Behörde den Graben genügend geschützt hätte. Jetzt ist der Graben bloß durch eine Eisenschiene abgegrenzt, durch die Kinder von 6 Jahren noch bequem hindurch können. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die städtischen Behörden ersuchen, einen Spielplatz für die Kinder einzurichten, wozu das städtische Gelände am Bahnhof sehr gut geeignet wäre. Es ist tatsächlich ein Wunder, daß bei dem starken Autoverkehr nicht mehr Unfälle passieren. An der hiesigen Arbeiterschaft wird es liegen, bei der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl die Kandidaten der Sozialdemokratie zu unterstützen, damit dieselben an zuständiger Stelle auf die kommunalen Angelegenheiten einen Einfluß erlangen.“  Vorwärts, 10.10.1913, S. 10
 15. Oktober (?)  Stadtverordnetensitzung. Nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen wurde beschlossen, eine Petition an den Kreisausschuß zu senden, das Kanalprojekt Leipzig-Berlin über Zossen-Königswusterhausen zu fördern. Eine lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag Sels und Genossen: Übernahme von Resthypotheken der Rentenhäuser durch die Stadt. Nachdem der hiesige Christliche Volksverein durch das Bauen von Eigenheimen sich in eine Sackgasse verrannt hat, soll die Stadt kommen und helfen. Unseres Erachtens nach hätte die Stadt schon längst aus eigener Initiative heraus den Bau von Kleinwohnungen fördern sollen. Befremden erregten die Ausführungen des Stadtv. Stark, der sagte, dadurch, daß den Arbeitern Gelegenheit gegeben würde, sich eine eigene Scholle zu gründen, würden sie zufriedener gemacht, denn jetzt sei ihre Devise: „Wir leben und genießen“. Sogar die 10jährigen schulkinder würden schon aufstützig und drohten, wenn sie in der Schule bestraft werden sollen, die Sache in die Öffentlichkeit zu bringen. Nach längerem Hin und Her wurde die Sache an eine Kommission verwiesen. Unter Verschiedenem teilte der Bürgermeister mit, daß Zossen keine Garnison erhalte.“  Vorwärts, 16.10.1913, S. 10
 16. Oktober  Abends, 8 ½ Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung des Ortswahlvereins der SPD. Tagesordnung: Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl.  Vorwärts, 14.10.1913, S. 9
 18. Oktober  Abends 8 ½ Uhr Öffentliche Versammlung. Thema 1. Weshalb wählen wir Sozialdemokraten in das Stadtparlament? 2. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl.  Vorwärts, 14.10.1913, S. 9
 19. Oktober  Morgens 8 Uhr Broschüren- und Kalenderverteilung in Zossen und dem Agitationsbezirk.   Vorwärts, 14.10.1913, S. 9
 3. November

 Am Montag, den 3. November, von vormittags 10 Uhr bis 2 Uhr nachmittags, findet die Stadtverordnetenwahl der 3. Abteilung statt. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind der Tischler Otto Dorn und der Schriftsetzer Friedrich Saupe. Das Wahllokal befindet sich im Rathaus.
Wir ersuchen die Berliner Genossen, soweit solche mit Zossener Wählern zusammenarbeiten, diese an ihre Wahlpflicht erinnern. Bei einiger Kraftanstrengung muß der Sieg unser sein.“

„Bei der am Montag stattgefundenen Stadtverordnetenwahl war es leider nicht möglich, unseren Kandidaten der dritten Klasse zum Siege zu verhelfen. Gewählt wurden: Rentier Spiegel und Zimmermeister Miethge. Ein großer Teil der Arbeiter war nicht wahlberechtigt, weil sie kein Bürgergeld bezahlt hatten.“

 Vorwärts, 01.11.1913, S. 10
Vorwärts, 07.11.1913, S. 11
   „Die Arbeiter der Treppengeländerbranche beschäftigten sich am Montag mit den letzten Vorkommnissen in der Branche. In Zeiten der Krise, wie sie besonders jetzt im Baufach besteht, denken manche Unternehmer, daß für sie der Vertrag keine Gültigkeit hat und sie nach Belieben schalten und walten können. In dieser Hinsicht tut sich Herr Geisler besonders hervor. Mehrere Treppengeländerarbeiter hatten eine Arbeit beim Kasernenbau in Wünsdorf bei Zossen auszuführen. Der Tarif besagt: „Bei Bezug von Nachtquartier sind täglich 8,50 M. zu zahlen“. Herr Geisler verlangte nun, die Arbeiter sollten frühmorgens um 6 Uhr vom Anhalter Bahnhof und abends um 6 Uhr von Wünsdorf zurückfahren. Dadurch entstand für die Beteiligten eine Arbeits- und Fahrzeit von 13 bis 15 Stunden, statt der üblichen Arbeitszeit von täglich 8 ½ Stunden. Die Arbeiter verlangten die Fahr- und Wartezeit bezahlt, während Herr Geisler glaubte, sie mit einer Stunde abspeisen zu können. Die Schlichtungskommission erkannte die Forderung der Arbeiter an. Der Unternehmer mußte sich aber erst vom Innungsschiedsgericht dazu zwingen lassen, die berechtigten Forderungen der Arbeiter zu erfüllen. Die Sache schwebte noch, da suchte Herr Geisler schon wieder Vorteile für sich auf Kosten der Arbeiter herauszuschlagen. Er übergab zwei Leuten eine Arbeit in Akkord und sagte: Sie sollten sich nur ranhalten, sie könnten auch etwas dabei verdienen. Nach Fertigstellung der Arbeit wollte dieselbe jedoch nur in Lohn zahlen. Die Arbeiter hatten dadurch einen Minderverdienst von 33 M. Sie protestierten dagegen und wurden darauf entlassen. Bei der Verhandlung gab Herr Geisler glänzende Proben von Unternehmerbildung zum besten. Auch in diesem Falle sind die davon betroffenen Organisationsvertreter entschlossen ihr gutes Recht zu wahren. Die Erbitterung der Treppengeländerarbeiter ist diesem Unternehmer gegenüber besonders groß, weil er infolge der Anerkennung des Vertrags die Arbeiten im Verbandshaus der Holzarbeiter übertragen erhielt. Den Gewinn daraus steckte er in seine Tasche und nun behandelt er die Arbeiter derselben Organisation in der geschilderten Weise.“  Vorwärts, 21.11.1913, S. 6
   „Zossen. Die Stadtverordnetenwahlen für die dritte Abteilung wurden in der letzten Stadtverordnetensitzung nach Erledigung einiger unwesentlicher Punkte für ungültig erklärt. Gewählt waren zwei Mieter, es mußten jedoch je ein Vertreter der Mieter und Hausbesitzer gewählt werden. Beide Kandidaten hatten gleiche Stimmenzahl“.  Vorwärts, 21.11.1913, S. 10
 

„Die Wahlvereinsversammlung am Donnerstag den 27., fällt wegen der Volksversammlung mit dem Thema „Der Massenstreik gegen die Staatskirche“ aus. Die Mitgliederversammlung findet am Montag, den 1. Dezember, abends 8 ½ Uhr, bei Scherler statt.“

„Zossen. Die vor einigen Tagen vom Komitee Konfessionslos einberufene öffentliche Versammlung, in welcher Frau Regina Ruben referierte, hatte zum Resultat, daß 31 Anwesende ihren Austritt aus der Landeskirche anmeldeten“.

Vorwärts, 26.11.1913, S. 9
Vorwärts, 30.11.1913, S. 10
 1. Dezember  „Zossen. Über unsere nächsten Aufgaben referierte in der am Montag stattgefundenen Wahlvereinsversammlung Genosse Aysch-Berlin. Seine Ausführungen klangen in die Mahnung, durch rege und tiefgründige Agitation den kleinen Verlust des Vorjahres durch einen starken Mitgliederzuwachs wieder wett zu machen.
Als Kandidat für die am Montag, den 8. Dezember, stattfindende Stadtverordnetenwahl wurde Genosse Saupe aufgestellt; die Genossen wurden ersucht, recht rege bei der Wahlarbeit zu helfen – Am Sonntag nachmittag findet bei Scherler im langen Zimmer eine Bücherausstellung für den Weihnachtstisch statt.-- In den nächsten Tagen werden Sammellisten zur Weihnachtsbescherung der Kinder der Arbeitslosen ausgegeben, die organisierten Arbeiter werden ersucht, recht rege Gebrauch zu machen.“
 Vorwärts, 05.12.1913, S. 10
   „Zossen. Am 1. Weihnachtsfeiertag veranstaltet der Wahlverein im Lokale des Herrn Scherler eine Weihnachtsfeier. Diese beginnt nachmittags 4 Uhr mit einem Lichtbildervortrag von Gen. Ingenieur Otto Roth-Berlin. Um 8 Uhr abends: Auftreten des Humoristen Herrn W. Holz-Berlin und der Vortragskünstlerin Frl. Anna Rau-Berlin.“   Vorwärts, 23.12.1913, S. 9
   Die „Arbeiter-Jugend“ hatte 1911 in Zossen 18 Abonnenten. Die Zahl steigt 1913 auf 25.  Fricke, Diter: Handbuch zur Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, Band 1, S. 583
 31. Dezember  Der Ortsverein Zossen der SPD zählt 176 Mitglieder  Die sozialen und politischen Verhältnisse in der Provinz Brandenburg von 1871-1917, Beiheft, S. 28
 31. Dezember  Im Jahre 1913 hatte der Ortsverein des Verbandes der Zimmerer Deutschlands in Zossen 18 Mitglieder.
Das Ortskartell der Gewerkschaften umfaßte 1913 12 Gewerkschaften mit 393 Mitgliedern.
Der Metallarbeiterverband hatte 1913 in Zossen 51 Mitglieder. Der Maurerverband hatte in Zossen 1913 85 Mitglieder.
 

Der Zimmerer, 28.03.1914, S. 22
Statistische Beilage des Correspondenz-Blatt, Nr. 5, 18.Juli 1914, S. 150.

Metallarbeiter-Zeitung, 02.05.1914, S. 146

Der Grundstein, 04.04.1914, S. 174

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